Es ist weiß Gott kein ungewohnter Anblick, Dr. Gerhard Beyer aus einem Rettungswagen steigen zu sehen. Seit Jahrzehnten ist er es, an den in Neustadt jeder denkt, wenn von einem Notarzt die Rede ist. Ungewohnt wird es sein, ihn nicht mehr aussteigen zu sehen. Am Montag um 8 Uhr endete die letzte Schicht von Dr. Beyer als Notarzt.
"Ich weiß nicht, wie vielen Menschen du Hilfe geleistet, wie viele Leben du gerettet hast", sagte Neustadts Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD), als Dr. Gerhard Beyer kurz nach seiner Schicht zu einem Empfang im Neustadter Rathaus eintraf. Einsatzzahlen, wie viele behandelte Patienten - Dr. Beyer weiß es wohl selbst nicht.
Sein Dienst in Neustadt begann 1969 als Kolonnenarzt bei der Neusadter BRK-Bereitschaft. Damals gab es keinen Notarztdienst, wie wir ihn heute als selbstverständlich empfinden. An ein Team aus sieben Notärzten (seit Montag sechs) war nicht zu denken. Es gab auch kein Notarztfahrzeug. "Den ersten Notarztwagen hat Dr. Beyer selbst angeschafft und finanziert", stellt der Oberbürgermeister klar. Es war der Beginn einer Ära, wie Frank Rebhan es beschreibt: "Du wurdest vielfach als die Notarzt-Ikone der Region bezeichnet."
Menschen zu helfen, das sei Dr. Beyers Antrieb, betonte der OB . Frank Rebhan ist froh, dass es am Montag nicht um einen Abschied aus dem Berufsleben ging. Dr. Beyer beendet jetzt, im Alter von 74 Jahren, seinen Einsatz als Notarzt. Er wird weiter als Mediziner tätig sein, als Mitglied des Stadtrats und Seniorenbeauftragter. "Wie du alles schaffst, frage ich mich sowieso schon lange", sagte Rebhan. Er dachte dabei vor allem an Beyers unermüdlichen Einsatz für die in der Frankenhalle betreuten Flüchtlinge während der vergangenen Monate.
Dr. Beyer selbst hatte an einen Empfang gar nicht gedacht. Als er am Ende der Schicht seinen Notarztwagen zur Rettungswache fuhr, wunderte er sich nicht schlecht über die rund 30 Personen, die dort auf ihn warteten. "Dann bin ich auch noch entführt worden", sagte er über die Fahrt zum Rathausempfang. Rückblickend ist der Arzt zufrieden: "Ich konnte meinen Beruf ausleben, und ich habe ihn ausgelebt, als Mediziner und als Kommunalpolitiker." Wenn es darum ging, zu aller Arbeit auch den Dienst als Notarzt zu schultern, habe ihn seine Frau Marga sehr entlastet. Wenn ich in der Nacht nach einem Einsatz nach Hause gekommen bin, brannte das Licht und sie stand in der Küche, damit ich was zu essen bekomme, ehe es zum nächsten Einsatz ging", erzählt er.
BRK-Kreisvorsitzender Siegfried Wölki nannte Beyer "eine feste Größe". Das Aufhören als Notarzt falle ihm bestimmt schwer. Doch da gebe es ja weiterhin auf anderen Gebieten so viel für ihn zu tun, dass ihm sicher nicht langweilig werde.
Neustadts Zweite Bürgermeisterin Elke Protzmann (CSU) machte Disziplin und die Liebe zu den Menschen als Gründe aus, die es Dr. Beyer möglich machen, so viele Aufgaben zu bewältigen. Dritter Bürgermeister Martin Stingl (SPD) kommentierte die ständige Einsatzbereitschaft Beyers: "Wenn man alle Einsatzstunden von seiner Lebenszeit abzieht, dann dürfte er jetzt kurz vor der Volljährigkeit stehen." Und zu guter letzt stellte Beyer selbst klar: "Ich darf ja weiterhin Notarzteinsätze fahren. Ich darf sie nur nicht mehr abrechnen, aber das hat bei mir ja nie so eine große Rolle gespielt." Man darf gespannt sein. Seine Notarzt-Kollegen loben neben der unermüdlichen Einsatzbereitschaft an Dr. Beyer, dass er jedem Patienten stets mit dem gleichen Respekt und der gleichen Zuwendung gegenübertritt - ungeachtet seiner Person oder seiner gesellschaftlichen Stellung.