Tag und Nacht muss er erreichbar sein, rund um die Uhr befördert er Menschen von A nach B. Seit 45 Jahren ist Michael Möller Taxifahrer. Sein Beruf sei stressig, aber auch interessant. Der Einführung der Anschnallpflicht für Taxifahrer könne er jedoch nicht viel abgewinnen, sagt er.

Persönliche Freiheit

Es gebe Situationen, da sei es besser, sich anzuschnallen. Eine Anschnallpflicht auf Kurzstrecken empfinde er jedoch trotzdem als zeitintensiv. Seiner Meinung nach sollte man es jedem Taxifahrer selbst überlassen, ob er sich anschnallen möchte oder nicht. "Ich habe meinen Fahrern immer die Entscheidung überlassen. Das ist Teil der persönlichen Freiheit", sagt Michael Möller.
Er hat die Erfahrung gemacht, dass es sinnvoll ist, sich als Taxifahrer nicht anzuschnallen. Er selbst habe schon einige Übergriffe erlebt, erzählt er: "Nachts fahren besonders häufig Betrunkene bei uns mit. Die werden oft handgreiflich." Coburg sei zwar im Vergleich zu Großstädten verhältnismäßig ruhig, jedoch steige die Aggressivität bei Jugendlichen enorm an. In solchen Situationen sei es wichtig, ruhig zu bleiben. Um einer Eskalation aus dem Weg zu gehen, müsse man die richtigen Psychotricks anwenden.
Zwar gebe es eine Alarmanlage in jedem Taxi, jedoch sei der Fahrer im Falle einer Attacke auf sich allein gestellt. "Manchmal gibt es auch einen Fehlalarm, wenn der Fahrer versehentlich auf den Alarmknopf kommt. Das hat aber niemanden weiter gekümmert."
Im Gespräch sei außerdem gewesen, Sicherheitskameras in den Taxen zu installieren. Das sei jedoch wegen des Datenschutzes abgelehnt worden.
Unabhängig von den Angriffen und Überfällen sei die Befreiung von der Anschnallpflicht zudem noch eine Erleichterung im Stadtverkehr. "Zu unseren Kunden gehören hauptsächlich Menschen ohne Führerschein und ältere Menschen. Wir müssen ihnen beim Einsteigen und mit dem Gepäck behilflich sein", erläutert Michael Möller. Deshalb sei es sehr zeitintensiv, sich immer wieder an- und wieder abschnallen zu müssen.

Fehlende Praxiserfahrung

"80 Prozent unserer Aufträge sind Kurzfahrten in der Stadt. Da ist das Anschnallen einfach nur lästig." Nach Ansicht von Michael Möller fehle den Gesetzgebern die nötige Praxiserfahrung. "In der Theorie mag das funktionieren, doch in der Praxis sieht es anders aus."
Er selbst habe sich im Stadtverkehr nie angeschnallt. "In der Stadt kann man sowieso nicht schnell fahren", begründet er seine E ntscheidung. Bei höheren Geschwindigkeiten während der langen Fahrten habe aber auch er sich aus Sicherheitsgründen angeschnallt.