"Neustadt hat wieder einen Stadtverband für Leibesübungen." So stand es am 31. Januar 1951 in der Neustadter Heimatzeitung. Tags zuvor hatten sich die Vertreter von 13 Neustadter Sportvereinen im Sitzungssaal des Rathauses getroffen, um sich unter Vorsitz von Verwaltungsinspektor Reinhard Friedrich vom "Stadtamt für Leibesübungen" zu einem "Stadtverband für Leibesübungen" zu konstituieren. Die Vertreter der Sportvereine VfL 07, Turngemeinde von 1855, Radfahrerverein "Falke", Radfahrerverein I, Schachclub, BC "Heros", Ski-Club, Reiterverein, Wasserwacht, Privilegierte Schützengesellschaft und Schützengesellschaft Jägersruh unterstrichen durch ihre Anwesenheit die Dringlichkeit der Wiedergründung eines Stadtverbandes und sprachen sich auch einstimmig dafür aus.

Zu Beginn der Versammlung umriss Reinhard Friedrich in groben Zügen die dem Stadtverband obliegenden Aufgaben. Er sollte als Dachorganisation aller sporttreibenden Vereine der Stadt fungieren und die Heranziehung der Jugend zum Sport sowie zur körperlichen und geistigen Ertüchtigung forcieren. Die im Rahmen dieser Versammlung vorgesehene Wahl eines Vorsitzenden wurde ausgesetzt, dass es versäumt worden war, vor der Konstituierung eine Satzung auszuarbeiten.


Fritz Biedermann hieß der Vorsitzende 1951

Am 26. Februar 1951 wurde dann in einer weiteren Versammlung der Vorstand gewählt. In geheimer Abstimmung wurde Fritz Biedermann (Wasserwacht) zum Vorsitzenden, Achim Theuring (ASV 06) zum stellvertretenden Vorsitzenden und Schriftführer, E. Motschmann zum Kassierer sowie zu Beisitzern Karl Unger (Ski-Club) und Walter Bauer (RS "Falke") gewählt. Der Vorsitzende Fritz Biedermann sah als vordringlichste Aufgabe an, die fünf gewählten Vorstandsmitglieder als ständige Vertreter in das "Stadtamt für Leibesübungen" zu bringen. Aus rückblickender Betrachtung heraus scheint dann allerdings das "Stadtamt für Leibesübungen" in den folgenden Jahren an Bedeutung verloren zu haben. Sein Aufgaben- und Wirkungsbereich wurde mehr und mehr vom "Stadtverband für Leibesübungen" übernommen.

Erst im Jahre 1967 wurde in der Stadtverwaltung ein "Sportamt" eingerichtet. Als wesentlichste Aufgaben wurden ihm die Förderung des Sports in Neustadt und die Zusammenarbeit mit dem Stadtverband der Leibesübungen übertragen. Mit der Leitung des Sportamtes befasst waren ab 1967 Manfred Kiesewetter, Dieter Seyfarth, Olaf Schönheit, dann wieder Dieter Seyfarth. Seinem Nachfolger, Andre Röttger, ist diese Funktion Mitte 2012 übertragen worden.


Es gab eine Fülle von Themen

Nach der Wiedergründung des Stadtverbandes für Leibesübungen waren der Bau des Freibades, die Errichtung einer Sprungschanze am Muppberg, die Organisation von Stadtmeisterschaften, der Bau einer Leichtathletiklaufbahn, die allgemeine Sportstättenplanung, die Grenzlandwanderung, der Hallenbad- und der Dreifachturnhallenbau (Frankenhalle) sowie der Bau der städtischen Freisportanlage wichtige Diskussionsthemen.

Im Laufe seiner 65-jährigen Geschichte seit der Wiedergründung im Jahre 1951 hat sich der Stadtverband für Leibesübungen, der sich seit 1979 "Stadtverband der Neustadter Sportvereine" nennt, zu einem Sprachrohr aller Neustadter Sportvereine gegenüber der Stadt Neustadt und der gesamten Öffentlichkeit entwickelt.
Im Jahre 1976 (vor der Gebietsreform) waren dem Stadtverband 22 Sportvereine mit 4782 Mitgliedern angeschlossen. Nach dem Stand vom 31. Dezember 2015 gehören nunmehr 27 Sportvereine mit rund 6976 Mitgliedern dem Stadtverband an. Größter Verein ist der Ski-Club Neustadt mit 1354 Mitgliedern.

Vorsitzende in den vergangenen 65 Jahren waren Fritz Biedermann (1951 bis 1970), Otto Bieberbach (1970 bis 1974) und Günter Schneider (1974 bis 2008). Am 6. Mai 2008 wurde Martin Nußpickel erstmals in das Amt des Vorsitzenden gewählt und führt seitdem den Stadtverband. Aktuell setzt sich die weitere Vorstandschaft zusammen aus Michael Wagner (2. Vorsitzender), Ulrich Bieberbach (Schatzmeister) und Fritz Unger (Schriftführer). Beisitzer sind Volker Bräutigam, Rainer Kalter, Christa Röttger, Peter Schulz, und Dieter Seyfarth.
Der Stadtverband der Neustadter Sportvereine (bis 1978 nannte er sich "Stadtverband für Leibesübungen") begeht in diesem Jahr sein 90. Jubiläum. Seit der Wiedergründung im Jahre 1951 sind es immerhin stolze 65 Jahre, die er als Interessenvertreter der Neustadter Sportvereine gegenüber der Stadt Neustadt und der Öffentlichkeit wahrnimmt. Der Vorstand des Stadtverbandes will aus diesem Anlass in Zusammenarbeit mit den Sammler- und Briefmarkenfreunden Neustadt eine Ausstellung über das Neustadter Sportleben in den vergangenen Jahrzehnten durchführen und diese vom 31. Oktober bis 24. November 2016 der Öffentlichkeit zugänglich machen. Außerdem soll am 5. November 2016 eine Festveranstaltung, stattfinden. Der Veranstaltungsort wird in der Tagespresse noch rechtzeitig bekannt gegeben. Dabei sollen einige Höhepunkte der Neustadter Sportvereine seit der Wiedergründung des Stadtverbandes im Jahre 1951 anhand einer Präsentation gezeigt werden. Die Vereine sind zwischenzeitlich darum gebeten worden, entsprechende Bilder und Dokumente für diese Präsentation zur Verfügung stellen. Ansprechpartner hierfür ist Schriftführer Fritz Unger.


1925 schlossen sich neun Vereine zusammen

Ursprünglich gegründet wurde der Stadtverband für Leibesübungen am 10. Juni 1925. Neun Vereine, der Turnverein I, die Turngenossenschaft, der Turn-Gesang-Verein Germania, der Sportverein 07, der Sportklub Fröhlich, der Radler-Verein I, der Radlerverein Falke, der Athleten-Club Felsenfest und der Schwimmverein schlossen sich zu diesem Verband zusammen. Schon zu seiner Zeit erkannten die Neustadter Sportvereine, dass es eine Institution geben muss, um die Interessen und Belange aller örtlichen Sportvereine gegenüber der Stadt besser vertreten zu können. Zum Gründungsvorstand gehörten damals Vorsitzender August Bätz, Zweiter Vorsitzender Ernst Baumgarten, Schriftführer Wilhelm Martin und Geldwart Reinhold Wohlleben. Dass der Stadtrat damals dem Sport sehr aufgeschlossen gegenüber stand, zeigt sich daran, dass nach einer entsprechenden Eingabe des Stadtverbandes für Leibesübungen vom 16. Juni 1925 bereits am 4. September 1925 eine Satzung für das "Stadtamt für Leibesübungen" erlassen wurde. Aufgabe dieses Amtes sollte die "Förderung der Körperpflege und der Leibesübungen" sein. Das neue "Stadtamt für Leibesübungen" bestand aus stimmberechtigten und beratenden Mitgliedern. Zu den stimmberechtigten gehörten drei vom Stadtrat zu bestimmenden Vertreter, drei Vertreter des Arbeitersportkartells und drei Vertreter des Stadtverbandes für Leibesübungen.

Beratende Mitglieder waren der 1. Bürgermeister oder dessen Stellvertreter, der städtische Schularzt, ein Vertreter der Schulpflegschaft und ein Vertreter der Lehrerschaft. In den städtischen Akten ist letztmals eine Mitteilung des Stadtverbandes für Leibesübungen vom Januar 1932 zu finden. In der Folgezeit, bedingt durch die politischen Ereignisse und die sich anschließende Nachkriegszeit, hüllen sich die Akten der Stadt Neustadt über den Stadtverband für Leibesübungen bis ins Jahr 1948 hinein in Schweigen. Hinsichtlich des "Stadtamtes für Leibesübungen" ist bekannt, dass den Vorsitz bis 1933 der Lehrer Erich Schilling innehatte. Er wurde vom Stadtrat, dessen Mitglied er war, dazu bestimmt. Daneben wurden vom Stadtrat noch Bernhard Lauer und Armin Wachtel delegiert. Die Vertreter des Stadtverbandes waren Ernst Baumgarten, Lorenz Leistner und Wilhelm Martin, während das Sportkartell Reinhold Döbrich, Alfred Müller und Anton Schubert entsandte. Mit beratender Stimme nahmen an den Sitzungen des Stadtamtes teil: Dr. med. Faber, Stadtrat Höhn für die Schulpflegschaft und Julius Seyd für die Lehrerschaft.


Satzung aus der Vorkriegszeit

Wie auch Günter Schneider in der zum 25. Jubiläum des Stadtverbandes im Jahre 1976 herausgegebenen Festschrift schreibt, geht aus den spärlichen Unterlagen der Vorkriegszeit über die Arbeit des "Stadtamtes für Leibesübungen" wenig hervor. In einer Aktennotiz vom 5. Februar 1936 des damaligen Bürgermeisters Friedrich Schubart ist zu lesen: "Von der Neubildung des Stadtamtes für Leibesübungen wird Abstand genommen. Der Unterfertigte wird sich in Sportfragen der Beratung durch den Sportvertrauensobmann am Orte bedienen."
Nach dem Zweiten Weltkrieg beschloss der Stadtrat am 22. April 1948 auf Antrag der SPD-Stadtratsfraktion, wieder ein "Stadtamt für Leibesübungen" einzurichten. Im Wesentlichen wurde die Satzung aus der Vorkriegszeit übernommen. Mit der Geschäftsführung des Stadtamtes wurde Reinhard Friedrich von der Stadtkämmerei betraut. In der ersten Sitzung vertrat der damalige Oberbürgermeiser Dr. Paul Weppler die Meinung, dass das Stadtamt "die Dachorganisation zur Verbindung der Amtsstellen mit den in Neustadt bestehenden Sportverbänden darstellen soll."

Allerdings entstanden dann nach 1948 neue Sportvereine, andere gründeten sich wieder neu. Nach einer von der Stadtverwaltung durchgeführten Umfrage bei anderen Städten hinsichtlich der Organisation von Stadtämtern wurde deutlich, dass dort Stadtämter für Sport reine Behördenämter sind. Daraufhin wurde Reinhard Friedrich als Sportreferent der Stadtverwaltung beauftragt, zu einer konstituierenden Versammlung des neu zu gründenden "Stadtverbandes für Leibesübungen" baldmöglichst einzuberufen. Diese fand am 30. Januar 1951 statt. Ein aus den Sportkameraden Albert Carl (Schützengesellschaft Jägersruh), Albert Schramm (Turngemeinde Neustadt), Kurt Müller (BC Heros) und Walter Bauer (Radlerverein Falke) bestehender Ausschuss wurde beauftragt, baldmöglichst eine neue Satzung für den Stadtverband auszuarbeiten.