Ein spannendes Programm erarbeitet sich das Philharmonische Orchester des Landestheaters für das vorletzte Konzert der Saison. Vor der abschließenden "Handball-Sinfonie" mit großer Filmmusik in der Arena auf der Bertelsdorfer Höhe verspricht das 6. Sinfoniekonzert am Montag in der Morizkirche die reizvolle Begegnung von Moderne und Romantik. Der zeitgenössische Komponist Klaus Ospald trifft dabei auf Anton Bruckner.


Der Auftakt des Abends lässt sich dabei auch als Beitrag zum Coburger Rückert-Jahr verstehen, mit dem an den 150. Geburtstag des Dichters und Gelehrten erinnert wird. Schließlich liefert Rückerts Gedicht "Winter, der du jetzt im Norden" die Vorlage für Klaus Ospalds Werk für Sopran und Orchester, das die Textzeile "Ungefroren ist die Erde" zum Titel wählt.

Für die Uraufführung hat Ospald die eigentlich vorgesehene sehr umfangreiche Orchesterbesetzung reduziert. "Ich war fasziniert von diesem wunderbaren Rückert-Gedicht", beschreibt Ospald den Auslöser für die Entstehung des Werkes: "Die Kindertotenlieder von Rückert sind etwas ganz Besonders". Einerseits sei Rückert ein überaus reflektierter Mensch gewesen, andererseits gebe es in den Kindertotenliedern auch eine unglaubliche Naivität.


Unpathetische Art des Gesangs

Stilistisch sieht Ospald in seinem Schaffen nach eigenem Bekunden Verbindungslinien zu italienischen Komponisten wie beispielsweise Claudio Monteverdi mit "seiner sehr unpathetischen Art des Gesangs". Aber auch Luigi Nono und nicht zuletzt die Zweite Wiener Schule mit Schönberg, Berg und Webern nennt Klaus Ospald bei der Frage nach seinen musikalischen Affinitäten. Auch Gustav Mahler mit seinen Rückert-Vertonungen gehört dazu. Freilich werde man in seinem Werk nichts hören, was direkt an Mahler denken lasse. Die Gemeinsamkeit sieht Ospald vielmehr in Mahlers besonderer Art, auf die Welt zu reagieren.


Hanna Herfurtner als Solistin

Für das Orchester ist diese Rückert-Vertonung eine anspruchsvolle Herausforderung. Dicht gearbeitet, zwingt die Partitur die Musiker unablässig zur Konzentration. Die Vokalsolistin ist die junge Sopranistin Hanna Herfurtner, die dem Coburger Publikum bereits durch zwei überaus eindringliche Liederabende bei der "Gesellschaft der Musikfreunde" bekannt ist.


Im zweiten Teil steht Anton Bruckners 7. Sinfonie auf dem Programm. Generalmusikdirektor Roland Kluttig setzt damit seine Auseinandersetzung mit dem Schaffen Bruckners fort - nach der Aufführung der 2. und der 5. Sinfonie.


Die E-Dur-Sinfonie markierte Ende des 19. Jahrhunderts den entscheidenden Durchbruch in der Bruckner-Rezeption. Nach der Uraufführung am 30. Dezember 1884 in Leipzig unter Leitung von Arthur Nikisch wurde die zweite Aufführung durch Hermann Levi am 10. März 1885 in München zum großen Triumph für den Komponisten.




Rund um das Sinfoniekonzert am Montag in der Coburger Morizkirche




Konzert-Tipp , Montag, 4. Juli, 20 Uhr, Morizkirche - Philharmonisches Orchester, Hanna Herfurtner (Sopran), Leitung: Roland Kluttig

Programm Klaus Ospald "Ungefroren ist die Erde" für Orchester und Frauenstimme (Uraufführung ), Anton Bruckner, 7. Sinfonie E-Dur

Klaus Ospald geboren 1956 in Münster/Westfalen, studierte Komposition an der Hochschule für Musik in Detmold und an der Hochschule für Musik in Würzburg, an der er das Studium mit dem Meisterklassendiplom abschloss. Zahlreiche Auszeichnungen wurden ihm verliehen. Bedeutende Podien für zeitgenössische Musik wie die Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt, die Donaueschinger Musiktage, MaerzMusik, die Münchener Biennale, der Warschauer Herbst oder die Wittener Tage für neue Kammermusik brachten Uraufführungen seiner Werke. Klaus Ospald lehrt an der Hochschule für Musik in Würzburg.

Hanna Herfurtner 1981 geboren, studierte bei Bernhard Jäger-Böhm in Stuttgart und anschließend bei Julie Kaufmann an der Universität der Künste in Berlin. Sie gewann mehrere Preise bei Wettbewerben.

Eintrittskarten Tageblatt-Geschäftsstelle, Theaterkasse, Abendkasse.