In ein paar Tagen wird die Neustadterin Ingeborg Tonn 80 Jahre alt. Aber das Spektakel am Samstag im Märchenbad lässt sie sich nicht entgehen. "Meine beiden Enkelsöhne spielen und singen hier beim Rock-Open-Air-Konzert. Da muss ich dabei sein, auch wenn ich wahrscheinlich die Älteste bin", sagt die Dame, die weiß, dass die beiden Brüder Patrick und Jannick mit zum Besten gehören, was sich musikalisch zur Zeit in der großen Kreisstadt tut. "Wenn die Jungs zu Hause proben, dann höre ich wirklich gerne zu. Ich bin ihr größter Fan", freut sich die rüstige Seniorin.

Die beiden Freundinnen Julia Kreuzer und Sina Unverricht, beide 16 Jahre jung, kamen aus Coburg zum Festival. Sie sind zum ersten Mal beim "Rock im Freibad", aber schon vollends begeistert. "Also mir gefallen am besten die Lieder, bei denen man den Gesang auch noch hört", stellt Julia klar und liegt damit auf Oma Tonns Wellenlänge. "Na klar, zu Hause höre ich immer Musik, meistens aus dem Radio, manchmal singe ich auch mit", erzählt Julia. Sinas musikalischer Geschmack unterscheidet sich da schon deutlich. "Die langsameren Sachen sind ja ganz okay. Aber ich mag es lieber, wenn es heftig rockt, so wie bei Missing Avery zum Beispiel. Die waren cool. Und jetzt freue mich auf Soul Jam. Ich habe gehört, dass die total gut sind", sagt Sina. Und die beiden sind sich schon ganz sicher, auch im nächsten Jahr wieder nach Neustadt zu kommen.

Daniela Roth kommt aus dem "bayerischen Sibirien", aus Hof zum Rock-Konzert. Nicht einfach so, denn "Ich ging bis zum Abitur mit den Jungs von Empty-V in eine Klasse. Und die fragten mich mal, ob ich nicht Lust hätte, bei ihnen mitzusingen. Da habe ich nicht lange überlegt und zugesagt". Dass Daniela singen kann, hatte sie den Bandmitgliedern schon bei etlichen Auftritten des Schulchores bewiesen, natürlich auch solo. "Ich glaube, ich kann ganz gut singen. Musik liegt mir, deshalb werde ich demnächst auch ein Studium in dieser Richtung beginnen", verrät die junge Frau, die in Neustadt mit der Band zum ersten Mal auf der Bühne steht.

Von "bayerisch Sibirien" kann am Samstag wahrlich nicht gesprochen werden. Zumindest bis 16 Uhr, um 14 Uhr begann die Veranstaltung, halten sich viele Besucher noch im kühlen Nass des Märchenbades auf. Bei dem Sonnenschein müssen die Jungs von "Missing Every" ihrem Publikum gar nicht groß einheizen. Die meisten sind heiß auf Rock, manchen wird es gar zu heiß und viele ziehen es vor, das Geschehen aus dem Schatten der Bäume und nicht direkt vor der Bühne zu verfolgen. "Noihaus", die Thüringer, punken auf ihre bewährte und inzwischen auch bekannte und beliebte Art. Und "Empty-V" überraschen mit Sängerin Daniela. Festivalstimmung verbreitet sich auf den Liegewiesen, über die Bühne ziehen Nebelschwaden, es duftet nach Bratwurst. Die Besucher sonnen sich, oder chillen auch mal, Abstand vom Alltag, ein paar tanzen.

"One Day Off", Oma Tonns Enkel, singen leisere Lieder, melodiös und dennoch mitreißend. Die meisten Titel stammen aus Pattricks Feder. Gesang im Duett wie einst "Simon and Garfunkel", begleitet mit Gitarre und Cajòn. Das hört sich beinahe schon an wie ein Konzert im Central-Park. "Rap meets Rock", der Titel der Gruppe "Soul Jam" ist deutlich flotter. Die Bamberger "leben" vom ständigen Dialog mit dem Publikum, von der Interaktion mit den Besuchern und diese stellen sich inzwischen schon mal auf die Hauptgruppe, auf "Herzblut" ein.

"Herzblut", das sind sieben Vollblut-Musiker aus Bamberg. Mit ihrer energiegeladenen Show sorgen Simone, Chris, Nobby, Alex, Joe, Christoph und Sören mit dem Motto "Rock-Magie" für allerbeste Stimmung, setzen dem "i" des Konzertabends den Punkt auf. Es ist zu spüren, dass da eine zusammengewachsene Gruppe auf der Bühne steht, mit Mitgliedern, die ihr Metier jederzeit im Griff haben. Das Repertoire umfasst aktuelle Chartstürmer, Rock-Klassiker, Heavy-Metal und Partynummern. Da sind Songs von "Rammstein" dabei, von den "Toten Hosen", von den "Onkelz", aber auch die "alten Meister" wie Dylans "Mighty Quinn" oder Johnny Cashs "Ring of fire". Die Bühnenshow, abgerundet von der Feuershow einer Feuerkünstlerin, zeigt, was die Künstler mit ihrer Musik ausdrücken wollen. Nach fast 50 Titeln geht gegen Mitternacht ein wieder vollauf gelungenes Festival seinem Ende entgegen. Da kann dann die letzte Zugabe nur heißen: "An Tagen wie diesen".