Naschen, wie es Kreisfachberater Thomas Neder zugegeben gerne mal macht, ist den Besuchern im Obstlehrgarten des Kreisverbandes für Gartenbau und Landschaftspflege nicht gestattet. Da ist Neder wachsam, aber er sagt auch, warum: "Wir wollen, dass jeder Besucher was vom Lehrgarten hat." Am kommenden Samstag bietet sich die Gelegenheit, den Lehrgarten genauer kennen zu lernen. Dann findet von 15 Uhr Uhr das Sommerfest des Gartenbau-Kreisverbandes statt.
Seit zehn Jahren gibt es inzwischen den Lehrgarten direkt neben dem Landratsamt. Er ist kein Garten, der für weitläufige Spaziergänge gedacht ist. 500 Quadratmeter ist der zentrale Innenbereich "nur" groß, aber sein Reichtum an Informationen ist für Gartenfreude schier unerschöpflich. Die Tatsache, dass die Pflanzen dicht gedrängt stehen, ist bewusst so gedacht, erklärt der Gartenbau-Fachberater: "Wir wollen zeigen, dass man keinen großen Garten braucht, um Obst anzubauen."
Insgesamt 220 Sorten verschiedenes Obst pflegen Neder und zwei Mitstreiter das Jahr über im Kreislehrgarten. Immer wieder probiert der Kreisfachberater neue Sorten aus, denn nicht alles, was von den Pflanzenherstellern auf den Markt kommt, stellt sich am Ende als praktisch für den Garten heraus. "Und heraus kommt jedes Jahr eine Unmenge an neuen Sorten", weiß Neder.
Auf eines können sich die Besucher des Kreislehrgartens verlassen: Alles, was sie dort sehen, hat den kritischen Blick des Kreisfachberaters und fränkische Winter überstanden. "Alles, was bei uns nicht überlebt hat, macht auch im Garten keinen Sinn", sagt Thomas Neder. Dabei ist aber gewiss nicht so, dass nur die Klassiker des Obstbaus auf dem Gelände neben dem Landratsamt wachsen - es gibt sogar Bananen und Kiwi.
Apropos: Kiwi. Der "Bayern-Kiwi", der am Rande des Kreislehrgartens wächst, ist eine der spätestens Sorten, die man in einem fränkischen Garten ernten kann. Bis Oktober, schätzt Obstfachmann Neder, wird es schon noch dauern, ehe die Früchte der erstaunlich winterharten Pflanze geerntet werden können. Die Aronie ermöglicht gar eine Spät-Lese bis in den November hinein. Die Frühstarter des Gartenjahres haben da ihre Erntezeit schon lange hinter sich. Die Maibeere, eine Erdbeere, ist zum Beispiel schon im Frühjahr reif.


Eine Hand voll ist gesund

Es ist also gar nicht so schwer, sich gesund zu ernähren. "Eine Hand voll Obst", weiß Thomas Neder, reicht aus, um einen großen Teil des täglichen Vitaminbedarfs beim Menschen zu decken. Für einen Gartenbesitzer, der im Coburger Land mit der entsprechenden Sortenvielfalt arbeitet, ist dieser Obstbedarf leicht über lange Zeit zu erwirtschaften. "Von April bis Oktober", schätzt Neder, könne man im Coburger Land vitaminreiche Ernten einfahren. Und für die Zeit danach, gibt es - natürlich auch im Kreislehrgarten - Apfelsorten, die extrem lange haltbar sind. Der "Pilot", eine Lagersorte aus Dresden-Pillnitz, zum Beispiel, der richtig gelagert auch im Frühjahr noch fruchtig und saftig schmeckt.
Wenig überraschend spielen im Obstlehrgarten die Äpfel als typische einheimische Frucht eine wichtige Rolle. Gerne zeigt Thomas Neder den Besuchern Exoten wie die leuchtend roten "Redloves"-Züchtungen. Sie schmecken zwar nicht gerade atemberaubend, sind mit ihrem kräftigen Fruchtfleisch aber sehr gut geeignet für die Herstellung von rotem Apfelsaft. "Wer mal was Anderes trinken will, ist hier richtig", sagt Thomas Neder.


Ein Besuch lohnt sich immer

Dass ein Besuch im Obstlehrgarten in Coburg eine lohnenswerte Angelegenheit ist, hat sich nahezu bundesweit herumgesprochen. Er vor kurzem war wieder eine große Besuchergruppe des Kasseler Kleingärtnerverbandes bei Thomas Neder zu Gast und ließ sich über Platz sparenden Obstanbau aufklären. Das können natürlich Vereine oder Interessenten aus dem Landkreis Coburg tun - ab zehn Personen organisiert der Kreisfachberater gerne einen Termin außerhalb der Öffnungszeiten. Und wenn die Bäume und Hecken dabei voll genug sind, dann darf man vielleicht sogar ein bisschen probieren.


Der Coburger Obstlehrgarten

Sommerfest: Mit der Eröffnung durch Landrat Michael Busch beginnt das Festprogramm am kommenden Samstag um 15 Uhr. Einlass ist bereits um 14 Uhr, eine Fachführung mit Thomas Neder startet um 15.30 Uhr. Bereichert wird das Festprogramm durch Gartenskulpturen des Holzbildhauers Wolfgang Schott und die Fotoausstellung "Schottische Impressionen" von Robert Büchner im Foyer des Landratsamtes. Naturfachliche Programmpunkte sind Informationen von Gerold Schlosser zu Wildbienen und zum Vogelschutz sowie Bastelaktionen mit der Jugendgruppe "Coburger Obstsalat".

Kreislehrgarten: Die Einrichtung des Kreisverbandes für Gartenbau und Landespflege hat von 31. März bis 31. Oktober geöffnet. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 8 bis 16 Uhr, Freitag 8 bis 12 Uhr, am Wochenende geschlossen.

Kontakt: Führungen und weitere Informationen gibt es von Kreisfachberater Thomas Neder unter der Telefonnummer 09561/514341.