Das Problem ist im Rathaus angekommen. Die Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU) sagt, sie gehe der Sache schon länger nach. Inzwischen habe sie die Angelegenheit an Gerhard Knoch, den Hauptabteilungsleiter des Coburger Entsorgungs- und Baubetriebes (CEB), weitergegeben. "Welche Ursachen die aufgetretenen Schäden haben, wissen wir auch noch nicht. Wir sind dabei, das zu prüfen", sagt Gerhard Knoch. Die Gewährleistung laufe noch, deshalb seien sowohl die Planer, der Hersteller der Steine als auch die Baufirma um eine Stellungnahme gebeten worden. "Darauf warten wir jetzt erst einmal." Inzwischen wurde mit Reparaturasphalt ausgebessert.
Er erinnere sich daran, sagt Gerhard Knoch, dass sowohl die Baufirma als auch die Regierung von Oberfranken Bedenken gegen die Pflasterung geäußert hätten. Es rollen immerhin circa 7000 Fahrzeuge täglich über die Seidmannsdorfer Straße. "Ursprünglich war ja geplant, dass an drei Stellen, an der Kreuzung Seidmannsdorfer/Obere Leopoldstraße, vor dem Alexandrinum und beim Queckbrunnen, gepflastert wird", erläutert Gerhard Knoch. Hintergrund war die Sorge der Eltern um die Schulkinder aus drei Schulen, die täglich die Straße an den besagten Stellen queren müssen. Die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer hielten die meisten Kraftfahrer aus Sicht der Eltern nicht ein. Eine optische Unterteilung des Straßenraums sollte daran erinnern, dass an diesen Stellen abgebremst werden müsse. Aus Kostengründen habe man sich aber für nur eine gepflasterte Querung entschieden, für drei hätte die Regierung von Oberfranken keine Zuschüsse gewährt.

Autos zu schnell?

"Langsamer wird in der Seidmannsdorfer Straße trotzdem nicht gefahren", sagt Gerhard Knoch. Auch das könnte eine Ursache dafür sein, dass sich das Pflaster langsam verabschiedet. Dass die Fahrzeuge wegen der grünen Inseln und Parkflächen am Straßenrand nur die Mitte der Fahrbahn nutzen, egal, aus welcher Richtung sie kommen, bedeute ebenfalls eine hohe Belastung für das Pflaster. "Wir prüfen aber auch, ob unter Umständen ein fehlerhaftes Bettungsmaterial oder eine unzureichende Wasserdurchlässigkeit der unteren Schicht Ursache für die Schäden sein könnten."
Katja Link vom Stadtplanungsamt will erst einmal die schriftliche Stellungnahme der Baufirma und des Herstellers der Steine abwarten, bevor sie ein Urteil abgibt. So viel kann sie aber jetzt schon sagen: "Es ist ein komisches Bild, wie das Pflaster jetzt kaputtgeht." Das müsse näher untersucht werden. Sie erinnert aber auch an den langen Entwicklungsprozess, der dem Straßenbau in diesem Bereich vorausgegangen war und an die Bürgerbeteiligung. Mit dem Aufpflastern sei man den Wünschen der Anwohner entgegengekommen.
Auch auf den Hinweis des CEB, dass eine Pflasterart gewählt werden müsse, die die Arbeit des Schneepflugs nicht behindert, sei reagiert worden. "Wir haben nach einer Variante gesucht, die bau- und haltbar ist." Sie fände es schade, wenn jetzt das Pflaster wieder aufgegeben und durch Asphalt ersetzt würde. Doch darauf werde es wohl hinauslaufen, stellt Gerhard Knoch fest. "Ein farblich anders gestalteter Asphalt könnte die gleichen Dienste für die Schülersicherheit leisten."

Kompromiss aus Kostengründen

Die beiden Mitglieder des Bau- und Umweltsenats, Petra Schneider (SPD) und Jürgen Oehm (CSU), können sich nicht daran erinnern, dass über die Verwendung von Pflaster in der Seidmannsdorfer Straße kontrovers diskutiert worden wäre. "Es war ein Kompromiss aus Kostengründen, dass wir nur eine Querung gepflastert haben", stellt Petra Schneider fest. Jetzt müsse geschaut werden, wo die Mängel liegen. Davon aber abgesehen, ist die Stadträtin der Ansicht, Kraftfahrer sollten einsichtig sein und sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten. Das wäre nicht nur ein wichtiger Faktor für die Sicherheit der Schulkinder, sondern auch für das Pflaster. Dem stimmt Jürgen Oehm zu und plädiert für häufigere Kontrollen in der Seidmannsdorfer Straße - vor allem im Be reich der Schulen.