Satire darf alles. Eine Satire-Partei darf sich über Politik und Parteien lustig machen - und vor allem über sich selbst. Wenn Die Partei zur Kundgebung am Bahnhof ruft und anschließend in Richtung Innenstadt "wandert", dann geschieht das im vom Ordnungsamt genehmigten Rahmen. Seifenblasen als Kundgebungsmittel sind erlaubt, während der Wanderung zum Markt ist die Straßenverkehrsordnung einzuhalten. Deshalb skandiert der vielleicht 20 Leute starke Trupp an jeder roten Ampel: "Hier regiert die StVO" und "den Kindern ein Vorbild - nur bei Grün".

Erstaunlich, was sich alles als Parole eignet: "Samstag frei für die Polizei", schallt es am Rand des Marktplatzes. Denn dank der Partei Die Partei ist Coburg im Handumdrehen eine sichere Stadt geworden, wie der Max Stirner behauptet, der sich selbst als "Generalsekretär für Sonstiges" und "Die Graue Eminenz" bezeichnet ("ich bin sehr wichtig"). Außerdem ist er Schatzmeister im Bezirksverband und hat seine Tasche am Bahnhof stehenlassen. Als er zurück eilt, um die Tasche zu holen, steht sie noch an der Eingangstür. Das ist Stirners Beweis dafür, dass Coburg nun sicher ist. Dank der Partei Die Partei.


Fünf Neueintritte

Das klingt schon sehr schräg, aber Die Partei hat schließlich einen Ruf zu verlieren. Immerhin wurde sie von Redakteuren des Satire-Magazins Titanic gegründet. Am Freitagabend wird in Coburg der Kreisverband Coburg Stadt & Land ins Leben gerufen. Fünf neue Mitglieder treten spontan bei. Tim Laufer, der die Kundgebung anführt und später auch zum Vorsitzenden gewählt wird, ist schon länger dabei. Markus Merz, sein Stellvertreter, hatte schon seit einiger Zeit überlegt, in Coburg einen Ableger von Die Partei zu gründen, wie er sagt. Der Pfälzer studiert seit fünf Jahren in Coburg. Valentin Ammer, bislang Sympathisant, wird der Schatzmeister. "Da hast du nichts zu tun, so lange du für Die Partei kein Geld annimmst", beruhigt ihn Peter Gossrau, der gerade Die Partei in Kronach gegründet hat, aber auch noch bei den Piraten aktiv ist. Zumindest bei dem, was von dieser Partei in Oberfranken übrig ist.

Auch Laufer war bei den Piraten, ebenso wie der Bezirksvorsitzende der Die Partei (das "Die" gehört zum Namen), Silas Frerking. Was bei den Piraten die umfassende Basisdemokratie und Mitbestimmung war, ist bei der Die Partei der Wille zum höheren Nonsense.

Und zum Tabubruch: "Die Partei, die Partei, sie hat immer recht" tönt es nicht nur aus dem CD-Player, sondern auch aus den Kehlen. "Wir bauen die Mauer wieder auf", ruft Silas Frerking bei der Kundgebung, und dass die Coburger ja schon 1929 gezeigt hätten, dass sie "politischen Umschwüngen positiv gegenüberstehen". Damals hatten die Coburger einen Stadtrat mit Nazi-Mehrheit gewählt.

Parteihymnen der DDR, schräge Vergleiche mit dem Nationalsozialismus und die Verballhornung von Politparolen ("hoch die internationale Sexualität") sind Teil des Programms. Für Coburg fordert Die Partei einen ICE-Halt mit noch mehr Brücken und keinen Verkehrslandeplatz, sondern einen internationalen Flughafen. Ob das reicht, Protestwähler aus dem linken und liberalen Spektrum zu mobilisieren, denen die SPD zu alt, die Linken zu ostalgisch, die Grünen zu bürgerlich geworden und die Piraten abhanden gekommen sind?


Formal korrekt

Im neuen Kreisverband der Partei Die Partei sammeln sich junge Leute - Laufer ist 27, die anderen Coburger Mitglieder schauen nicht älter aus. Die Vorstandsmitglieder des Bezirksverbands Überfranken (das steht für die Steigerung von Oberfranken) achten darauf, dass alles formal korrekt abläuft. Auch für eine Satire-Partei gilt das Parteiengesetz. Wenn Die Partei hier zu einer Wahl antreten will, dann muss sie vorher Stützunterschriften sammeln. Dass Mitbegründer Martin Sonneborn im EU-Parlament sitzt, ändert daran nichts.

Der wird übrigens am 20. Februar nach Bamberg kommen und um 20 Uhr im Hegelsaal über das Thema "Krawall und Satire" sprechen. Krawall gibt es in Coburg nicht, nur ein bisschen Lärm: "Keine Angst - Sie sehen hier eine Wanderung der Partei Die Partei", ruft Laufer immer wieder beim Zug durch Coburg, unterstützt durch Gejohle. Aber als ein junger Hund sich wegen des Gebrülls ängstlich an die Wand drückt, sind die Parteiaktivisten sofort still.