Thomas Seitz räumt stapelweise Kleidungsstücke aus seinem Schrank in eine blaue Sporttasche, in der Wohnung hängt noch immer Rauchgeruch. "Mir ist es wichtig, dass uns allen nix passiert ist, dass wir leben und gesund sind - alles andere kann man ersetzen", sagt er und zeigt den Weg Richtung Küche und Balkon. In der kleinen Küche ist der Fußboden mit Glasscherben bedeckt, dazwischen lassen sich bei genauerem Hinsehen immer wieder verkohlte Küchenutensilien ausmachen: eine Reibe, ein Geschirrtuch, eine Obstschale, in der drei Äpfel im Löschwasser schwimmen.

Es ist der Tag nach dem Großbrand in der Bad Rodacher Innenstadt, der am späten Freitagnachmittag in der Heldburger Straße ausgebrochen war. Seither sind acht Personen obdachlos, ihre Wohnungen unbewohnbar. Als das Feuer ausbrach, war Thomas Seitz nicht zuhause. "Zum Glück", wie er sagt. Seine Mitbewohner Sarah und Steffen Nehlert waren gerade auf dem Nachhauseweg, als sie von Weitem plötzlich den Brand bemerken.

"Das ist doch bei uns!"

"Wir kamen gerade vom Bahnhof und haben erst noch überlegt, wo genau es brennt. Dann aber sind wir sofort losgerannt, als wir gemerkt haben: Das ist doch bei uns!", erinnert sich Sarah Nehlert, während sie gemeinsam mit ihrem Mann darauf wartet, dass ihre Wohnung von den Kriminaltechnikern freigegeben wird. Wenigstens ein paar Habseligkeiten wollen sie dann doch noch aus der Wohnung holen; bislang allerdings haben sie nur das bei sich, was sie am eigenen Leib tragen.

Das Wasser lief an den Wänden herunter

Auch die Eigentümer des ehemaligen "Schlecker"-Gebäudes in der Heldburger Straße 28 warten auf die Freigabe durch die Kripo. "Den ganzen Schaden haben wir noch nicht gesehen, aber 100 000 Euro reichen da nicht aus", ist sich Axel Wintersperger sicher. An der Außenfassade wird gerade ein Gerüst aufgebaut, Handwerker beginnen mit der notdürftigen Abdichtung des Daches. "Das Wasser kam die Wände heruntergelaufen, das mussten wir dann rausschöpfen", schildert seine Frau Elke die Erlebnisse der vergangenen Nacht. "Das geht in jedem Fall in den sechsstelligen Bereich." Auch in den anderen Wohnungen wird am Morgen nach dem Brand versucht, die verbliebenen Habseligkeiten in Sicherheit zu bringen. "Wir versuchen zu retten, was geht", sagt eine Bewohnerin und wappnet sich mit Mundschutz und Schutzanzug gegen Rauch und Ruß. "Ich fühle mich wie ausgebombt, so müssen sich die Menschen im Krieg gefühlt haben. Man ist so ausgeliefert", beschreibt sie ihre Lage. Ihre Tochter ist selbst bei der Feuerwehr, von ihren Kollegen wurde sie gestern jedoch zurückgehalten, um eine besondere psychische Belastung zu vermeiden. "Wenn man die eigene Straße und Hausnummer im Funk hört, bekommt man einen Schock", so die junge Frau.

Auch Marcel Bajus ist Feuerwehrmann - und betroffener Anwohner. "Ich war gestern nur kurz im Einsatz, dann musste ich abschalten und runterkommen. Und natürlich das Wichtigste aus der Wohnung retten", sagt er über die vergangene Nacht. Auch wenn das Feuer in seiner Wohnung keinen allzu großen Schaden angerichtet hat, so ist diese aufgrund des Rauch- und Wasserschadens derzeit unbewohnbar. "Die Möbel sind vom Wasser völlig kaputt", erklärt er und hilft seinem Bruder Julian, der gerade Wäschekörbe mit Kleidung aus der Wohnung trägt.

Von der Stadt kamen Hilfsangebote

Eine Unterkunft haben alle Betroffenen vorerst bei Freunden oder Familienmitgliedern gefunden, auch von Seiten der Stadt kamen Hilfsangebote. "Wir haben uns gestern Abend gleich noch mit allen Betroffenen in Verbindung gesetzt und Hilfe bei der Wohnungssuche angeboten", bestätigt Uwe Schmidt von der Stadtverwaltung. Zusammen mit Bürgermeister Tobias Ehrlicher (SPD) war er am Unglücksabend vor Ort; gemeinsam versuchten sie, die schockierten Anwohner zu unterstützen und Notunterkünfte zu organisieren.
Die genaue Schadenshöhe ist nach Angabe des Feuerwehrkommandanten Michael Geu ther von der Feuerwehr Bad Rodach derzeit noch nicht abschätzbar. "Im Augenblick gehe von circa 250 000 Euro aus", sagt der Einsatzleiter. Die Kriminalpolizei ermittelt noch zur Brandursache.