Es war DAS Ereignis der frühen 90er-Jahre in Coburg: Die Rocky Horror Show am 27. Juni 1992 auf dem Schlossplatz. Pure Sünde kollidierte mit der Tradition. Strapse, Strapse, Strapse, wohin man auch sah... in Schwarz, in Rot, Hauptsache auffällig. Nichts für schüchterne konservative Gemüter also, aber Pflicht für jeden Coburger zwischen 15 und 55.

Die Vorgeschichte zum Spektakel auf dem Schlossplatz beginnt im Landestheater: Neun Vorstellungen des Grusicals hatte der historische Zuschauerraum in der Spielzeit 1990/91 halbwegs überstanden, dann war klar: Die Statik hatte gelitten, das Wohlergehen der Zuschauer hätte nicht mehr garantiert werden können. Ob allein das "rhythmische Trampeln auf den Rängen" dafür verantwortlich war, ließ sich nicht zweifelsfrei klären. In jedem Fall waren Teile der Stuckverzierung nach einer Vorstellung heruntergefallen, die Spielzeit wurde Anfang Juli vorzeitig beendet.

Ein Jahr später: 12 000 Fans, viele in Strapsen, "bewaffnet" mit Wasserpistolen und Reis, pilgern auf den Schlossplatz. Bis 22.30 Uhr müssen sie sich gedulden - erst als es richtig dunkel ist, betritt der Meister die Bühne: Frank'N'Furter!

Nicht minder spektakulär ist die Prominenz im Publikum: "Unseren OB in legerer Freizeitkluft und ohne Amtskette zu sehen", sei ja nichts Neues, heißt es im Tageblatt-Bericht. Aber es sei schon beruhigend zu wissen, dass er auch mit Lidschatten und rotem Kussmund repräsentieren könne. Renate Schmidt, seinerzeit Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und bayerische SPD-Chefin, toppte aber alles: In ihren knappen Shorts über glitzernden Strapsen sei sie erste Wahl, sollten eines Tages mit "Transsylvanien diplomatische Beziehungen aufgenommen werden".

Kastner fand übrigens, der Abend müsse wiederholt werden. Doch die Show blieb - vielleicht zum Glück - einmalig!