Lydia Wawrzinek wohnt im Gemeindeteil Watzendorf. Um zum Einkaufen, zum Arzt oder zur Massage zu gelangen, müsste sie eigentlich mit dem Auto fahren. Selbst fahren kann die Rentnerin allerdings nicht und Busse verkehren kaum in den abgelegenen Winkeln des südlichen Landkreises. In der Gemeinde haben jetzt ehrenamtliche Helfer das Problem bei der Wurzel gepackt und einen Fahrdienst speziell für Senioren eingerichtet. Einer der Fahrer ist der Buchenroder Fritz Müller, der am vergangenen Donnerstag mit dem Seniorenmobil die Watzendorfer Rentnerin nach Seßlach und zurück chauffierte.

Angestoßen hat die Idee vor etwa eineinhalb Jahren die Seniorenbeauftragte der Gemeinde, Barbara Degner. In Rainer Matthe, Fritz Müller, Helmut Hauck und Walter Schmidt fand sie schnell Unterstützung. Fritz Müller hat am eigenen Leib erlebt, was es heißt, wenn die Eltern pflegebedürftig werden oder selber nicht mehr mobil sind. "Die Angehörigen müssen quasi Tag und Nach bereit sein", hat er lernen müssen.

Mit der Einrichtung des Busses sollen die Senioren und die Angehörigen entlastet werden. "Gerade auf den Eigensdörfern ist der Busverkehr ein großes Problem", weiß Müller. Die sechs ehrenamtlichen Fahrer sind übrigens alle "junge Rentner" und wechseln sich seit dem 1. Juli mit dem Fahrdienst ab. Jeden Dienstag und Donnerstag chauffieren die Helfer hochbetagte Bürger zum Arzt, in die Apotheke, zum Einkaufen oder zu den Behörden.

Mittlerweile, erzählt Müller, werde der Fahrdienst gut angenommen. "Bei insgesamt 18 Fahrten haben wir im Schnitt zwischen zwei und drei Personen befördert." Anfangs gab es bei den Senioren durchaus eine spürbare Hemmschwelle zu überwinden, um das neue Angebot anzunehmen.

Meistens geht es zum Arzt

Die Senioren müssen die Fahrten vorher in der Gemeinde Großheirath anmelden. Der Transport erfolgt in einem angemieteten Kleinbus und ist für die älteren Herrschaften kostenlos. "Die meisten Fahrten gehen nach Großheirath zum Hausarzt oder zu den Fachärzten nach Coburg", sagt Müller. Auch in den Itzgrund, nach Seßlach, Niederfüllbach, Untersiemau oder den Coburger Stadtteil Creidlitz werden die Rentner gefahren. Der Fahrer gibt am Zielort seine Visitenkarte ab und wird verständigt, wenn der Fahrgast wieder abgeholt werden kann.

Fritz Müller ist vom Erfolg des Projektes überzeugt: "Wir geben in der Gemeinde jeden fünften Euro für die Jugend aus - warum sollen wir nicht auch in die Senioren investieren?" Gerade angesichts der älteren werdenden Gesellschaft sei bürgerschaftliches Engagement ein immer wichtiger werdender Aspekt. Im Moment ist der Bus noch zur Probe im Einsatz. Bewährt er sich, dann soll er fest installiert werden. "Ich bin jetzt schon mit der Resonanz zufrieden und ich sicher, dass die Sache noch besser angenommen wird." Die sechs ehrenamtlichen Fahrer treffen sich übrigens alle sechs Wochen, tauschen sich aus und teilen die Routen ein. "Dabei überlegen wir auch, was wir noch verbessern können", versichert Müller.

Die Fahrer Sechs ehrenamtliche Fahrer aus dem Gemeindegebiet wechseln seit dem 1. Juli am Dienstag und Donnerstag mit dem Senioren-Fahrdienst ab: Rainer Schmidt und Rainer Schnabel aus Neuses an den Eichen, Alwin Schmidt aus Rossach, Altbürgermeister Gerold Hümmer aus Großheirath und Helmut Öhrl und Fritz Müller aus Buchenrod.

Kontakt Die Fahrten sind kostenlos, müssen aber über die Gemeindeverwaltung Großheirath angemeldet werden. Telefonnummer: 09565 / 61510.