"Die Eingriffe in die Natur durch die 380-kV-Leitung sind viel zu groß." Das stellte Rechtsanwalt Hans Neumeier bei einem von der Stadt initiierten Informationsabend im Rathaussaal fest. Er forderte die Betroffenen auf, Einwände doch recht zahlreich zu erheben, denn diese seien von der Regierung von Oberfranken einzeln zu prüfen und zu würdigen. Dies könnte eventuell die Entscheidungsbehörde zum Nachdenken bewegen.
"Einwendungen", so formulierte es Neumeier, "kann jeder erheben, dessen Belange berührt werden - in erster Linie Eigentümer, aber auch Pächter und solche, die im Nahfeld der Trasse liegen." Das Ziel sollte sein, die Planrechtfertigung zu verhindern. Alle Einwendungen sollten Hand und Fuß haben. Die Stadt Rödental hat deshalb das Münchner Rechtsanwaltsbüro Labbé & Partner gewonnen, die die Anträge erstellen. "Die Kosten werden von der Stadt übernommen, die ebenfalls auf der nächsten Stadtratssitzung eine Stellungnahme abgeben wird, in der sich gegen den Bau der Leitung ausgesprochen wird", sagte dazu Bürgermeister Gerhard Preß.
"Lieber eine Argumentation mehr", ergänzte er. Zum Knackpunkt Froschgrundsee sagte er: "Die Seeseitenlösung, also die Überquerung der Reiherkolonie, wäre die bessere als die zwischen Brücke und Weißenbrunn vorm Wald, denn Menschenschutz geht vor Tierschutz."

Neue Leitung durchs Coburger Land

Mit einer neuen Information wartete Lorenz Jarass auf: Die Bundesnetzagentur habe vor Tagen den Beschluss gefasst, eine weitere Höchstspannungsleitung von Erfurt in den Raum Augsburg zu bauen. Die solle wieder das Coburger Land - und zwar im östlichen Bereich - queren. Bereits im Frühjahr 2014 soll diese Trasse festgelegt werden. Jarass fragte nach dem Warum und gab gleich die Antwort: "Die Braunkohlenwerke sollen weiter aus betriebswirtschaftlichen Gründen ungeschmälert Strom erzeugen - neben der Erzeugung von Strom aus Starkwind." Und die Politik stehe obendrein noch dahinter.
Somit behindere die Stromerzeugung aus Braunkohle die Energiewende. Besser wären Aktivitäten vor Ort. "Die Wende hält nicht, was sie verspricht", sagte Jarass und fragte: "Sind die wirtschaftlichen und politischen Akteure bereit und in der Lage, ihre partikulären Interessen soweit zurückzustellen, dass Kompromisse für eine nachhaltige ökonomische Entwicklung im Energiesektor möglich werden?" Ein weiteres Problem sei derzeit, dass zu viel Strom produziert werde trotz der Abschaltung von Kernkraftwerken, hervorgerufen durch Braunkohlekraftwerke. Das sei durch aktuelle Zahlen belegbar. Deshalb bezweifelt Lorenz Jarass die Notwendigkeit der Leitung, die er auch für die Stadtwerke Rödental als kontraproduktiv bezeichnete. Zudem würden nicht die Netzbetreiber die Kosten des Netzausbaues tragen, sondern die Stromverbraucher, denen suggeriert werde, dass der Netzausbau durch die erneuerbaren Energien verursacht wird.
A uch sei für die wirtschaftlich fluktuierende Windenergieerzeugung und für die angestrebte Minimierung des Kohlendioxid-Ausstoßes der dringend erforderliche Neubau von schnell regelbaren Gaskraftwerken in Süddeutschland bei der Netzausbauplanung nicht berücksichtigt worden. "Das steht im Widerspruch zu den Zielen der Energiewende", stellte Jarass fest. Zudem werde derzeit der überschüssige Kohlestrom in wachsendem Umfang exportiert.
Mark Sprung und Jörg Schulz von Tennet dagegen brachen eine Lanze für den Leitungsbau. Sie begründeten das Vorhaben mit der Abschaltung des Kernkraftwerkes Grafenrheinfeld im Jahr 2015, der gesetzlichen Verpflichtung zum Leitungsbau und den zunehmenden Noteingriffen zur Netzstabilisation. Nicht ungehört verhallte bei den Vertretern von Tennet am Ende der Veranstaltung der Wunsch von Lorenz Jarass: "Eine Nacharbeit in Sachen Verkabelung wäre eine Chance, auf gütige Art und Weise eine Lösung zu finden."