Autobahn, ICE, Ortsumgehung Rödental, Staatsstraßen, 380-kV-Leitung, ökologische Ausgleichsflächen, Wohnbaugebiete - für Baugebiete und infrastrukturelle Maßnahmen hat der Landkreis Coburg seit 1990 rund 2000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche verloren. Auch der landwirtschaftliche Betrieb von Martina und Martin Rauscher in Oberwohlsbach ist davon betroffen. Mit dem Bau der Umgehungsstraße B 999 - jetzt B 4 - verloren die Rauschers zehn Hektar eigenes Land und zehn Hektar Pachtland, durch den Bau des ICE weitere vier Hektar. "Wir sind eingekreiselt von Baumaßnahmen", sagt Martina Rauscher und zeigt auf die Zufahrtsstraße zur ICE-Baustelle und auf den bestimmt 50 Meter hohen Berg, der mit Erdaushub vom Tunnelbau aufgeschüttet worden war.

Einladung des Bauernverbandes

Der Kreisverband des BBV hatte unlängst zu einem Kennenlern-Treffen für den neu gewählten Kreistag des Coburger Landes auf den Rauscher'schen Hof eingeladen, um für die Probleme der Landwirtschaft zu sensibilisieren und vor Ort die Berührungspunkte Landwirtschaft und Kreistagspolitik zu diskutieren. Kreisobmann Gerhard Ehrlich sprach einmal mehr den Flächenverbrauch im Landkreis an, erklärte aber auch, dass sich die Landwirte den Infrastrukturmaßnahmen nie verweigert hätten, sondern vielmehr immer wieder auf unnötige Maßnahmen verwiesen hätten. "Was besonders weh tut," so Ehrlich, "sind Ausgleichsmaßnahmen wie beispielsweise in Gestungshausen, wo aus zehn Hektar Mutterboden Magerrasen wurde." Er appellierte an die Kreisräte, künftig noch mehr darauf zu achten, wie und wo Baugebiete, Straßenbaumaßnahmen oder Ausgleichsflächen ausgewiesen werden.

Rauschers haben vor Kurzem Zahl der Kühe erhöht

Lukas Rauscher ist gerade mal 22 Jahre jung, hat im Mai die Landwirtschaftsschule Coburg mit der Gesellenprüfung abgeschlossen und ist derzeit auf Meisterkurs. Vor einem Jahr haben sich seine Eltern Martin und Martina Rauscher für den Neubau des Stalls in der Fornbachleite entschieden und haben den alten Stall leer gezogen. 52 Kühe hatten die Rauschers und mit dem neuen Stall auf 140 Kühe expandiert. Sie kauften 46 Fleckviehkühe aus einem Bestand in Baden Württemberg. Rund 1,4 Millionen Euro hat die Familie Rauscher in die neue Anlage investiert. Kein Pappenstiel, meint Martina Rauscher, aber es sei der Traum von Sohn Lukas gewesen.

Dass Lukas in die elterlichen Fußstapfen tritt und eines Tages den Hof übernehmen wird, darauf sind die Rauschers stolz. Der Rauscher-Hof, das hat Lukas in einer Familienchronik recherchiert, geht in seinem Bestehen bis ins Jahr 1912 zurück. So weit zurück jedenfalls konnte sich Oma Heidi erinnern. Die 73-Jährige hilft noch im Haushalt mit. "Wenn wir nach Hause kommen," freut sich Martina immer wieder, "ist der Tisch gedeckt. Das ist viel wert und uns eine große Hilfe."

Kein Melkroboter

150 Hektar landwirtschaftliche Fläche bewirtschaften die Rauschers, mit Silomais, Weizen, Wintergerste und Grünfutter. Modern ist der neue Stall ausgestattet. Am Melkstand können 20 Kühe auf einmal gemolken werden. Nach reiflicher Überlegung hatten sich Lukas und seine Eltern gegen den Einsatz von Melkrobotern entschieden. "Ein Melkroboter schafft 60 Kühe, und in dieser Größenordnung müssten wir dann auch expandieren."
Der Einsatz moderner Technik, sagt Lukas, sei notwendig, um wettbewerbsfähig zu sein, aber man würde sich auch nicht von der Technik beherrschen lassen, schon gar nicht finanziell. Um die 3000 Liter Milch liefert der Hof Rauscher täglich. Die Milchwerke Oberfranken West in Wiesenfeld, lobt Lukas, seien für die Milchbauern ein starker und stabiler Partner. Mit dem derzeitigen Grundpreis von 40 Cent pro Liter ist er sehr zufrieden. Aber Prognosen will er nicht wagen. Mehr als einmal sei der Milchpreis in den vergangenen Jahren in den Keller gefallen.

Lukas ist Landwirt aus Leidenschaft. Dabei, schmunzelt seine Mutter, sei das nicht von Anfang an so gewesen. Erst bei der Lehre in einem Fremdstall habe er "Blut geleckt" und sich begeistern lassen. Früh um 6 Uhr ist für Martina, Martin und Lukas die Nacht rum. Aber auch am Abend und manchmal nachts beobachtet Lukas auf seinem Handy, was da im Stall vor sich geht. Über Kameras wird dieser überwacht, was besonders beim Abkalben hilft. Wenn es Probleme geben könnte, hat Lukas dies im Blick.

Etliche Hektar Ackerland eingebüßt

Rund 25 Hektar Land - Pacht und eigenes - haben die Rauschers durch die Baumaßnahmen verloren. Allein von den 51 Hektar, die für die Rödental-Umgehung verbraucht wurden, kamen 21 Hektar von den Landwirten Rauscher. "Ein wachsender Betrieb aber braucht Flächen, die in der Region immer knapper werden", erklärt Martin Rauscher. Dazu kämen die Biogasanlagen, die ebenfalls Flächen benötigten. Die Pachtpreise, so Rauscher, würden in die Höhe getrieben, wenn man überhaupt noch Flächen zur Pacht kriege. Mit den Ausgleichsflächen jedenfalls ist er nicht so recht zufrieden.

Und wenn er den aufgeschütteten Berg quasi vor der Stalltür sieht - Tunnelaushub abgekippt auf ebenem Ackerboden - dann hört bei ihm das Verständnis ohnehin auf. "Man dürfte gar nichts unterschreiben. Wenn man einmal in Vorleistung gegangen ist, rennt man hinterher gegen Türen, bis ein Ausgleich da ist." Und für die Rauschers hat sich noch ein ganz anderes Problem aufgetan. Sie erhielten Ausgleichsflächen zum Kauf angeboten, die vorher ein anderer Landwirt gepachtet hatte. "Das", schüttelt Martin Rauscher den Kopf, "hat natürlich nicht zu einem guten Klima unter Berufskollegen geführt. Zwist unter Landwirten ist nicht gut, wir müssen an einem Strang ziehen."