Sissi hat schon viel erleiden müssen und schon viel überstanden. Erst ein Leben im goldenen Käfig, dann eine rätselhafte Lungenkrankheit, schließlich gnadenlos kitschige Verfilmungen und postume Vermarktungsstrategien jeder Preisklasse. Vor fast eineinhalb Jahrhunderten wurden die auf Österreichs Kaiserthron gelangte Prinzessin aus Bayern in Genf ermordet, doch ihr Mythos lebt weiter.


Vielleicht aber ist die Vermarktungsmaschinerie auch der Grund, warum dieser Mythos so hartnäckig sich behauptet. Liebe, Macht und Leidenschaft - diese Zutaten lassen sich problemlos auch als Musical verkaufen, wie ein gut besuchtes Gastspiel im Coburger Kongresshaus beweist. Mit reichlich Aufwand an bunten, üppigen Kostümen wird in dieser reisenden Produktion die Geschichte von Prinzessin Sissi und Kaiser Franz Joseph erzählt.


Prägnante Gestik

In Szene gesetzt hat dieses Sissi-Musical ein in Coburg bestens bekannter Bühnen-Routinier und Spezialist für die vermeintlich leichte Muse: Claus J. Frankl, der in diesem Jahr Leo Falls "Der fidele Bauer" für die Coburger Sommeroperette auf die Waldbühne Heldritt bringen wird. Frankl weiß genau, was eine solche Tournee-Produktion braucht, um auf täglich wechselnden Bühnen ganz unterschiedlichen Zuschnitts bestehen zu können.


Prägnante Gestik, sorgfältige Ausleuchtung und präzis durchgestaltete Massenszenen helfen, die Geschichte auch mit den begrenzten technischen Möglichkeiten effektvoll über die Rampe zu bringen. Schillernde Projektionen ersetzen die Kulissen, detailreich gefertigte Versatzstücke, die sich auch auf offener Bühne immer wieder neu arrangieren lassen, helfen dabei, die einzelnen Szenen abwechslungsreich zu gestalten.


Komische Akzente

Den vielen Sissi-Fans serviert Frankl mit dem konzentriert agierenden Ensemble einen bunten Musical-Abend der großen Gefühle. Dabei steht der Regisseur an diesem Abend auch als wunderbar schusseliger Major Krespl auch selbst auf der Bühne und sorgt dafür, dass die Aufführung nicht im Pathos versinkt, sondern zwischendurch auch komische Akzente bekommt.


Komponist George Amadé mischt in seiner Sissi-Partitur ungeniert Melodien und Melodie-Fragmente von Walzer König Johann Strauß mit ungarischen Tänzen von Johannes Brahms und typischen Musical-Floskeln. Im ausgeglichen besetzten Ensemble stehen Karolina Pasierbska als Sissi, Paulus Fina als Kaiser Franz Joseph, Julia Reich als Sissis Schwester Nené und Adelheid Brandstetter als Franz Josephs Mutter Sophie im Mittelpunkt.


Nach reichlich Szenenapplaus verdienen sich Solisten und Tänzer lautstarken Schlussbeifall.