Für Gernot Kirchner, den Vorsitzenden des Bürgervereins Coburg Stadt, steht fest: "Unter den Städten bis 50 000 Einwohnern gibt es keine schönere Stadt in der Welt als Coburg." Der Hofgarten sei schöner als Parks in London oder New York. Nur sei dies zu wenigen Touristen bekannt. Die Versammlung des Bürgervereins Coburg Stadt in der Gastwirtschaft "Henneberger Haus" drehte sich am Mittwochabend um die Frage, ob mehr Touristen die Schließung von Geschäften verhindern könnten.

Kirchner vermisst Touristengruppen aus Amerika und Asien in der Innenstadt. "Mein persönlicher Eindruck ist, solche Gruppen sind im Stadtbild kaum wahrnehmbar." Mehr Touristen, meinte er, könnten die Geschäfte beleben. "Ich meine besonders die kleinen, individuellen Läden", sagte er.

Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) sieht, wenn er aus dem Rathausfenster schaut, durchaus Touristengruppen, auch ausländische Sprachfetzen dringen nach oben in sein Amtszimmer. "Nach meinem Gefühl sind die Stadtführungen schlagartig nach oben gegangen", sagt das Stadtoberhaupt. Berg- oder Badetouristen werde man freilich nicht in die Vestestadt locken können, aber Besucher, die geschichtlich und kulturell interessiert seien, schon. In Coburg, betonte Tessmer, sei schließlich Weltgeschichte geschrieben worden. Tessmer: "Wenn ich nicht in Coburg wohnen würde, würde ich zum Urlaub hierher fahren."


Birgt Luther eine Chance?

In der bayerischen Landesausstellung "Ritter, Bauern und Lutheraner", die zum 500. Reformationsjubiläum nach Coburg kommt, sieht Tessmer eine große Chance, mehr Besuchergruppen aus dem Ausland zu erreichen. "Ich hoffe auf einen gewaltigen Boom, der nachhaltig wirkt", sagte er. Sollte es klappen, dass die Veste Coburg als Teil des Unesco-Welterbes "Lutherstätten in Mitteldeutschland" aufgenommen werde, könnte dies die Besucherzahlen weiter voranbringen, hofft das Stadtoberhaupt.

Allerdings müsste die ganze Stadtgesellschaft für eine Willkommenskultur sensibilisiert werden. Kein "Genöle", sondern eine Aufbruchstimmung wünscht sich Tessmer. Einzelhandel, Gastronomie und Hotelgewerbe müssen seinen Worten nach "gebrieft" werden, um die Schönheiten und Vorzüge den Gästen aufzuzeigen. "Ich erwarte, dass wir freundlich und offen sind und Gäste willkommen heißen."


Tessmer: Die Händler für das digitale Zeitalter fit machen

Dass die Kaufkraft aus den Innenstädten verschwinde, dies sei nun kein spezielles Coburger Problem, sondern eben ein bundesweites. Der Online-Handel habe die 20-Prozent-Marke geknackt und dies seien Kunden, die in der Innenstadt verloren gingen. Deswegen fordert Tessmer: "Wir müssen die Händler für das digitale Zeitalter fit machen."

Eines vermisst auch der OB, nämlich kleine Geschäfte, in denen man Lebensmittel und Dinge für den persönlichen Bedarf einkaufen kann. Allerdings machte er keine Hoffnung, dass sich in einer Stadt der Größe Coburgs ein solch kleiner Supermarkt in naher Zukunft ansiedeln könnte. "Wir müssen dran bleiben und immer wieder Dinge aufspüren, die verbesserungswürdig sind", betonte er.


Amthor: Coburg hat schon Etliches zu bieten

Michael Amthor, der Leiter für Tourismus, Stadtmarketing und Citymanagement, sieht Coburg auf einem guten Weg. Im vergangenen Jahr habe sich die Zahl der Übernachtungen in der Vestestadt bereits um zehn Prozent gesteigert und heuer sei eine weitere Steigerung zu erwarten. Amthor: "Wer kommt, verliebt sich in diese Stadt, und die meisten kommen auch wieder." Immerhin sei Coburg beim Top-City-Voting zur schönsten Stadt mit Burg gewählt worden. Unterkünfte in der Preisklasse von 35 bis 40 Euro für die Übernachtung müssten für die Zukunft noch diskutiert werden, meinte er. Denn diese würden vor allem von asiatischen Besuchern nachgefragt. Amthor wünscht sich aber auch ein Feedback von Seiten der Touristen und der Bürger, negative, aber vor allem auch positive Erfahrungen sollten gemeldet werden. "Qualität ist das beste Argument, das wir bieten können."
Christa Minier von den Altstadtfreunden bemängelte die fehlende Jugendherberge. "Die kleinen Touristen von heute sind die großen Touristen von morgen", betonte sie. Werner Weiss (Bonbon-Weiss) regte unter anderem eine internationale Beschilderung an, ein erstklassiges 5-Sterne-Hotel und einen attraktiven Stellplatz für Wohnmobile. Ein Caravan-Stellplatz, informierte der Regionalmanager Stefan Hinterleitner, werde in der Region Coburg-Rennsteig eingerichtet.