Mit einem Festgottesdienst in der Coburger St.-Moriz-Kirche hat am Montag das Dekanat Coburg das Jubiläumsjahr der Reformation begonnen. Mit Bischof Dr. Fredrick Shoo aus Moshi in Tansania stand am Reformationstag ein Spitzenvertreter der weltweiten Ökumene auf der Kanzel. Shoo ist seit Jahresbeginn der leitende Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche in seinem Heimatland.


Reformation geht weiter

Bischof Shoo wies in seiner Predigt darauf hin, dass die Reformation, die am 31. Oktober 1517 mit dem vermuteten Thesenanschlag Martin Luthers in Wittenberg begonnen hatte, kein abgeschlossenes Ereignis sei: "Jeden Tag reformiert sich die Kirche neu!" Da gebe es viel zu tun, in Europa, in Asien, in Afrika und Amerika. Shoo hatte als Grundlage für seine Predigt einen Abschnitt aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Ephesus gewählt. Da sei es darum gegangen, einen Konflikt zwischen zwei Gruppen in der Gemeinde zu lösen. "Der Apostel erinnert uns an etwas Wichtiges, und zwar, dass wir uns alle um den Frieden in der Welt kümmern", sagte Bischof Shoo. "Frieden, das ist ja ein göttliches Prinzip!" Friede entstehe nicht von allein. Es gebe keinen Frieden ohne Gerechtigkeit, ohne die Achtung der Menschenwürde. Dabei wies der Bischof auch auf die Migranten, die Fremden in Deutschland hin.
"Versöhnung zwischen Nationen, Kulturen und Gesellschaften bleibt ein Thema der Zukunft, das von uns, den jungen Reformatoren, aufgegriffen werden muss", fuhr Shoo fort. "Versöhnung sichert die Zukunft in allen Gesellschaften." Die Gnade Gottes sei eine globale Botschaft. Bischof Shoo griff auch den Gedanken des katholischen Theologen Hans Küng von einem übergreifenden Weltethos auf. Die von Küng formulierten elementaren Maxime der Menschlichkeit, nicht töten, nicht lügen, nicht stehlen, nicht Unzucht treiben. Eltern achten und Kinder lieben, seien Grundlagen für eine nachhaltige Gesellschaft.
Er wies auch auf die Bedeutung der Ökumene hin: "Die Hauptsache ist, dass wir gemeinsam unterwegs sind, und Gott unser Begleiter bleibt." Am Gottesdienst wirkten auch Dekan Andreas Kleefeld und Pfarrer Alexander Rosenmeyer mit. Die musikalische Ausgestaltung übernahmen die Kantorei und der Posaunenchor St. Moriz unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Peter Stenglein, der auch die Orgel spielte.
Bischof Dr. Fredrick Shoo ist zunächst einmal Bischof der Nord-Diözese in Tansania. Als leitender Bischof ist der der Erste unter den evangelisch-lutherischen Bischöfen seines Landes. Die evangelisch-lutherische Kirche in Tansania besteht aus derzeit 24 Diözesen. Sie zählt gegenwärtig über 6,5 Millionen Gläubige mit deutlich wachsender Tendenz. Der Anteil der Christen an der Gesamtbevölkerung wird auf 30 bis 40 Prozent geschätzt, ebenso der Anteil der Moslems. Das Land hat knapp 50 Millionen Einwohner. Neben den evangelisch-lutherischen Christen sind auch die römisch-katholische und die anglikanische Kirche in Tansania vertreten. Bischon Shoo hat unter anderem. in Deutschland Theologie studiert. Er hat an der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau promoviert.