Das Begrüßungsschild des Siedlerbundes Ebersdorf bei Neustadt steht zwar erst seit 20 Jahren am Ortseingang, jedoch existiert die Siedlergemeinschaft (SG) Neustadt-Ebersdorf bereits seit 1964. Am Wochenende feierten die Mitglieder mit einem Festabend ihr 50-jähriges Bestehen.

Ernst Wolf gehörte zu den acht Gründungsmännern. Als letztes lebendes Gründungsmitglied erinnert er sich noch sehr gut an die Anfänge: "Da war es ganz schön anstrengend, jeder hatte mit sich zu tun gehabt. In dieser Zeit hatte jeder gebaut, so wie ich auch." Nach dem Krieg kam er als Flüchtling aus Schlesien nach Ebersdorf und hatte nicht einmal ein Bett. Die "Fremdlinge", wie er sagt, taten sich zusammen. "Vor 50 Jahren hatte es noch Dorfgemeinschaften und Dorfwirtschaften gegeben, wo sich die Menschen oft trafen. Das ist anders geworden, alles ist jetzt so fremd. Man sieht sich gar nicht mehr, die Leute verschwinden hinter ihren vier Wänden", bedauert es Wolf.

Weitere Ehrungen und Auszeichnungen

Neben Wolf wurden zudem einige Mitglieder für ihre langjährige Treue sowie für besondere Verdienste vom Kreisvorsitzenden Alexander Blessinger und von Klaus Pechtold, dem kommissarischen Vorsitzenden und Kassierer der SG Ebersdorf, gewürdigt.

Gerhard Korn, Vorsitzender der SG Wildenheid, führte durch das Festprogramm. "Der Zusammenhalt unter den Hauseigentümern mit ihrer Nachbarschaftshilfe gab und gibt ihrem Ebersdorf das Gesicht", zitierte Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD) in seinem Grußwort ein abgewandeltes Zitat von Antoine de Saint-Exupéry. Es sei der SG in den 50 Jahren gelungen, diese Dorfgemeinschaft nachhaltig zu stärken und zu vergrößern.

"In eingegrenzter Freiheit"

Am 11. Januar 1964 trafen sich die Ebersdorfer mit Vertretern des Bayerischen Siedlerbundes. Acht Mitglieder unter dem Vorsitz von Alfred Jachmann legten den Grundstein für die SG Ebersdorf. Stellvertretender Bezirksvorsitzender Hans-Jürgen Amend meinte, diese SG habe die erste Hälfte der 50 Jahre bedingt durch die innerdeutsche Grenze in "eingegrenzter Freiheit" und eher beschwerlich verbringen müssen.
In Zeiten von Nahrungsmangel und schwerer Not hätten sich die SG gegründet, erinnerte Gerhard Korn in seinem Grußwort im Namen aller nachbarlichen Neustadter SG. "Dennoch sind SG heute noch keine Auslaufmodelle. Es ist heute genau so wichtig, sich gegenseitig zu helfen, zu unterstützen und das Gemeinwohl zu stärken. Vor allem für junge Familien ist die Pflege einer freundlichen Nachbarschaft von großer Bedeutung und dazu sind eigentlich alle Siedler bereit".

Ferner gratulierten die Ebersdorfer Vereine (FFW, Germania, Bürgerverein) und lobten die wunderbare Zusammenarbeit. Schriftführerin Ingrid Pechtold erinnerte in der Chronik an die Gründungsversammlung vom 11. Januar 1964 mit Versammlungsleiter Ingo Scheler. Mit Alfred Jachmann als Vorsitzendem, Waldemar Sembach als dessen Stellvertreter und als Schriftführer sowie Kassierer Georg Seelmann begann die Vereinsarbeit. Horst Pechtold übernahm am 25. März 1968 für 36 Jahre das Schriftführeramt und fungierte noch bis 2009 als Zweiter Vorsitzender. Alfred Jachmann war bis 1989 Vorstan. In den 90er-Jahren ruhten die Vereinsaktivitäten. Nachdem Klaus Pechtold 2001 zum Vorsitzenden gewählt worden war, erfuhr die Vereinsarbeit wieder einen Aufschwung.

Ämter waren und sind teilweise schwierig zu besetzen

Zurzeit gehören 29 Mitglieder (Haus- und Grundbesitzer) der SG an. 2011 übernahm Klaus Pechtold zusätzlich das Amt des Kassierers. 2014 fand sich kein Nachfolger für Vorsitzenden Pechtold, der bereits 2013 um Rücktritt bat. Seitdem führt er noch kommissarisch seine Ämter. Trotz dieser Schwierigkeiten, Posten zu besetzen, feierten die Mitglieder ihr Jubiläum. "Wir blicken stolz auf 50 Jahre Vereinsgeschichte", nannte Schriftführerin Ingrid Pechtold als Grund. Auszeichnungen erhielten Rüdiger Fischer (in Abwesenheit), Ingrid Pechtold (zehn Jahre Schriftführerin), Lieselotte Ott (43 Jahre Mitglied) Horst Pechtold (36 Jahre Schriftführer, vier Jahre Zweiter Vorsitzender), Gerätewart Erich Knauer (47 Jahre), Egon Pechtold (48 Jahre) und Ernst Wolf.