"Wir machen jetzt eine Taschenlampenwanderung. Deshalb habe ich eine Taschenlampe mitgebracht, die macht Licht", erklärte Hannah stolz. Das Vorschulkind stand mit der Mama und der kleinen Schwester Sarah vor dem Rathaus und wartete mit den Kindergarten-freunden Aaron und Tristan auf den Stadtführer. Eine ganz besondere Stadtführung in der Abenddämmerung sollte am Mittwochabend "kleine Neustadtforscher" durch die Gässchen ihrer Heimatstadt führen und ihnen geheimnisvolle Eckchen zeigen. "Und so machen wir uns heute auf den Weg, was Neustadt so alles zu bieten hat", erzählte Kiga-Leiterin Bianka Fischer. "Und ich denke, dass den Kleinen und auch Großen vieles nicht so bekannt ist."


Singend durch die Stadt

Wie ein Schwarm quirliger Leuchtkäfer schwirrten die kleinen Neustadtforscher des evangelischen Kindergartens "Löwenzahn" singend durch die Stadt und waren fasziniert. Mit Taschenlampen bewaffnet, Mama und Papa an der anderen Hand, wollten die kleinen Kinder sämtliche Neustadter Winkel in der Dunkelheit inspizieren. Und weil die Taschenlampen so schön wie an Sankt Martin leuchteten, sangen die Kinder bei ihrem Streifzug durch das Neustadt-Städtchen auch diesmal lautstark und voller Begeisterung "Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne".

"Ich bin völlig überrascht, dass so viele gekommen sind", zeigte sich Dritter Bürgermeister Martin Stingl (SPD) beeindruckt. "Ich habe eine kleine Kindergartengruppe erwartet, die bei Dunkelheit durch Neustadt geführt werden möchte", schmunzelte der fröhliche Stadtführer Stingl.

"Aber wenn es dunkel wird und der Mond scheint, machen wir einfach die Lampen an", bot die kleine Emma Fleischmann mit piepsendem Stimmchen dem Bürgermeister spontan ihre Hilfsbereitschaft an. Und weil es dann noch dunkler wurde, verteilte Stingl echte Laternen, so wie es früher einmal war.
"Seid ihr bereit, wollen wir starten?", erkundigte sich Stadtführer Stingl und ein begeistertes "Jaaaaa" zog sich wie eine Welle vom Rathausplatz bis hin zum Marktplatz. Eine Stunde zogen die Mädchen und Buben durch die Innenstadt zu bekannten und interessanten Stellen.


Gässchen als Feuerschutz

Am historischen Gasthaus Eckstein vorbei ging es zum nächsten Gässchen. Dort erklärte der Stadtführer, viele Häuser hier seien vor ganz vielen Jahren komplett abgebrannt, weil sie Wand an Wand standen. Beim Wiederaufbau schafften die Menschen daher die Gässchen als Feuerschutz. Den Sparkassenneubau erwähnte Stingl als einen kleinen Ausflug in die Neuzeit.

"Hier sind wir jetzt vor dem ältesten Gebäude, das wir in Neustadt besitzen. Hier wurde früher das Getreide gemahlen", hörten die Kinder, als sie vor dem alten Mühlstein und dem Fenstersturz der "Pfaffenmühle" standen. Und da wollte jedes Kind natürlich auch gleich durchmarschieren. Von der Pfaffenmühle ging es dann rüber zum Weidach-Viertel. Dort staunten alle, dass hier einmal ein Brauhaus gestanden hatte und jeder, der ein Braurecht besaß, braute hier sein Bier.


Blick ins Kellerloch

"Und jetzt gehen wir dorthin, wo die eingesperrt werden, die großen Blödsinn machen. Wir kommen zur Polizei und den Zellen", erklang die Stadtführerstimme. Die vergitterten Zellenfenster schindeten mächtig Eindruck. Um die Wette plauderten die Kinder untereinander und erzählten sich aufgeregt heiße Gefängnisgeschichten dazu. Ein Blick mit der Taschenlampe in ein tiefes Kellerloch ließ die Kinder mächtig staunen, wie tief sich unter den Häusern früher die Keller versteckten und das wollten natürlich auch alle sehen. Dann wurde es immer geheimnisvoller: Auf einem "fast geheimen" Pfad, so ließ Stingl wissen, kam die Gästeschar zur Stadtkirche zu einer "geheimen" Tür.

Erst der letzte Schlüssel des dicken Schlüsselbunds passte. In der Georgskirche bewunderten die Kinder ihre geschichtsträchtige Stadtkirche. In den "geheimen" Gewölbekeller unter der Erde, zwischen Kirche und Rathaus, wollten allerdings nicht alle hinunter. Der Besuch der geheimnisvollen Orte endete im großen Rathaussaal. Mit einer süßen Belohnung wurden die kleinen Neustadtforscher verabschiedet.