Sie kamen aus Ödeshögs in Schweden, Aranjuez in Spanien, vom Sint-Pietenscollege in Blankenberge an der belgischen Nordseeküste, aus Esch-sur-Alzette in Luxemburg und vom Fatih Kolegi in Istanbul. Am Freitag trafen die etwa 50 jungen Leute mit ihren Lehrkräften und den Teilnehmern des Gymnasiums Casimirianum in der vollbesetzten Aula der Hochschule Coburg zusammen, um den feierlichen Auftakt zum Comenius-Projekt 2013 bis 2015 zu geben. Dazu demonstrierten sie in witzigen kleinen Rollenspielen Familie heute. Denn das ambitionierte neue Projekt untersucht den Wandel der Familie zwischen 1914 und 2014.
In dem seit 1995 laufenden Programm der Europäischen Union geht es weit über die Vermittlung von Sprachkenntnissen hinaus darum, "dass wir unsere Partner in ihrer eigenen Art auch verstehen lernen", wie der Direktor des gastgebenden Casimirianums, Burkhard Spachmann, betonte.
Bei Workshops und gegenseitigen Besuchen sollen sich die Schüler ihrer eigenen Rolle in der Generationenfolge bewusst werden, in länderübergreifender Teamarbeit Vergangenheit und Gegenwart ins Blickfeld nehmen und Europa als zunehmend sich in aller Unterschiedlichkeit der Nationen vereinende Gemeinschaft wahrnehmen.
"Europa ist das Europa der jungen Leute" und nicht nur von ständig beklagter Bürokratie und Krise, rief Oberbürgermeister Norbert Kastner, einst selbst Casimirianer, bei seiner versiert auf Englisch gehaltenen Begrüßung in den vollen Saal. Er verwies auf die besondere europäische Tradition Coburgs und des Casimirianums.
Als Koordinatoren des Projektes erläuterten die Luxemburgerin Michèle Lamesch-Weis sowie Ursula Kick-Bernklau und Ines Hoepfel vom Casimirianum die Intentionen. Alle fünf Länder, diean dem ab 2009 durchgeführten Vorläuferprojekt beteiligten waren, haben über das Herzogshaus Sachsen-Coburg Wurzeln in Coburg.
An dem jetzt gestarteten Fortsetzungsprogramm beteiligt sich erstmals eine türkische Schule. Umit Cengiz forderte alle Anwesenden auf, Instanbul in seiner besonderen Geografie und Rolle selbst zu erleben. Seine Schule und der Trupp von Jungen, die er mitgebracht hatte, empfinden sich als Brücke zwischen den europäischen und den asiatischen Kulturen.

Raum für die Seele

Alle Schulteams wussten in der Kürze der Vorstellungszeit das Augenmerk auf interessante Aspekte ihrer Heimat zu lenken, bis zum Verweis weit zurück in die Geschichte, zum Runenstein von Rök aus dem frühen 9. Jahrhundert, der in Ödeshög steht. Inger Carlborg-Eskilsson beendete ihren kleinen Vortrag gar mit einem stimmungsvollen Landschaftsbild unter dem Titel "A space for your soul".
Raum für die europäische Seele gewinnen sollen über alle Paukerei hinaus die Schüler in ihren besonderen Aktivitäten. Die kleinen Szenen zum Thema Familie heute belegten, dass sich der Alltag, die Bedürfnisse und die Auseinandersetzungen zwischen Jungen und Alten in allen sechs Ländern ähneln. In den nächsten zwei Jahren werden sich die Teilnehmer des Projektes Familien des Jahres 1914, aus den 40er, den 60er und den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts vornehmen, um die Veränderungen der Lebensbedingungen zu erkennen.
Selbstverständlich war zur Einstimmung der Opening Ceremony das "European Anthem" durch die CaSinfoniker erklungen. Hans-Jürgen Hofmann hatte als musikalischer Leiter wieder beherzt zugegriffen in der Programmauswahl, um einen stimmungsvollen und bezugsreichen klingenden Rahmen zu schaffen, von Beethovens "Freude, schöner Götterfunken" über Wagners "Meistersinger"-Ouvertüre zu "Skyfall" in die Gegenwart. Dazu tönten die CaSingers mitreißend, rund und voll im Klang in Elton Johns "Circles of Life", mit der hier wohl speziell an die Europäer gerichteten Empfehlung "Always Look on the Bright Side of Life", bis zum kecken Zeitsprung im "Time Warp".

Das Comenius-Programm wurde 1995 von der Europäischen Union eingerichtet mit dem Ziel, die Zusammenarbeit von Schulen aller Formen und Stufen Europas sowie die Mobilität von Schülern und Lehrern zu fördern. Es ist seit 2007 Teil des EU-Programms für lebenslanges Lernen, das mit seinen vier Einzelprogrammen alle Bildungsbereiche und Altersgruppen abdeckt: Come nius ist ausgerichtet auf die Schulbildung, Erasmus auf die Hochschulen, Leonardo da Vinci für Berufsbildung und Grundtvig für Erwachsenenbildung. Namensgeber für das Schulprojekt ist der 1592 in Südostmähren geborene, 1670 in Amsterdam gestorbene Philosoph, Theologe und Pädagoge Johann Amos Comenius.