"Das ist der Wind, der fränkische Wind, der wird noch wehen, wenn wir längst nicht mehr sind", sang der Neu- und Neershofer Gesangsverein unter der Leitung von Volkmar Hein am Samstagabend im Mehrzweckhaus Neershof zu Ehren des Bürgervereins. Sein 40-jähriges Bestehen feierte der Verein mit seinen Mitgliedern und blickte dabei auf seine bewegte Vergangenheit zurück.

"Im Jahr 1976 wurde das Anschnallen im Auto zur Pflicht, Helmut Schmidt wurde Bundeskanzler und in Coburg wurde der Ratskeller eingeweiht", zählte der Coburger Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) in seiner Rede wichtige politische und gesellschaftliche Ereignisse auf. Er betonte, dass für die Bürger in Neu- und Neershof noch etwas viel Wichtigeres passiert sei. Tessmer: "In diesem Jahr wurde unser Stadtteil in Coburg eingemeindet."

Genau in dieser Zeit, am 1. Juli 1976, gründete sich der Bürgerverein spontan mit 112 Mitgliedern, von denen bis heute noch immer 30 im Verein tätig sind.
Der damalige Bürgermeister und heutige Vorsitzende des Vereins, Siegfried Derks, setzte sich damals maßgeblich für den Anschluss seiner Gemeinde nach Coburg anstatt nach Rödental ein, was nicht ohne Komplikationen und Streitigkeiten verlief.

Heute beschreibt er es als seinen größten Erfolg für die Neu- und Neershofer Gemeinde, doch bis zur Eingemeindung nach Coburg sei es ein weiter Weg gewesen. "Wir haben schon länger mit dem Anschluss nach Coburg geliebäugelt, aber damals hatten wir noch keine gemeinsamen Flurgrenzen", erklärte er.

Das änderte sich schlagartig, als die Nachbargemeinden Seidmannsdorf, Lützelbuch und Rögen Coburger Stadtteile wurden. Neu- und Neershof hätte zu diesem Zeitpunkt theoretisch nach Coburg eingemeindet werden können, aber die Verfügung der Regierung von Oberfranken, der Anschluss zu Rödental, schien beschlossene Sache.


Es begann alles mit einem Teich

Damit wollten sich weder die Neu- und Neershofer Bürger noch ihr Bürgermeister so recht abfinden. Am Ende besiegelte der Mühlteich das Schicksal der Gemeinde. Der Coburger Fischereiverein wollte den von der Neu- und Neershofer Gemeinde gepachteten Teich kaufen. Der Rödentaler Gemeinderat versicherte zuerst, dass der Mühlteich nach der Eingemeindung im Besitz der Kommune bleiben würde, was der damalige Rödentaler Bürgermeister Ferdinand Fischer aber widerrief. Irritiert haben Siegfried Derks und der Zweite Bürgermeister Wolfgang Haupt einen Termin beim Coburger Oberhaupt Wolfgang Stammberger vereinbart, bei dem ihnen ein entsprechender Eingemeindungsvertrag zugesichert wurde.

Die Neu- und Neershofer Bürger entschieden sich daraufhin bei einer Abstimmung mit 88,6 Prozent für die Zugehörigkeit nach Coburg. Trotz Protesten der Stadt Rödental konnte die Regierung von Oberfranken den Willen der Neu- und Neershofer nicht ignorieren. Der Rest ist Geschichte.

Seitdem setzt sich der Bürgerverein im Ort dafür ein, die Anliegen seiner Bürger zu vertreten und notwendige Veränderungen durchzusetzen. Neben der Anlage und Erneuerung des Kinderspielplatzes, der Neugestaltung der Anlage am Eselsbrunnen, dem hart umkämpften Bau des Radweges und des Kanalbaus, bei dem der Bürgerverein für jeden Hausbesitzer 15 Prozent Rabatt bei den Anschlüssen aushandeln konnte, sorgte der Verein für die Anbindung der Gemeinde ans Coburger Stadtbusnetz. Am 30. Mai 1976 verkehrte der erste Linienbus, der von den Neu- und Neershofer Frauen mit Girlanden und Luftballons geschmückt wurde.


Einsatz nie bereut

Siegfried Derks hat seinen Einsatz für die Eingemeindung nach Coburg nie bereut. "Wie in einer Ehe gibt es auch Belastungen, denen die Beziehung ausgesetzt ist", sagte er auf der Feier und spielte damit auf Streitpunkte wie Strommasten, Mülldeponie und ICE-Verkehr an. Norbert Tessmer betonte, dass Neu- und Neershof "ein Schmuckkästchen der Stadt Coburg ist, mit dem man gut umgehen sollte".
Dafür wird sich der Bürgerverein auch in den kommenden Jahren einsetzen. Neben den Gründungsmitgliedern wurden diejenigen geehrt, die sich zusätzlich im Vorstand für die Anliegen ihrer Gemeinde eingesetzt haben.
Der seit mittlerweile 13 Jahren Zweite Vorsitzende Wolfgang Haupt war davor 27 Jahre lang Erster Vorsitzender des Vereins und führt außerdem seit 40 Jahren die zum Verein gehörende Begräbniskasse. Roland Gerlicher kümmert sich genauso lange gewissenhaft um die Bürgervereinskasse. Auch Helmut Külpmann, Franz Kirchner, Franz Denk, Wolfgang Ziegler und Otto Riedl wurde für ihren Einsatz im Vorstand gedankt.

Bei der nächsten Vorstandswahl möchten sich Siegfried Derks und Wolfgang Haupt eigentlich in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden. "Aber zuerst müssen wir geeignete Nachfolger finden, die sich für unseren schönen Stadtteil einsetzen wollen", sagt er.