Immer wieder war in den Morgenstunden des Kirchweihmontags aus einer Halle in der Lichtenfelser Straße 20 gleich mehrmals in verschiedenen Tonlagen das Krähen von Hähnen zu vernehmen. Wer daraus schlussfolgerte, dass sich in Neuensorg ein neuer Erwerbszweig angesiedelt hat, wurde wenige Stunden später eines Besseren belehrt. 20 stolze Hähne unterschiedlicher Rassen verbrachten gemeinsam in der Halle die Nacht, um am Montagvormittag bei der zweiten Meisterschaft im Wettkrähen gegeneinander anzutreten.

Diese wurde von den Mitgliedern des Geflügelzuchtvereins 1926 Neuensorg zur weiteren Bereicherung der Kirchweihtage veranstaltet. Als Sieger ging nach zehn Minuten der Zwerg-Sussex-Hahn aus der Zucht von Hubert Mahr hervor, dessen Krähen viermal lautstark zu vernehmen war.

Positive Resonanz

"Obwohl die Käfige abgedunkelt waren, haben manche Hähne schon um 3.30 Uhr gekräht", verriet der Vorsitzende des Geflügelzuchtvereins Norbert Wittmann. Er moderierte den Wettbewerb und zog aus der Veranstaltung eine durchweg positive Resonanz.

Im Biergarten der Gastwirtschaft Fischer waren die Tischreihen dicht besetzt, um den Wettbewerb hautnah mitverfolgen zu können. Für den Vorsitzenden war es demnach auch nicht schwer, 20 unabhängige Wertungsrichter zusammenzustellen. Sie nahmen auf den Stühlen vor den 20 Käfigen Platz, um kein Krähen des jeweils zugeteilten Hahnes zu verpassen. Neben Chabos und Lakenfelder traten Zwerg-Italiener, Zwerg-Seidenhühner, Zwerg-Sussex sowie Zwerg-Wyandotten gegeneinander an.

Zu "Atemlos" von Helene Fischer wurden die Hähne erst mal "sprachlos"

Als zu Helene Fischers "Atemlos" das große Rolltor geöffnet wurde, waren die Hähne erst einmal "sprachlos". Nach einigen Minuten des Sammelns und des Orientieren war vom ersten Hahn ein lautstarkes Krähen zu vernehmen, was die Besucher mit "Aah-Rufen" kommentierten. Warum die Hähne für ein paar Minuten innehielten, darüber spekulierten Besucher wie Züchter. Als mögliche Ursachen wurden die ungewohnte Umgebung, aber auch die Hitze am Vormittag und die Wertungsrichter vor den Käfigen angeführt.

Um die Hähne nicht aus der Ruhe zu bringen, durften die Mitglieder der Wertungskommission weder an die Käfige tippen noch Gespräche führen oder ihrem zugeteilten Hahn gut zureden, was für manch ein ungeduldiges Jurymitglied nicht einfach war. Als Unparteiischer wertete schließlich Bernd Guth seel die Registrierkarten aus und wachte über den Wettbewerb. Aus insgesamt sieben unterschiedlichen Zuchten kamen heuer die gefiederten Teilnehmer. "Es war kein Problem, die Hähne zusammenzubekommen", erklärte der Vorsitzende und ergänzte, dass sowohl Jung- als auch Alt-Hähne in den Wettbewerb geschickt wurden.

Pokal war eigens für den Wettbewerb gespendet worden

Von Bürgermeister Markus Mönch (parteilos) konnte Hubert Mahr für seinen Siegerhahn mit der Nummer 15 den Rudolf-Fischer-Pokal in Empfang nehmen. Diesen hatte stellvertretender Vorsitzender Ulrich Fischer eigens für den Wettbewerb gespendet. Sachpreise gab es für den Zweitplatzierten Ullrich Selig (Lakenfelder, dreimal) und den Drittplatzierten Norbert Wittmann (Chabo, zweimal). Seit drei Jahren ist Hubert Mahr als Züchter aktiv und schickte auch im letzten Jahr Hähne ins Rennen, die allerdings weit abgeschlagen hintere Plätze belegten. Heuer beteiligte er sich mit zwei anderen Sussex-Hähnen.

Im Vorfeld hatte der Züchter eine Vorahnung und glaubte an einen Erfolg. Immer wieder hatte der Züchter seinen beiden Hähnen gut zugeredet, Zuneigung gespendet und ihnen den Wettbewerb mit leckerem Hühnerfutter schmackhaft gemacht. Ob dies allerdings die ausschlaggebenden "Geheimwaffen" für den Sieg des einjährigen Sussex-Gockels waren, oder nicht, konnte nur erahnt werden. Als Hubert Mahr den Hahn auf den Arm nahm, blickte sein gefiederter Freund zumindest äußerst zufrieden in die Runde, ließ sich nicht aus der Fassung bringen und genoss sichtlich seinen Siegesruhm.