Gut finden wir es nicht, machen es aber trotzdem. Textnachrichten schreiben, statt zu telefonieren, E-Mails checken, statt beim Zugfahren ins Gespräch mit Fremden zu kommen. Das Smartphone ist bei jeder Gelegenheit zur Hand. Die zwischenmenschliche Kommunikation bleibt davon nicht unberührt.

Philosophieren ist nicht für jeden etwas. Man muss hinterfragen, deuten, abwägen, sich mit komplexen Themen und völlig anderen Meinungen auseinandersetzen und kommt am Ende vielleicht nicht zu einem zufriedenstellenden Ergebnis. Beim Thema Smartphone und Sprache waren die Stühle beim Philosophischen Café im Fugenlos - dem Stadtbüro der Hochschule - aber voll besetzt. Denn es ging um ein Thema, das viele Menschen umtreibt.


Ein echter Experte

Thomas Kriza, Leiter des Philosophischen Cafés und Moderator des Abends, hatte den Sprachwissenschaftler Prof. Martin Haase eingeladen. Haase ist Professor für Romanistik und Allgemeine Sprachwissenschaft an der Universität Bamberg, außerdem ausgewiesener Experte für digitale Kommunikation und Internetkultur.

Als Ex-Vorstand von Wikimedia und führendes Mitglied im Chaos Computer Club und der Piratenpartei kennt er die Dynamiken der Internetkommunikation aus erster Hand. Und Haase machte klar: Die neue Art der Kommunikation verändere auch unsere Sprache. Das sei erstmal nicht ungewöhnlich. Sprache verändere sich ständig: durch kulturelle Einflüsse, geschichtliche Ereignisse oder technische Entwicklungen wie den Buchdruck im 15. Jahrhundert. Ungewöhnlich sei nur: "Normalerweise konserviert Schriftsprache unsere Sprache länger", sagte Haase. Den Genitiv zum Beispiel. "Im Geschriebenen ist das die korrekte Form. Im Gespräch hört es sich fast schon komisch an, wenn wir ihn verwenden."

Jetzt verändert sich also plötzlich unsere Schriftsprache. Weil das Smartphone beim Schreiben automatisch Sätze korrigiert, wir Abkürzungen verwenden oder aus Bequemlichkeit Wörter weglassen. Und teilweise übertragen sich diese neuen Formulierungen auch auf die gesprochene Sprache. Die 1 als Zahl, statt als Wort ausgeschrieben, zum Beispiel, hat sogar den Weg in den Werbeslogan eines Geldinstituts gefunden.


Schränkt die Technik unsere Kommunikation ein?

Doch Kommunikation ist natürlich viel mehr als Sprache. Es geht um Zwischenmenschliches, das Lesen zwischen den Zeilen, einordnen von Gestik, Mimik oder Tonlage des anderen. Das können wir nicht, wenn wir nur schreiben. Schränkt die Technik unsere Kommunikation sogar ein, weil wir uns hinter den Buchstaben verstecken können? Das ist eine der Fragen, die das Publikum an diesem Abend aufwarf.

Die Diskussion im Fugenlos vereinte an diesem Abend ganz unterschiedliche Menschen. Sie zeigte, dass sich alle Gedanken machen. Die, die selber über WhatsApp, Facebook und Co. kommunizieren und die, die noch nie ein Smartphone in der Hand hatten. Die Handys blieben an diesem Abend bei allen in der Tasche.