Als Pressebeauftragte bei "Naturstrom" ist Lisa Badum auch schon ein paar Tage in dieser Branche aktiv. Aber so etwas wie in Sonnefeld, wo die Bevölkerung die Sondertransporte der großen Windanlagen-Flügel wie einen Festzug vom Straßenrand aus verfolgt, hat sie auch noch nicht gesehen. "Total positiv" nimmt Badum die Stimmung wahr, die rund um den Windpark am Kraiberg herrscht. Diese Einschätzung bekommt sie bei einer Baustellenbesichtigung mit Vertretern des Gemeinderates und der Verwaltung bestätigt. Es gibt durchaus kritische Fragen, aber keine Polemik.
Dass sie bei "Naturstrom" zufrieden sind, liegt alleine schon am Zeitplan. "Wir werden Ende September planmäßig ans Netz gehen können", kündigt Badum an - verbunden mit dem obligatorischen Hinweis, dass dazu halt das Wetter mitspielen müsse. Immerhin haben die Bauarbeiten die schwierigste Phase schon lange überstanden, berichtet Bauleiter Ralf Schirrmeister. Er bezeichnet den Kraiberg als "topographisch extrem schwierige" Baustelle, weil gerade in der Anfangsphase der Arbeiten sehr große Erdmassen bewegt werden mussten. "Es ist hier schon ein bisschen anspruchsvoller als in Mecklenburg-Vorpommern", sagt Schirrmeister lachend.


Sie kommen aus Spanien

Was "Auge in Auge" mit einer Windkraftanlage erst richtig deutlich wird: Die enorme Größe der einzelnen Bauteile. 58,7 Meter lang ist jedes Rotorblatt. Sie werden in Spanien aus hochfesten Verbund-Kunststoffen gefertigt und kommen dann per Schiff bis in den Hafen von Brake an der Nordseeküsten. Von dort aus geht es weiter auf den Autobahnen bis kurz vor Sonnefeld. Dann geht erst einmal nichts, wie Projektleiterin Karin Ebert erklärt: "Wir dürfen nur montags und mittwochs von der Autobahn bis zu Baustelle fahren, weil wir an diesen Tagen von der Polizei begleitet werden können." Die Art und Weise, wie die Polizeidienststellen aus der Region mit den extrem langen Transporten umgehen, bekommt bei Ebert dabei aber Bestnoten: "Die Polizei hat das hier sehr gut im Griff." Um die insgesamt weit über 60 Meter langen Lastzüge um die Kurven zu kriegen, musste in Sonnefeld ja sogar eine Ampel versetzt werden.
Während das Windrad mit der Kennung "CO-1" bereits komplett fertig gestelt ist, befindet sich die Anlage II - sie ist die "Masteranlage", von der aus der gesamte Strom des Windparks über eine sechs Kilometer lange Leitung nach Sonnefeld geleitet wird - in der "heißen Phase". Immerhin: Das über 80 Tonnen schwere Maschinenhaus steht schon auf der über 130 hohen Mastspitze. "Das Haus ist schwerer als ein Leopard-Kampfpanzer", verdeutlicht Peter Wellner. Der ist Sicherheitsfachkraft bei der "Dekra" und dafür verantwortlich, dass den 30 Arbeitern auf der Baustelle nichts passiert. Besonders beim mobilen Kran, der die Bauteile bis zur Spitze der Masten heben kann, schaut Wellner ganz genau hin. Das ist auch gut so, meint Stefan Wiethölter, der beim Windanlagenhersteller General Electric für die Sonnefelder Baustelle zuständig ist: "Die Fläche, auf der so ein Kran steht, darf kein einziges Grad Gefälle haben." Sonst bestehe die Gefahr, dass der Kran umkippe.
Und das kann durchaus passieren, bestätigt Wellner. Zum Beispiel in dem Moment, wenn der 130-Meter-Kran das 80-Tonnen-Maschinenhaus vom Tieflader des Baustellentransportes hievt. "Da braucht er 100 Prozent seiner Leistungsfähigkeit", weiß Wellner. 350 Tonnen Gegengewichte hängen dann an der anderen Seite des Kranes - so viel wiegt in etwa ein schönes, großes Einfamilienhaus. Klar, dass bei dieser Aktion kein großer Wind blasen darf. "Bei fünf Metern in der Sekunde ist Schluss", sagt Wiethölter und beantwortet damit gleich eine Frage von Sonnefelds CSU-Urgestein Friedrich Übelhack: "Ah, deshalb war vor ein paar Tagen auf der Baustelle nicht viel los."


Wenn Kranführer rennen

Auch Stefan Wiethölter hat mitbekommen, dass in Sonnefeld und Neustadt (mehrere Windräder stehen auf Stadtgebiet) die Stimmung zum Windpark eher positiv ist. Er sehe immer wieder Wanderer und Radfahrer, die mal einen Blick auf die Baustellen werfen wollen. Manchmal nimmt dabei die Neugier ein bisschen überhand, sagt der Bauleiter mit erhobenem Zeigefinger: "Es kann schon mal sein, dass da ein Neugieriger plötzlich neben dem Kranführer steht." Lebensgefährlicher Leichtsinn ist das, warnt Sicherheitsfachmann Wellner. Selbst vom Team der Baustelle müsse jeder aus dem Umfeld der Anlagen verschwinden, wenn dort schwere Lasten schweben. Oder wie zitiert Stefan Wiethölter eine der goldenen Regeln auf der Baustelle: "Wenn Du einen Kranführer rennen siehst - dann nix wie hinterher."


Der Windpark Sonnefeld

Führung: Das Interesse an der öffentlichen Führung über die Baustelle am kommenden Dienstag ist derart groß, dass sämtliche Plätze schon vergeben sind. "Wir hatten schon nach wenigen Tagen 74 Anmeldungen", berichtet Lisa Badum. Sie plant deshalb im September noch einmal einen Rundgang für die Sonnefelder Bevölkerung.

Schwergewichte: Um die 900 Tonnen wiegt der 80 Meter hohe Betonturm, auf dem dann eine noch einmal über 50 Meter lange Stahlröhre befestigt wird. Insgesamt kommt eine Windkraftanlage, samt 500-Kubikmeter-Fundament, auf ein Gewicht von 2200 Beton plus rund 250 Tonnen Stahl.

Sicherheit: Alle 30 Arbeiter am Windpark haben eine Ausbildung als Höhenretter. Darüber hinaus gibt es auf der Baustelle einen festen Sicherheitsbeauftragten sowie wöchentliche Sicherheitsunterweisungen - das schreibt General Electric als beauftragte Firma so vor.


Interessante Zahlenspiel zum Windpark

5 x 2,75
Megawatt
leistet der neue Windpark unter normalen Voraussetzungen. Damit können nach Angabe von Lisa Badum in etwa 10 000 Drei-Personen-Haushalt ihren jährlichen Strombedarf decken.

442,584
Kilometer pro Stunde
beträgt die Geschwindigkeit, mit der sich die Spitze eines Rotorblattes durch die Luft bewegt - bei normalen Windbedingungen und etwa 20 Umdrehungen in der Minute. Herrscht starker Wind, können die Rotoren sogar nahe an de Schallgeschwindigkeit heran kommen.

50
Lastwagentransporte
, sechs Personen und fast vier Wochen hat es gebraucht, bis der große Kran auf der Sonnefelder Windpark-Baustelle einsatzbereit war.

23
Millionen Euro
betragen die Gesamt-Baukosten des Windparks. "Naturstrom" rechnet damit, dass diese sich in etwa zehn Jahren amortisiert haben.

70
Prozent
der Gewerbesteuereinnahmen aus dem Windpark bleiben am Standort der Betreibergesellschaft: Sonnefeld. Der Rest geht an den Firmensitz von "Naturstrom": Forchheim.