Eigentlich, sagt Ursula Fehling, habe sie mit ihrem Protest gar nicht an die Öffentlichkeit gehen wollen. Sie wird ihre Einwände gegen die Unterführungspläne im laufenden Bebauungsplanverfahren einreichen - so, wie es das Gesetz vorsieht. Aber dann kam Zuspruch, auch von Menschen, die sie kaum kennt. Und es meldete sich Michael Rack aus Finkenau, der einen Alternativvorschlag hatte: Warum denn die Unterführung da bauen, wo jetzt der Bahnübergang ist? Früher verlief hier die Hauptverbindungsstrecke von Coburg in Richtung Itzgrund. Doch die B4 ist längst aus Creidlitz herausgerückt. Wer von dem Coburger Stadtteil auf die B4 fahren will, nutzt eher noch den Bahnübergang Fabrikweg/Hahnwiese weiter nördlich als den am südlichen Ortsende. Doch dieser nördliche Bahnübergang soll ganz wegfallen; eine Unterführung ist in diesem Bereich nurmehr für Fußgänger und Radfahrer geplant.

Wer mit dem Auto zur B 4 oder zur B 303 will, muss dann durch ganz Creidlitz bis ans Süd ende fahren und wieder ein Stück zurück. Deshalb schlägt Rack vor, eine Unterführung von Creidlitz-Mitte direkt zur Kreuzung des Fabrikwegs mit der Auffahrt zur B 4 zu schaffen und die Kreuzung durch einen Kreisverkehr zu ersetzen.

"Genial" finde sie diesen Vorschlag, sagt Ursula Fehling. Sich damit zu befassen würde freilich bedeuten, notfalls eine völlig neue Planung für den Bahnhof in Creidlitz zu machen. Warum nicht, fragt die Anwohnerin: "Die Planung ist 29 Jahre alt. Das soll jetzt im Eilverfahren durchgezogen werden."

Tatsache ist, dass die ursprünglichen Pläne aus dem Jahr 1986 stammen. Sie sind die Basis für den Bebauungsplan von 1989 der aber ohnehin geändert werden soll. Denn 1986 war von einer Grenzöffnung zur DDR noch keine Rede, und der Reisezugverkehr auf der Bahnstrecke nach Rossach war auch schon eingestellt. Lediglich Güterzüge verkehrten noch gelegentlich.

Doch mit der Grenzöffnung und dem Verkehrsprojekt "Deutsche Einheit Nr. 8.1" veränderten sich die Voraussetzungen: Die ICE-Neubaustrecke Nürnberg-Erfurt führt zwar an Coburg vorbei, doch die Vestestadt erhält eine Einschleifung und - so hoffen die Politiker - einen ICE-Halt. Da wurde das Thema Unterführung wieder aktuell. Vor allem, wenn es gelingen würde, die Unterführung als Teil der ICE-Neubaustrecke zu errichten. Denn dafür steht Geld zur Verfügung. Aber dann drängt auch die Zeit, denn die Neubaustrecke soll 2017 in Betrieb gehen.

Ein Argument, das Ursula Fehling so nicht gelten lassen will. Denn auch mit Schranken wäre der Creidlitzer Übergang zu sichern. "In Dörfles-Esbach gibt es drei Bahnübergänge mit dem neuesten Stand der Technik", sagt sie. "Da denkt niemand daran, eine Unterführung zu bauen." Außerdem käme eine einzige Unterführung die Stadt billiger als zwei Tunnel unter den Gleisen, die dann auch unterhalten werden müssen. Auf rund 5,3 Millionen Euro hat das städtische Bauamt den Kostenanteil der Stadt beziffert. Da die Stadt ein Drittel der Baukosten aufbringen muss (der Rest kommt von Bahn und Bund), geht Ursula Fehling davon aus, dass die gesamten Baukosten für die zwei Unterführungen 16 Millionen Euro betragen.

Ohnehin sei schon umgeplant worden, argumentiert Ursula Fehling: Es werden wieder zwei Gleise durch Creidlitz führen, und es wird zwei Bahnsteige geben. "Es ist noch nicht zu spät. Die sollten die Sache überdenken und sinnvoll planen", sagt sie in Richtung Stadtplanungsamt. "Aber es wird sich am alten Plan festgebissen."
Die Creidlitzerin hofft nun auf das laufende Bebauungsplan-Änderungsverfahren und da rauf, dass viele Creidlitzer Einwände gegen die vorliegende Planung formulieren. Die muss die Stadt dann alle würdigen. Ihren Aufruf und Musterschreiben hat Fehling schon in Geschäften ausgelegt und im Gemeindeblatt abdrucken lassen.


ALTES THEMA


Schon am 11. Juni 1911 war im Coburger Tageblatt folgendes zu lesen: "Zu wünschen wäre, dass die Bahnverwaltung gleichzeitig am Hauptübergang in Creidlitz, wo zwei Schranken immer gleichzeitig geschlossen sind, sich entschließen würde, hier eine Unterführung zu bauen; denn die Verkehrsstockungen sind bei geschlossener Schranke und Ankunft der Züge zu stark. Als besonders lästig wird es auch empfunden, dass stets beide Überwege gesperrt werden." Damals wurde gerade das zweite Gleis zwischen Coburg und Creidlitz gebaut, da in Creidlitz seinerzeit noch die Bahnstrecke nach Rossach abzweigte.