Leberkäs-Semmeln, diverse Sandwiches, Currywurst, Wiener im Schlafrock, panierte Schnitzel: Das sollte, ginge es nach dem Wunsch der befragten Ganztagesschüler, ihnen mittags in der Cafeteria der Seßlacher Grund- und Mittelschule serviert werden. Stattdessen stehen in dieser Woche bunte Schleifchennudeln mit Hähnchen-Champignon-Sauce, Kartoffeleintopf mit Wursteinlage, Hackbraten mit Mischgemüse und Blumenkohlröschen in Käse-Sahne-Sauce auf dem Speiseplan. Die Schüler sind trotzdem zufrieden mit dem Essen - und greifen mehrheitlich selbst bei Obstschnitzen und Gemüsesticks zu.

Um die Verpflegung zu optimieren, ließ sich die Schule über das gesamte Schuljahr kostenlos von einer externen Fachfrau für Ernährung beraten. Am Montag zogen alle Beteiligten eine positive Bilanz. "Einzelne ineinander greifende Maßnahmen haben viel bewirkt", fasste die als "Coach" in Seßlach eingesetzte Diplom-Ökotrophologin Hiltrud Drachenberg (Schweinfurt) die Meinung der am "Essensgremium" beteiligten Mitglieder der Schulfamilie zusammen.

Idee hatte der Schulleiter

Die Idee zur Teilnahme am Coaching-Projekt der Vernetzungsstelle Schulverpflegung Bayern (VSB), die für Oberfranken im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bayreuth angesiedelt ist, hatte Schulleiter Helmut Dillig. Wie er berichtet, bildeten "Quengeleien" über das Essen in den Ganztagesklassen der Jahrgänge 5 und 6 den Anlass. Gitta Hentschel von der Bayreuther VSG kennt die Problematik: "Viele Schulen sind mit dem Thema Schulverpflegung überfordert und wissen nicht, wie sie leckeres, gesundheitlich förderndes und bezahlbares Essen miteinander vereinbaren können", schilderte sie in Seßlach. Dass er sich mit dem "fachkundigen Rat" auch "jede Menge Arbeit" ins Haus holen würde, so Dillig am Montag, damit habe er nicht gerechnet.

Von Anfang an gehörte der Rektor, zusammen mit Vertretern des Kollegiums, der Schüler, der Eltern und des Caterers der Coaching-Gruppe an. Unter Anleitung von Drachenberg erarbeitete das Team Ziele und Lösungsansätze, um sowohl Gesundheit und Wohlbefinden zu fördern als auch den Lebensraum Schule zu bereichern und das Schulklima zu stärken.

Essen unter der Lupe

Zunächst wurde das bestehende Mittagessen unter die Lupe genommen. "Knackpunkte" wurden benannt, Wünsche formuliert und konkrete Maßnahmen seit Anfang 2015 umgesetzt. Über allem steht der gemeinsam definierte Leitspruch: "Das Mittagessen ist uns wichtig, wir wollen es genießen und uns erholen."

Insgesamt sollte das vorhandene Essensangebot in der Quantität beibehalten, aber auf seinen Gesundheitswert hin überprüft und besser genutzt werden. Daneben galt es ein Angebot für Nicht-Ganztagesschüler zu etablieren. Als Hauptproblem sah das Essensgremium den Geräuschpegel in der modernen Cafeteria an, in der sich bis zu 45 Schüler gleichzeitig zum Essen versammeln. Um die auch von Schülern monierte Lautstärke zu senken, empfahl die externe Fachfrau einen Tischdienst und Tischangebote: Nun decken Schüler vorab die einzelnen Tafeln mit Tassen, Besteck, Servietten und Getränken sowie einer Rohkostplatte ein. Mit dem mundgerechten Gemüse und Obst können sich alle die Wartezeit zur Essensausgabe verkürzen und den ersten Hunger stillen. Außerdem wurden klare Essensregeln definiert, ausgehängt und kommuniziert. "Das hat schon Ruhe reingebracht", resümierte Drachenberg. Im neuen Schuljahr sollen Mappen die Ganztagsschüler vorab über das Mittagessen informieren, zudem sollen die einzelnen Schülergruppen beim Essen mithilfe von "Verhaltenszetteln" bewertet werden, kündigte die Schulverpflegungsbeauftragte Elisabeth Großkreutz an. Die jeweilige Aufsicht habe es durch die klaren Regeln auf jeden Fall leichter.

Die beteiligten Schüler wie Lehrkräfte begrüßten die Änderungen. "Ohne die Tabletts gibt es nicht mehr so viel Gelaufe", kommentierte Tevis Zeigler. Obwohl er früher nie Gemüse gegessen hat, greift der Fünftklässler jetzt bei den Sticks gerne mal zu. Kevin Meister gefallen die Getränke auf dem Tisch viel besser und Ines Oppel mag den Tischdienst. "Die Schüler spüren, dass wir das Thema ernst nehmen", meinte Großkreutz. Ihre Kollegin Monika Rößner äußerte sich skeptischer: "Die Geschmacksrichtungen der Kinder kann man nicht verändern." Oft zähle eher die Gruppendynamik, bestätigte Höfner: "Was der eine nicht isst, mögen dann die anderen ebenfalls nicht." Ihr Sohn verschmähe weiterhin beharrlich Obst und Gemüse, wusste Silke Judex zu berichten. Und beim wöchentlichen Fischgericht greife nur die Hälfte aller Ganztagsschüler zu, fügte die zweite Elternvertreterin Petra Grell hinzu: "Da liegt das Kartoffelpüree blank auf dem Teller."

Caterer Ronny Krause (Kaltenbrunn) lässt sich davon nicht entmutigen. Natur-Fisch, so weiß er, wäre noch gesünder, "geht aber gar nicht". Immer wieder probiert der Betreiber des "Essenheimservice Itzgrund" Neues aus, um das Obst- und Gemüseangebot sowie den Vollkornanteil zu erhöhen. Beim Salat zögen die Schüler Einzelkomponenten und separate Dressings angemachten Salaten vor. Obwohl sie darauf reagiert hätten, werde die Salatbar an manchen Tagen kaum angenommen, berichtet seine Mutter Ina. Sie kümmert sich seit vier Jahren um die Essensausgabe in Seßlach. Eintönig dürfe das Essen nicht sein, meint Ronny Krause. Bei Trauben oder Melonen auf dem Tisch griffen die Schüler gern zu, auch Obstsalat komme gut an. Jetzt will er es mit Rettich und Kohlrabi probieren.

Der Fleischanteil soll gesenkt werden

Durch das Coaching sei "die Ernährung reichhaltiger geworden", begrüßt der gelernte Koch das Projekt. "Verstecktes Gemüse" in Gulasch, Saucen oder Suppen soll den Fleischanteil senken. Dass "zu viel Fleisch angeboten wird" bezeichnet Drachenberg "als großen Knackpunkt in allen Schulen". Jedoch seien Eltern häufig nicht bereit, für fleischlose Alternativen den gleichen Preis zu zahlen. Die Fachfrau weiß: "Es ist schwierig, einen Speiseplan zu erstellen, der alle Beteiligten zufrieden stellt."

Beim Abschlussgespräch sah Hentschel die Seßlacher Schule "auf einem guten Wege", das Team habe "hervorragende Arbeit geleistet". Mit der Urkunde von Staatsminister Helmut Brunner, die sie Schulleiter Dillig zum Abschluss für die erfolgreiche Teilnahme überreichte, ist das Projekt für die Grund- und Mittelschule nicht beendet: Mit einer "Arbeitsgemeinschaft Schulverpflegung" möchte sie das Thema weiterverfolgen. Noch konnten nicht alle Ziele verwirklicht werden. Lehrerin Melanie Höfner wird nach den Sommerferien mit Schülern einmal in der Woche ein warmes Mittagessen anbieten. Mahlzeiten zum Mitnehmen richten sich speziell an ältere Schüler (ab der 7. Klasse) und könnten in für sie reservierten Arealen (Pavillon, Lounge, Pausenhof) eingenommen werden. "So ein Projekt lebt und entwickelt sich spürbar weiter", kommentierte Verpflegungscoach Drachenberg zufrieden.

Coaching-Projekt Schulverpflegung:
Die kostenlose Beratung von Schulen bei der Verpflegung ihrer Schüler durch sog. Coaches durch die Vernetzungsstelle Schulverpflegung Bayern (VSB) läuft bereits seit sechs Jahren. Sie wurde im Februar von Ernährungsminister Helmut Brunner (CSU) erneut verlängert. In diesem Schuljahr werden in Oberfranken sechs Schulen gecoacht, darunter neben der Seßlacher Schule die Siegmund-Loewe-Realschule in Kronach und die Obere Schule in Kulmbach. Auch die Grundschule am Heimatring in Coburg nutzte bereits das Coaching (2011/12). Die VSG begleitete auch die neue gemeinsame Mensa von Arnold-Gymnasium und Realschule in Neustadt. Eine Evaluation kam im Mai 2014 zu dem Schluss, dass Schulen, die an dem Projekt teilnahmen, "einen signifikant besseren Speiseplan haben". Verbesserungsbedarf bestehe vor allem bei der Pausenverpflegung, dem Mittagsangebot und der Raumgestaltung. Allerdings stelle sich ein nachhaltiger Erfolg nur ein, wenn die Rolle der Verpflegungsbeauftragten nach Ablauf des Coachings beibehalten und das Essengremium dauerhaft aktiv werde.