Dass sie mit noch nicht einmal 18 Jahren Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) persönlich treffen würde, hätte sich Kira Knauer aus Neustadt vor ein paar Wochen noch nicht träumen lassen. Genau das ist aber passiert, als sie am 17. September für ihre Leistung im Schülerprojekt "Jugend und Wirtschaft" in Berlin als Bundessiegerin ausgezeichnet wurde.

"Es war schon ein unglaubliches Gefühl, meinen eigenen Artikel in der F.A.Z. zu lesen", erinnert sich die Schülerin des Arnold-Gymnasiums, die heute ihren 18. Geburtstag feiert. "Dann noch den Wettbewerb zu gewinnen, ist unglaublich."


Erfolgreiche Schüler am Arnold-Gymnasium

Zu Recht kann Kira Knauer, die in ihrer Freizeit das Tor des Handballclubs Erlangen hütet oder mit ihren Mitschülern Fußball spielt, stolz auf ihre journalistische Leistung sein. Wie bereits in den Vorjahren hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die den Wettbewerb zusammen mit dem Bundesverband Deutscher Banken zum 15. Mal veranstaltet hat, mehrere tausend Einsendungen erhalten. Das Arnold-Gymnasium kann sich mittlerweile als Stammgast auf dem Preisverleihungsparkett bezeichnen. Schon vor zwei Jahren holte sie den Sieg als Gesamtgruppe.

Thema war diesmal "Hidden Champions". "Die Schüler müssen ein Wirtschaftsunternehmen, das in seinem Bereich Marktführer ist, aus betriebswirtschaftlicher Sicht in ihren Artikeln vorstellen", erklärt der Mathematik- und Physiklehrer Jochen Dotterweich, der seinen Schützling zur Preisverleihung nach Berlin begleitet hat. "Die Kunst ist, die teilweise sehr komplexen Prozesse so zu beschreiben, dass der Leser alles versteht." Jochen Dotterweich hat die Schüler des Oberstufenseminars "Jugend und Wirtschaft" unterstützt, genauso wie der eigentliche Ziehvater des Projekts, Wirtschafts- und Rechtslehrer Thorsten Zipf, der sich derzeit für ein Jahr in der freien Wirtschaft befindet, um Praxiserfahrung zu sammeln.


Immer wieder nachgefragt

Vor allem die Praxis hat Kira Knauer bei ihrer Arbeit am meisten Spaß bereitet. In ihrem Artikel "Sie schicken den Schlitten in die Wüste" stellt sie das Kunststoff- und Holzverarbeitungswerk KHW aus dem Thüringer Ort Geschwenda vor, das sich auf Rodelschlitten spezialisiert hat und bei seinen Produkten aus Kunststoff weltweit Marktführer ist. Um den Herstellungsprozess in ihrem Artikel für den Leser verständlich darzustellen, wurde die Gymnasiastin selbst zu einer Expertin für Rennrodler. "Wenn etwas unklar war, habe ich immer wieder bei dem Firmenchef und den Produktionsleitern nachgefragt", erklärt sie.

Bei der Preisverleihung haben die Verantwortlichen vor allem Kiras Hartnäckigkeit gelobt. "Mit halbseidenen Informationen kann ein Redakteur nicht viel anfangen", weiß Jochen Dotterweich. "Das unterscheidet einen guten von einem sehr guten Artikel."

Aber wie kam Kira Knauer überhaupt auf die außergewöhnliche Idee, über eine Firma zu schreiben, die Rodelschlitten herstellt? Tatsächlich kam ihr der Zufall zu Hilfe. "Meine Mama hat nach einem Schlitten für meinen Bruder gesucht. Auf der Webseite des Herstellers habe ich dann gelesen, dass sie Marktführer sind", erinnert sie sich. Für die Unternehmen ist der Wettbewerb eine tolle Möglichkeit, sich bei den Zeitungslesern bekannt zu machen.


Auch zwei Mitschüler haben es in die Zeitung geschafft

Auch die Artikel von Kira Knauers Mitschülern Timo Jakob und Amelie Kirchner haben es in die F.A.Z. geschafft. "Ich habe über eine Bamberger Brauerei geschrieben - ein Privatunternehmen, das seine Umsatzzahlen nicht sofort preisgeben wollte", erklärt Timo Jakob. Nach mehrmaligem Nachhaken habe ihm der Chef der Brauerei aber doch die genaue Zahl verraten, die von den Juroren des Wettbewerbs gefordert wurde. Wie ihr gleichaltriger Klassenkamerad hat die 17-jährige Amelie Kirchner eine Firma gewählt, die sich dem leiblichen Wohl verschrieben hat: Sie hat eine Manufaktur, die Telegramme aus Schokolade produziert, ausgewählt.


Hartnäckigkeit ist Trumpf

Während des mehrmonatigen Entstehungsprozesses konnten die Schüler ihre Rohfassungen mehrmals bei den Juroren einsenden. Von ihnen haben sie Anregungen bekommen, was sie noch verbessern können. Das Endergebnis waren mehrere hundert druckreife Artikel, die in den vergangenen Monaten auf einer Sonderseite der F.A.Z. erschienen sind. Neben einem Jahresabonnement der Zeitung konnte sich Kira Knauer über ein iPad freuen. "Das Schönste für mich war aber, Wolfgang Schäuble zu treffen", verrät die stolze Siegerin. "Das war eine Erfahrung, die ich nie vergessen werde." Im nächsten Schuljahr macht Kira Knauer das Abitur. Bis jetzt hat sie sich noch nicht festgelegt, was sie studieren will. Die wichtigste Lektion hat sie schon jetzt im Rahmen des Wettbewerbs gelernt: "Wenn man etwas erreichen will, muss man zielstrebig sein und darf nicht lockerlassen."