Mit ruhiger Hand und konzentriert hält Connor Seibt die Metallkugel über die Flamme des Bunsenbrenners, seine Schulkameraden verfolgen dies gespannt und staunen: Nachdem Connor die Kugel erwärmt hat, passt sie plötzlich nicht mehr durch den Ring. Den physikalischen Versuch erklärt nicht etwa ein Lehrer, sondern Moritz Polz aus der neunten Klasse der Neustadter Realschule den Rödentaler Grundschülern.
Diese hören interessiert, dass sich Metall bei Erhitzung ausgedehnt und dies etwas mit den Molekülen zu tun hat.

An drei Vormittagen erleben die Schüler der Grundschule Rödental-Mönchröden einen besonderen Unterricht: Ältere Realschüler unterrichten die Kleinen und dies macht beiden Seiten so richtig viel Spaß.
Die Schulleiterin der Grundschule Rödental-Mönchröden, Marie-Luise Albrecht-Müller, ist hellauf begeistert; denn neuen Ideen, sagt sie, stehe sie generell immer aufgeschlossen gegenüber. "Die Schule wandelt sich und muss neue Wege im Unterricht beschreiten", erklärt sie, während die Kinder aufmerksam weiter experimentieren. Holzstäbe aus verschiedenen Materialien von Kunststoff, Metall und Holz werden nun in das heiße Wasser gehalten, um zu sehen, wie die Wärme geleitet wird.

Es gibt seit Längerem einen Arbeitskreis zwischen Lehrern der Grundschule und der Realschule

Albrecht-Müller erklärt den Hintergrund des neuen Schulprojektes. Um den Kindern den Übergang an die weiterführenden Schulen möglichst einfach zu gestalten, besteht demnach seit Längerem ein Arbeitskreis zwischen Lehrern der Grundschule und Realschule beziehungsweise Gymnasium. Genau aus diesem Treffen heraus, so Albrecht-Müller, sei die Idee entstanden, dass die Neuntklässler gemeinsam mit den Grundschüler einen Unterricht gestalten.

Magdalena Walter unterrichtet die neunte Klassen der Neustadter Realschule und erklärt, dass die "Lehrerrolle" verpflichtend für alle Schüler sei. "Das ersetzt eine Schulaufgabe," sagt sie. Insgesamt nehmen 28 Schüler, sechs Mädchen und 22 Jungen, aus dem mathematisch-technischen Zweig an dem Projekt teil. Vier bis fünf Realschüler erklären zehn Mädchen und Jungen der Grundschule Themen wie Magnetismus, Elektrizität, Feuer, Leben im Wald, Wärme, Optik oder Akustik, im Mittelpunkt stehen spannende Versuche und Experimente, die eine halbe Stunde des Unterrichts einnehmen und die "Kleinen" anschaulich an neue Unterrichtsthemen heranführen sollen.

Physik macht kann durchaus Spaß machen

Die physikalischen Gesetze erklären Moritz Polz, Niclas Stöwer und Verena Roos und Patricia Schneider. Die Mädchen erklären, dass der Unterricht mit viel Vorbereitung verbunden sei, so haben die Neuntklässler das Material beschafft und die Stunde gestaltet. Die Drittklässler nehmen laut der Schulleiterin "freiwillig" am Projekt teil, aber mit viel Freude. "Diese Form des Unterrichts ist ein Novum und ich freue mich, wie alle davon profitieren", ist Albrecht-Müller hellauf begeistert.

Verena Roos möchte nach der Mittleren Reife noch weiter die Schulbank drücken und die Fachoberschule besuchen. Dass sie nun selbst mal unterrichten darf, findet die 15-Jährige richtig cool. "Es macht einfach Spaß zu sehen, wie die Kleinen dabei sind." Seit Anfang des Jahres, erzählt sie, hätten sich die Schüler mit der Lehrerin in den Deutschstunden intensiv auf den Unterricht in der Rödentaler Grundschule vorbereitet. Während Verena, Patricia, Moritz und Niclas physikalische Gesetzmäßigkeiten erklären, sitzen im Forscherlabor Mädchen und Jungen und schauen auf die Leinwand, es geht hier um optische Täuschungen und Akustik. "Mit dem Projekt können wir auch unser schuleigenes Forscherlabor nutzen und mit Leben füllen", freut sich die Schulleiterin. Eines ist jetzt schon sicher: Die Kooperation von Realschülern und Grundschülern soll keine Eintagsfliege sein.