Eine Urkunde vom 27. September 1855 verrät, wie es vor 160 Jahren zur Gründung der Turngemeinde Neustadt kam. Demnach war es "eine Anzahl hiesiger Jünglinge", die "um die obrigkeitliche Erlaubnis" nachsuchte, einen Turnverein zu gründen.


Gestählter Körper, frischer Geist


Diese Anfrage, so heißt es weiter, "befürwortet der Magistrat andurch umso lieber, als die Turnerey nur dazu beiträgt, den Körper zu stählen und den Geist zu frischen, den Charakter zu festigen und sich als ungeachtet des günstigen Erfolges derselben in Coburg und Sonneberg bisher noch keine Lust dazu unter den hiesigen männlichen Jugendlichen gezeigt hat, was ein Zeichen von Schwächlichkeit und Verweichlichung verrieth, dem abzuhelfen nunmehr Gelegenheit gegeben ist".

Am 3. Oktober des gleichen Jahres genehmigte die Coburger Landesregierung die Gründung des Turnvereins und erklärte die "Zwecke der Statuten als löblich". Es war die offizielle Geburtsstunde der heutigen Turngemeinde Neustadt.


Eine wechselvolle Geschichte


Heute, 160 Jahre später, kann der Verein auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. Wie viele Sportvereine konnte die TGN Erfolge feiern, musste aber auch tiefe Täler durchwandern. Die beiden Weltkriege gingen auch an der Turngemeinde nicht spurlos vorbei. Unterkriegen ließen sich die Mitglieder nicht. Ganz im Gegenteil.

Zunächst war noch der Schützenplatz die Heimstatt der Turngemeinde. Da das Gelände für den Sportbetrieb nicht mehr tauglich war, setzte der damalige Vorstand alles daran, ein neues Areal zu bekommen.


"Eine Zumutung für die Verantwortlichen"


Die Stadtverwaltung überließ schließlich im Jahr 1949 dem Verein das Grundstück an der Krämere. Richtig glücklich war die Turngemeinde mit der Lösung offensichtlich nicht. In der Festschrift zum 150-jährigen Bestehen steht zu lesen: "Die Stadtverwaltung stellte dem Verein ein Gelände zur Verfügung, aber was für eines. Eine Zumutung für die Verantwortlichen und die Mitglieder, die aus dem damaligen Sumpfgebiet und aus der verwilderten Natur ein Sportgelände formen sollten. Viele Neustadter belächelten damals die Bemühungen der Mitglieder, die mit allen Kräften aus der Wildnis einen Sportplatz zu bauen versuchten".

Es folgten viele Arbeitseinsätze und aus der "Wildnis" wurde ein schmuckes Gelände, das sich sehen lassen kann. Ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte war die Zusammenarbeit mit der benachbarten Siemens AG. So konnten die Aktiven der Firmen-Sportgemeinschaft die Vereinsanlagen und die Übungsleiter der Turngemeinde in vollem Umfang nutzen, während Siemens die finanzielle Unterstützung einbrachte.


Einst über 1000 Mitglieder


In jener Zeit stieg die Mitgliederzahl auf über 1000. Die wirtschaftliche Entwicklung machte auch vor den Toren der TGN nicht Halt. Im Jahr 2005 wurde der Vertrag von den Siemens- Nachfolgern gekündigt. Die Mitgliederzahlen sanken kontinuierlich. Heute zählt der Verein 380 Mitglieder und bietet sportbegeisterten Menschen immer noch ein breites Spektrum an körperlichen Aktivitäten.

In den Abteilungen Karate, Turnen, Gymnastik, Volleyball, Tennis und Inline-Skating finden Menschen jeder Altersgruppe eine Möglichkeit zur sportlichen Betätigung.

Leider, so der Vorsitzende Wolfgang Oberender, musste man auch dem Wandel der Zeit in der Form Rechnung tragen, dass der Faustball, einst Aushängeschild der TGN, ruht. Dafür ist nach seinen Worten der Tennissport in den Vordergrund gerückt. Die Tennisspieler bilden derzeit die größte Abteilung des Vereins. Stolz ist der Vorsitzende darauf, dass trotz eines gewissen Schrumpfungsprozesses der Klub finanzielle auf absolut soliden Füßen steht.


Am 5. September wird gefeiert


Den 160. Geburtstag wollten die Verantwortlichen nicht so einfach vorübergehen lassen. Mit einem Tag der offenen Tür unter dem Motto "Sport und Gaudi" soll am Samstag, 5. September ab 13 Uhr das nicht alltägliche Jubiläum gefeiert werden. So können sich die Besucher über die Sportarten Trampolinspringen, Karate, Inliner, Tennis und Volleyball ein umfassendes Bild machen.

Abgerundet werden die Festivitäten durch Live-Musik, ein Torwandschießen und eine Hüpfburg für die jüngeren Besucher. Der offizielle Teil mit Grußworten und Ehrungen wird ab 16 Uhr den Tag beschließen.