Kling, Glöckchen, bongelongelong. - Aus isses mit der vertrauten Besinnlichkeit. Cuba Percussion hau'n fröhlich ins Coburger Advents-Klingeling. Und ein bis unters Dach volles Kongresshaus schallt fröhlich zurück.
Antoinetta Bafas hat es mit ihrem Chor "Unerhört" wieder geschafft, alle aus der gewohnten Fassung zu bringen, zusammen mit den international renommierten Klazz Brothers & Cuba Percussion. Die waren am Sonntag erneut angereist, nach dem verblüffenden "Unerhört"-Jubiläumskonzert im Frühjahr nun unter dem Stichwort "Christmas meets Cuba".
Diesmal waren es die höchst ausgezeichneten Musiker um den Kontrabassisten Kilian Forster, die nach neuerlichem Zusammenwirken mit dem "unerhört wundervollen Chor" riefen, wie Forster im Kongresshaus komplimentierte. Die einfallsreich Klassik und Jazz überspringenden Klazz Brothers haben den Bafas-Chor eingeladen, mit ihnen am 17. Dezember das Festival Kissinger Winterzauber zu eröffnen. Für Coburg fiel als Vorweihnachtsgeschenk dieses Sonderkonzert ab, das erneut von Christian Limpert moderiert wurde.
Was Antoinetta Bafas dazu brachte, sofort wieder ein paar übermütige musikalische Purzelbäume zu schlagen. Erst noch ganz friedlich mit ein paar fränkischen Weihnachtsliedern aus der Bearbeitung des Coburger Komponisten Gerhard Deutschmann beginnend, kam es später im Zusammenklang mit den Klazz Brothers zu "unerhört klazzifizierten" Fassungen. Ach du fröhliche...


Das könnte auch kippen

Was dem Chor unter den südamerikanischen und jazzigen Rhythmen von Alexis Herrera Esteves (Bongos, Timbales), Elio Rodrigues Luis (Congas) und Tim Hahn (Drums) an Wendigkeit und Flexibilität abverlangt wurde, an der Fähigkeit, das Andere überhaupt erst zu denken, hätte auch schiefgehen, kippen können, zumal die Klazz Brothers ja nur wenige Stunden zum Proben zur Verfügung standen, erst ab ein Uhr mittags. Tat es aber nicht. Antoinetta Bafas ignoriert Grenzen und Ängste geradezu mit Vermessenheit und hievt und hält 70 Laiensängerinnen und -sänger im musikalischen Sturm.
Als täten sie nie etwas anderes, surften die Profis unter Federführung von Kilian Forster und nicht selten auch übermütig angetrieben von Bruno Böhmer Camacho am Flügel über den Wellen von Begeisterung und chorischen Verrücktheiten.
Zusammen boten Chor und Band kubanisierte Klassik, Händels "Hallelujah" in fetziger Fassung, die Feuerwerksmusik in etwas skurrilem Jubilate und Auszüge aus früheren Konzerten. Im Gloria aus der "Misa Criolla" kam Marino Polanco, Chormitglied am Landestheater, zu tenoral schallendem Einsatz.
Klazz Brothers & Cuba Percussion hatten druckfrisch ihre neue CD dabei, nach vielerlei Mozart- und anderen Klassik-Rendezvous in der Vergangenheit diesmal Tango-Interpretationen und Improvisationen in typischer Klazz Brothers-Manier. In Coburg gab es Piazzolla in herber Fassung, die sich stürmisch aufbäumte, wie mit beethovenscher Wucht tobte.
Als ob das alles noch nicht genug gewesen wäre an Mitreißendem und Erstaunlichen, holte man auch noch diesen Ausnahmesänger Kenny Wesley auf die Bühne. Mit hoher, weicher Stimme von verblüffender Spannweite improvisierte er, rief und zauberte den Geist der Königinnen des afroamerikanischen Jazzgesangs herbei. "Ouh Tännenboum, ouh Tännenboum...", kann ich da nur noch sagen.

CD-TippKlazz Brothers & Cuba Percussion: Tango Meets Cuba. Tango-Bearbeitungen von Bruno Böhmer Camacho, 56 Minuten, 16,90 Euro.

Klazz Brothers & Cuba Percussion verbinden klassische Musik und Jazz. Das Ensemble besteht aus Kilian Forster (Kontrabass), Bruno Böhmer Camacho (Piano), Tim Hahn (Schlagzeug), Alexis Herrera Estevez (Timbales) und Elio Rodriguez Luis (Congas). Sie erhielten 2003 für "Classic meets Cuba" und 2006 für "Mozart meets Cuba" den Echo Klassik, für "Jazz Meets Cuba" den German Jazz Award.

Chor Unerhört Gegründet 2006 von Antoinetta Bafas. 2009 erstes eigenes Musical "Oliver". Als Themen-Konzerte wurden die Misa Criolla von Ariel Ramírez, Carl Orffs "Carmina burana", Duke Ellingtons "Sacred Concert" und "Navidad Nuestra" gegeben.