Andere bayerische Regionen hatten "Problem-Bären", das Coburger Land hat offensichtlich einen "Problem-Biber". Zum wiederholten Mal in den vergangenen Wochen ist am frühen Sonntagabend ein Biber in Not geraten. Das Tier war in ein ungenutztes Schwimmbecken gefallen und musste vom Coburger Tierarzt, Dr. Joachim Lessing, vor dem Ertrinken gerettet werden. Danach stellte sich heraus: Es war mit größter Wahrscheinlichkeit nicht das erste Mal, dass der offensichtlich etwas tollpatschige Biber aus Lebensgefahr gerettet werden musste.

Für Frank Reißenweber von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt ist "die Wahrscheinlichkeit sehr groß", dass es immer wieder der gleiche Biber ist, dem seit ein paar Wochen im Raum zwischen Seßlach und Witzmannsberg Missgeschicke passieren. Gleich zweimal kam dabei ein Notruf aus Krumbach. Erst war das Tier in einer stillgelegten Güllegrube gefangen, dann - nachdem ihn Helfer mit einer Baggerschaufel gerettet und freigelassen hatten - konnte es sich tags darauf nicht mehr mit eigener Kraft aus einem Fisch-Behälter im Krumbacher Teich befreien.

Frank Reißenweber wird angesichts der gestrigen Meldung einiges klarer: Schon vor drei Wochen sei ihm das Tier "ein bisschen seltsam" vorgekommen. Ursachen, warum der Biber so ein Tollpatsch ist, gibt es nach Einschätzung Reißenwebers mehrere. Eine Störung im Gleichgewichtsorgan könnte da genauso verantwortlich sein wie die Spätfolgen eines Zusammenstoßes mit einem Auto, den der Biber haben könnte. Von der Beschreibung her - immer soll es sich um einen jungen, männlichen Biber gehandelt haben - schaut es jedenfalls nach einem Wiederholungstäter aus.

Die Rettung am Sonntagabend war allerdings ganz schön aufwändig. Sogar die Witzmannsberger Feuerwehr wurde von der Coburger Polizei alarmiert. Dorthin hatten sich die Eigentümer des Swimming-Pools gewandt, weil sie nicht wussten, wie sie dem Tier helfen sollten. Die Feuerwehr pumpte das Wasser im rund 1,80 Meter tiefen Becken so weit ab, dass Dr. Lessing mit seiner Wat-Hose hi neinsteigen und den Biber mit einem Kescher fangen konnte. "In fünf Minuten", berichtete der Tierarzt nachher, war der Fang erledigt. Aufpassen musste Lessing aber schon, berichtete er nach seiner Rettungsaktion: "Ein Biber kann sich wehren und hat scharfe Zähne."

Aber: Ein Biber kann nicht nach unten schauen. Deshalb tat sich der Tierarzt am Ende nicht arg schwer, den Jung-Biber von unten mit dem Kescher zu schnappen. Danach wurde er in einen Käfig gesteckt und nach ein paar Minuten Autofahrt wieder in einen Bach entlassen. Dort schwamm das über 15 Kilo schwere Tier dann eiligst davon.


Eine Gefahr für alle Tiere

Egal, ob Problem-Biber oder nicht: Joachim Lessing nimmt die Aufregung um die Biber-Rettung zum Anlass, um ausdrücklich auf die Gefahren durch Schwimmbecken hinzuweisen. "Durch ihre glatten Oberflächen sind sie eine Gefahr für allerlei Tierarten", warnt der Tierarzt. Wer so ein Becken (oder auch schon ein größeres Regenfass) besitze, der solle doch darauf achten, dass es abgedeckt werden könne. Eine weitere Hilfe sei es, eine im Sturz-Falle für Tiere vielleicht lebensrettende "Kletterhilfe" in Form eines schräg angelegten Holzbrettes anzulegen.