Das Empfangskomitee war klein, aber fein: Landtagsabgeordneter Jürgen Heike (CSU), Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD), IHK-Präsident Friedrich Herdan, das Unternehmerehepaar Tina Vlantoussi-Kaeser und Thomas Kaeser, die Unternehmer Martin Kapp und Frank Schneider (Rolly Toys). Sie nutzten die Gelegenheit, am Samstag auf Schloss Callenberg den Botschafter der USA in Deutschland, John B. Emerson und Ehefrau Kimberly Marteau Emerson zu treffen.

Ein kurzfristig zustande gekommener Termin: Prinzessin Kelly von Sachsen-Coburg und Gotha, selbst US-Amerikanerin, hatte den Botschafter bei einem privaten Essen in Berlin kennengelernt. Natürlich lud sie ihn spontan ein, Coburg und Schloss Callenberg zu besuchen, und nun ergab sich die Gelegenheit. Der Botschafter besuchte am Freitag eine Veranstaltung zum 70. Jahrestag der Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozesse in Nürnberg, am Abend folgte eine Veranstaltung bei der dortigen IHK zum Thema "Transatlantische Handels- und Informationspartnerschaft", an der auch Bayerns Wirtschaftsminister Markus Söder teilnahm. Am Samstag stand die Eröffnung der Bayreuther Festspiele auf dem Besuchsprogramm - und dazwischen war tatsächlich noch zwei Stunden Zeit für Schloss Callenberg.

Kultur und Wirtschaft

Erbprinz Hubertus von Sachsen-Coburg und Gotha und Gemahlin Kelly führten die Gäste persönlich durch die Räume im Schloss, wo es Exponate zur Geschichte der herzoglichen Familie und ausgewählte Sammlerstücke zu besichtigen gibt. Der Botschafter war dabei leicht gehandicapt: Nach einer Knieoperation ist er derzeit auf den Rollstuhl und Krücken angewiesen. Da sind die engen Sitzreihen im Bayreuther Festspielhaus keine schöne Aussicht, aber der Botschafter gab sich zuversichtlich: Man habe ihm einen Schemel versprochen, so dass er sein Bein hochlegen könne, sagte er.

Doch primär ging es beim leichten Business-Lunch in der Bel-Etage des ehemaligen Sommersitzes der Coburger Herzöge um Wirtschaftsthemen. Erbprinz Hubertus hatte rund 20 Coburger Unternehmen mit einem Bezug zu den USA eingeladen, aber nur wenige - exakt vier - waren der kurzfristigen Einladung gefolgt. Aber immerhin war der Botschafter dank der persönlichen Bemühungen der Familie derer von Sachsen-Coburg und Gotha nun schon mal da, und Oberbürgermeister Norbert Tessmer sprach gleich die nächste Einladung aus: Dann soll John B. Emerson offiziell nach Coburg kommen, sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen und mit Unternehmern der Region diskutieren.

Enge Bindung aufrechterhalten

Der Wochenendbesuch in Bayern war für den Botschafter der mittlerweile 30. im Freistaat, wie er sagte. Seit August 2013 ist John B. Emerson als Botschafter der Vereinigen Staaten in Deutschland akkreditiert. Die junge Generation in Deutschland sei ganz selbstverständlich mit den engen Beziehungen zu den USA aufgewachsen, sagte Emerson. Die Älteren erinnern sich noch an die Luftbrücke der US-Armee (zur Versorgung Westberlins, weil die Straßen durch die umgebende DDR gesperrt waren), an die Worte des damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy "Ich bin ein Berliner" (1961) oder an Ronald Reagans Aufforderung "Herr Gorbatschow, reißen Sie die Mauer ein", die der damalige US-Präsident bei seinem Besuch 1987 formulierte. Die junge Generation hingegen brauche ihre eigenen Gründe, um die enge Beziehung fortzusetzen, und enge kulturelle und wirtschaftliche Bindungen seien dafür entscheidend, sagte der US-Botschafter.

"Lebende Brücke"

Seine Frau Kimberly zeigte sich fasziniert von Ort und Gastgebern: Erbprinz Hubertus und Prinzessin Kelly bildeten ja selbst eine lebende Brücke zwischen Deutschland und den USA, sagte sie. Deren Vater, Prinz Andreas von Sachsen-Coburg und Gotha und Chef des Hauses, ließ es sich nicht nehmen, die Gäste ebenfalls zu begrüßen. Prinz Andreas hat seine Kindheit und Jugend in den USA verbracht, weil seine Mutter nach dem Zweiten Weltkrieg einen US-Offizier geheiratet hatte, und entschied sich erst als Erwachsener, zurückzukehren.

John B. Emerson und Kimberly Marteau Emerson haben ebenfalls deutsche Wurzeln, "die bis zu ihren Großeltern zurückreichen", wie es auf der Homepage der Botschaft heißt. Beide waren schon für die Regierung Clinton in verantwortlicher Position tätig. Von 1997 bis 2013 fungierte John B. Emerson als Präsident von Capital Group Private Client Services. Capital Group ist eine der größten Investmentgesellschaften und verwaltet Vermögenswerte in Höhe von mehr als einer Billion US-Dollar.