Ein Hauptgrund, weshalb sich die Klavier-Gala in der HUK zum Jugend-Musikfestival entwickelt hat, ist das Vorhandensein eines vorzüglichen Instruments, des kostbaren Steinway D-Flügels. Warum aber dem stets spektakulären Ereignis von Seiten des Publikums nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt wird, bleibt unergründlich. Jene, die erschienen waren, konnten sich an gediegenen, teilweise sogar schon Leistungen auf höchstem Niveau erfreuen.
Der erst zwölfjährige Giovanni Antonio Gromek aus Selb - den Festival-Besuchern schon seit Jahren als Virtuose auf der Blockflöte bekannt - stellte sich heuer auch als begabter Pianist vor. Er eröffnete den Abend mit einer Fantasie C-Dur von Joseph Haydn, die er fingerfertig auswendig, treffsicher und geläufig bewältigte.
Die aus Ungarn stammenden, 14 und15 Jahre alten Pianisten Daniel Nemes und Vass Bence interpretierten etwas kühl im Ausdruck, aber in gutem Zusammenspiel und sicherer Fingertechnik vierhändige Werke von Mozart, Haydn, Hummel, Debussy und Grieg, dessen "In der Halle des Bergkönigs" aus der "Peer-Gynt-Suite" Nr. 1 den machtvoll gesteigerten Abschluss bildete. Ein hochbegabter, sechzehnjähriger Pianist aus Saarlouis beendete den ersten Konzertteil: Jonas Stark. Auch er war schon mehrfach beim Festival zu hören.

Ein wahrer "Tastenlöwe"

Gefühlvoll, mit differenziertem Anschlag blühte die Melodie der E-Dur-Etüde op. 10 Nr. 3 von Frédéric Chopin auf, um in einen brillanten Mittelteil zu münden. Mit präzisem, lockerem Laufwerk folgte die F-Dur-Etüde Nr. 8. In Maurice Ravels "Oiseaux Tristes" aus "Mir roirs" zauberte er ein stimmungsvolles Klanggemälde. Vollends als temperamentvoller Tastenlöwe präsentierte er sich in Liszts "Tarantella" aus "Venezia e Napoli", die er hochvirtuos mit gestochenen Repetitionen und geschmackvollen Rubati im Mittelteil darbot. Begeisterter Beifall!
Ein weiterer Höhepunkt des Abends war der Auftritt des schon weit fortgeschrittenen Pianisten Leonhard Dering (21), der seit seinem zwölften Lebensjahr beim Festival mitwirkt. Zusammen mit dem klangvoll in allen Gruppen und konzentriert musizierenden Jungen Sinfonieorchesters Berlin unter der differenzierten und überlegenen Leitung von Andreas Schulz interpretierte er spektakulär das höchst anspruchsvolle Klavierkonzert Nr. 2 c-Moll op. 18 von Sergej Rachmaninow. Treffsicher und brillant bei sämtlichen technischen Schwierigkeiten und höchst expressiv in den schwelgerischen Melodiepassagen des Werks, bot er eine frappierende Leistung, die vom Publikum mit enthusiastischem Beifall bedacht wurde. Bravo, bravissimo!