Nücken und Brückner verblüffen vor allem durch ihre Verweigerung von Tempo und Avantgarde-Getue. Originell sind sie darin, konsequent nicht originell, sondern rückwärts gewandt zu sein, romantisch, im Kleidchen und mit Rosenblick, mit Melone und Weste. Das meinen die gar nicht ironisch.
Sarah Nücken öffnet ihre hübsche Mädchenstimme zu vollem Volumen, ansonsten aber kann sie (noch) nicht sehr viel damit anfangen. So pflegen die beiden viele "sweet, sweet Songs", ein paar erst sind von ihnen selbst, die anderen sind in ihren sanften Tonfall von Folk und Country eingepasst. Die Fassung eines Madonna-Songs kommt tatsächlich markanter daher, was Madonna ihnen aber für DVD und CD verboten hat. Live geht's grad noch. Dann sollte ein Song tatsächlich Blues sein. Er lahmte aber merklich.

Eine laue Sommernacht

Entspannt säuselt auch mal der Geist von Barcley James Harvest im geweiteten Sound; für die große Bühne hatte man sich mit Schlagzeuger und Bassisten verstärkt. Begleitung und Rhythmus bleiben aber im Erwartbaren, Brückners akustische Gitarre soll über allem perlen und sirren. Wenn man es dann doch ein bisschen härter braucht, darf es auch die E-Gitarre sein. Doch bloß keine Aufregung in dieser lauen Es-weht-ein-leiser-Wind-Musik. - Viele der Zuhörer konnten sich noch entspannt unterhalten dabei.