Zwei der Betroffenen sind Rainer Kriegel aus Wohlbach und Wilfried Zeltner aus Unterlauter. Nach der Entfernung des Kehlkopfes standen sie völlig hilflos da. Das Erlangener Krankenhaus habe "gute Arbeit" geleistet, erinnert sich Rainer Kriegel an seinen Eingriff. Aber danach. "Wir standen einsam und verlassen da, niemand konnte uns weiterhelfen" beschreibt er die Situation kurz nach der Jahrtausendwende.

Rein medizinisch waren die beiden "auskuriert". Die Tatsache, dass mit der Totalentfernung des Kehlkopfes auch eine wichtige Möglichkeit der Kommunikation wegfiel, konnte die Mediziner nicht interessieren. Es drohte die Isolation. "Kann sich jemand ausmalen, was es heißt, sich nur über irgendwelche Notizzettel auszutauschen", fragt Rainer Kriegel.


Wirkliche Hilfe erfahren


Wilfried Zeltner wollte dies so nicht hinnehmen. Er und Kriegel suchten nach Hilfe und fanden diese in der Nürnberger Selbsthilfegruppe der Kehlkopfoperierten, der sie 2003 beitraten. Hier erfuhren sie wirkliche Hilfe. Sie lernten eine Logopädin kennen, die darauf ausgebildet war, Kehlkopfoperierten ihre Stimme wiederzugeben.
"Es hat ein dreiviertel Jahr gedauert, bis ich den ersten Satz sprechen konnte", beschreibt Kriegel die schwere Zeit zurück ins Leben. Sprechen heißt für ihn jetzt einen Finger auf ein Ventil in seinem Kehlkopf zu legen. "Meinen Mund kann ich noch zum Schlucken benutzen, die Atemluftversorgung läuft über das Ventil", erklärt Rainer Kriegel und nimmt sein Halstuch ab. Es offenbart sich ein Anblick, an dem sich ein unwissender Außenstehender erst gewöhnen muss. Da steht jemand mit einem Loch im Hals. Dass dieser Zugang regelmäßig gereinigt werden muss, erklärt Kriegel ausführlich. Schleim aus der Lunge könne nicht mehr "normal" entsorgt werden.

"Auch wenn die Nase läuft, den Schleim einfach herausblasen ist nicht mehr. Ich muss es, auch zum Leidwesen meiner Mitmenschen, laufen lassen". Auch ist es ihm nicht mehr möglich, einen Luftballon aufzublasen.
"Die Luftröhre endet am Kehlkopf. Tägliches Inhalieren gehört genauso zum Prozedere wie das Absaugen aus der Luftröhre, um den Weg für die Atemluft frei zu halten. Nach einer gewissen Zeit muss auch das Ventil gewechselt werden. "Im Raum Coburg können dies gerade mal zwei Ärzte".


Derzeit 35 Mitglieder


Zurück zur Selbsthilfegruppe. Die positive Erfahrung mit der Nürnberger Einrichtung veranlasste Wilfried Zeltner, eine Sektion Coburg ins Leben zu rufen. Am 6. August 2005 fand die Gründungsversammlung statt und brachte ihn als Vorsitzenden und Rainer Kriegel als Stellvertreter hervor. Dass deren Arbeit auf fruchtbaren Boden fiel, wurde beim zehnjährigen Bestehens deutlich. Derzeit kommen 35 Mitglieder in den Genuss des ehrenamtlichen Engagements des Vorstandes.

Die Selbsthilfegruppe trifft sich jeden ersten Montag im Monat ab 15 Uhr im Gasthof Kaiser in Dörfles-Esbach, um Erfahrungen auszutauschen, sich über neue Behandlungsmethoden zu informieren, Interessen gegenüber staatlichen Stellen zu vertreten und Betroffenen zur Seite zu stehen. "Uns ist es gelungen, den Menschen ohne Stimme eine Stimme zu verleihen", so Kriegel.


Wichtiger Mosaikstein


Zum Jubiläum hob dritter Bürgermeister Thomas Nowak die Bedeutung der Coburg er Selbsthilfegruppen hervor. "Jede ist ein wichtiger Mosaikstein im sozialen Gefüge". Die Arbeit der ehrenamtlich Tätigen sei ein "Schatz, den man sich unbedingt bewahren muss".

Namens des Bundesverbands dankte Werner Semeniuk der Coburger Sektion: "Die seelische Betreuung der Betroffenen verdient höchsten Respekt."