Es ist erstaunlich, was die Höhner Ausdauerathletin Stephanie Lieb in den letzten Wochen geleistet hat. Ein dreitägiger Etappenlauf in Österreich über insgesamt 73 Kilometer, ein Marathonlauf in München und jetzt noch der Schweizer Sardon Ultratrail über 70 Kilometer. Dieser Gewaltlauf fand in der Region um die Berge Pizol und Spitzmeile statt. Ausgangspunkt war der auf 1500 Meter gelegene Ort Furrt.

Ursprünglich sollte eine große Runde von 86 Kilometern mit 6500 Höhenmetern im Auf- und Abstieg bewältigt werden. Allerdings gab es vor Ort für die Langlauf-Freaks eine kleine Enttäuschung: Durch die anhaltenden Schneefälle in den Tagen vor dem Lauf waren die beiden höchsten Punkte auf 2600 Metern nicht passierbar, und so entschloss sich der Veranstalter zu einer kurzfristigen Streckenänderung.

Aus dem geplanten Rundkurs wurde eine Wendestrecke von "nur" 70 Kilometern mit 5000 Höhenmetern, bei der die beiden höchsten Pässe aber immer noch auf über 2300 Meter lagen.
Pünktlich um 8.30 Uhr wurde bei optimalem Laufwetter mit blauem Himmel, Sonnenschein und Temperaturen um die zehn Grad das erstaunlich große Starterfeld auf ihre mehr als beschwerliche "Reise" geschickt. Bei diesem Wetter war es natürlich ein ganz besonderer Genuss in dieser ohnehin wunderschönen Bergregion, dem "Heidi-Land", unterwegs zu sein.

1. Gipfel auf 2000 Meter

Erst ging es einen Kilometer leicht bergab, bevor der Aufstieg zum 1. Gipfel auf 2000 Metern Höhe begann. Nach wieder einem kurzen Stück leicht bergab mussten gleich noch einmal 600 Höhenmeter durch die nebelige Passregion rund um die Gamidauspitz bis auf den Gamidauer Kamm bewältigt werden. Dort lag auch noch Schnee und es war ziemlich frostig.

Von dort aus folgte ein langer Abstieg bis zum tiefsten Punkt der Strecke auf 908 Metern, der sich in vier Abschnitte unterteilen lies: Erst gab es von Schlammlöchern durchsetzte Almwiesen, auf der die Orientierung aufgrund der spärlichen Wegmarkierung noch erschwert wurde, dann über eine steile, ausgewaschene Bergpfade, bevor es einige Kilometer auf einer Forststraße recht "bequem" weiterging.

Durch knöcheltiefen Morast

Das letzte Stück führte erst über eine matschige Wiese, dann über einen steilen Waldweg mit knöcheltiefem Morast hinunter ins Tal. Auf der anderen Seite ging es wieder einige Höhenmeter nach oben und auf schönen Wanderwegen leicht wellig wieder hinunter bis zur ersten Verpflegung bei Kilometer 19.
Dieser Streckenabschnitt sollte ursprünglich nur in die entgegengesetzte Richtung verlaufen, weshalb die Markierungen oft erst nach Weggabelungen zu sehen waren und nicht davor, und so für einige Verwirrungen unter den Läufern sorgten.

Über Elektrozäune hinweg

Bei dieser Verpflegung im Dorf Weistannen war gerade noch der Almabtrieb in vollstem Gange, und die Läufer und Läuferinnen mussten sich ihren Weg durch die vielen Kühe suchen und einige Male über Elektrozäune steigen, die zur Absperrung für die Tiere dienten.

Einige Kilometer waren hier relativ eben und einfach zu laufen, bevor es wieder an einen sehr heftigen Anstieg in Richtung Wendepunkt ging: Anfangs über eine Serpentinenstraße, dann 700 Höhenmeter auf teils sehr morastigen und felsigen Bergpfaden bis zu einer Hochebene und dort immer leicht bergab und bergauf bis zur Spitzmeilenhütte, der Wendemarke. Hier gab es die zweite größere Verpflegung.

Die Änderung in eine Pendelstrecke hatte den Vorteil, dass man nun den Streckenverlauf der zweiten Hälfte kannte und wusste wie man seine Kräfte einzuteilen hatte. Außerdem bekam Stephanie Lieb durch den "Gegenverkehr" mit, dass sie in der Frauenklasse den Spitzenplatz drei innehatte.

Die beiden vor ihr liegenden Frauen, zwei Schweizer Topläuferinnen, hatten zu diesem Zeitpunkt einen schon sicheren Vorsprung vor der Höhnerin.

Die Vierte kam etwa zehn Minuten nach ihr. Da nach vorne nicht mehr viel möglich war, sie sich aber sehr gut fühlte, ihre Stärke bergab auch in steilem und unwegsamen Gelände voll ausspielen konnte, und bergauf kaum Zeit verlor, war Lieb guter Dinge den dritten Platz halten zu können.

Außerdem merkte sie, dass es möglich war, das Ziel noch vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen, was natürlich ein zusätzlicher Ansporn war, da es in diesem Gelände ein schnelleres und sichereres Vorwärtskommen bedeutet. Eine verwirrende Markierung führte dazu, dass die ehrgeizige Höhnerin noch ein Stück in die falsche Richtung unterwegs war, was aber zum Glück ein Helfer der Bergwacht in einiger Entfernung bemerkte und sie durch Zurufe wieder auf den richtigen Weg lenkte.

Als dritte Frau durch das Ziel

Dennoch schaffte sie es gerade noch bei Helligkeit das Ziel zu erreichen und so war sie mit ihrer Zeit von 11:12 Stunden und den 3. Platz in dem international stark besetzten Lauf mehr als zufrieden und bewies wieder einmal, dass sie zu besten Ultralangläuferinnen Bayerns und darüber hinaus gehört.