Die Autofahrer, die am Montag und Dienstag im abendlichen Verkehr auf der Bundesstraße 4 in Richtung Bamberg im Stau standen, können aufatmen. "Wir haben eine Lösung gefunden, die eine Vollsperrung nicht mehr erforderlich macht", teilte gestern Günter Engelhardt von der Servicestelle Kronach des Staatlichen Bauamtes Bamberg mit.

Schnappauf und seine Kollegen müssen derzeit echtes Organisationstalent beweisen: Einerseits drängt der Zeitplan für die knapp über vier Millionen Euro teure Generalsanierung der Bundesstraße 4 südlich von Coburg, andererseits müssen angesichts der Munitionsfunde direkt neben der B 4 bei Meschenbach (Gemeinde Untersiemau) Sicherheitsvorkehrungen getroffen und Umleitungen ausgewiesen werden.

Ein Gespräch zwischen dem Staatlichen Bauamt, dem Untersiemauer Bürgermeister Rolf Rosenbauer (CSU) und dem verantwortlichen Sprengmeister Heinrich Bernhard Scho hat gestern die Lösung gebracht: Ab sofort wird während der Zeit der Munitionsbergung (täglich zwischen 9 bis 18 Uhr) die rechte Fahrspur der B 4 in Bamberg gesperrt, zudem gilt eine Beschränkung auf 60 Kilometer pro Stunde. Sollte es Probleme bei der Bergung oder gar erneut rauchende Phosphorgranaten geben, wird die Feuerwehr die Bundesstraße kurzfristig komplett sperren.

Bei den Gesprächen dabei war auch Harald Schnappauf, der beim Staatlichen Bauamt für die Bauarbeiten auf der B 4 zuständig ist. Auch er räumte ein, dass ihm die Munitionsfunde bei Meschenbach in den vergangenen Tagen ein bisschen Bauchschmerzen bereitet haben: "Das war eine spannende Sache."

Hätte die Vollsperrung neben der Itz länger aufrecht erhalten werden müssen, wäre der gesamte Zeitplan für die Sanierung der Bundesstraße durcheinander geraten. Gerade für die bauausführende Firma, das Bauunternehmen Rädlinger, hätte dies zu Schwierigkeiten führen können. "Wir haben einen guten Konsens gefunden", bilanzierte Schnappauf.

"Das hilft unserer Maßnahme enorm", sagte Günter Engelhardt bei einem Pressegespräch zum weiteren Fortgang der Bauarbeiten auf der B 4, der vielbefahrenen Verbindung zwischen Coburg, dem Itzgrund und Bamberg. Dort sind inzwischen die aufwändigen Arbeiten an der Brücke für die Abfahrt von der B 4 auf die B 303 in Fahrtrichtung Ebersdorf/Kronach abgeschlossen. Schon am Wochenende soll dort die Sperrung aufgehoben werden - aber nur für ein paar Tage, ehe dann die Fahrbahn zwischen Niederfüllbach und Creidlitz saniert wird. Dann wird es neue Sperrungen und Umleitungen geben. Die genaue Verkehrsregelung wird rechtzeitig bekannt gegeben - klar bleibt aber: In der Hauptfahrtrichtung von Nord (Coburg) nach Süd (Bamberg) wird immer zumindest eine Fahrspur auf der Bundesstraße 4 freibleiben.

Vom Zeitplan liegen die Arbeiten auf der größten Straßenbaustelle des Coburger Landes voll im Soll. "Wir haben einen Vertrag mit der Baufirma, der im Dezember endet", sagte Günter Engelhardt. Bis dahin, zeigte sich der Baurat überzeugt, werde es aber nicht mehr dauern, bis auf der Bundesstraße wieder "freie Fahrt" gilt. Sollte es wie erhofft gelingen, dass die gesamte Maßnahme bis Ende Oktober abgeschlossen ist, dann könne man der Baufirma eine "Superleistung" attestieren.

Unerfreuliche Überraschungen gab es bisher lediglich an zwei Brücken. Bei Niederfüllbach stellte sich heraus, dass die Brücke in ihrer Gesamtheit in einem derart schlechten Zustand war, dass sich eigentlich ein Komplettabriss auch gelohnt hätte. "Den Gesamtzeitplan hat dies aber nicht beeinträchtigt", versicherte Harald Schnappauf. Nicht ganz so schlimm waren die Schäden an der Brücke beim "Toom"-Baumarkt in Niederfüllbach. Hier hat das Straßenbauamt allerdings Anfang der Woche auf die neuen Verkehrsströme durch die Munitionsräumung bei Meschenbach reagiert und die Grünphasen verändert. Nun kommen mehr Autos von der B 4 kommend nach Creidlitz durch.


Kein Unfallschwerpunkt

Entgegen allen Befürchtungen, die alle Beteiligten zu Beginn der Bauarbeiten hegten, hat sich die teilweise im Monats-Rhythmus wechselnde Verkehrsführung auf der B 4 nicht zu einem Unfallschwerpunkt im Coburger Land entwickelt. "Größere Probleme gab es nicht", sagte Bernhard Schmitt, der Leiter der Coburger Verkehrspolizeiinspektion. Freilich: Ab und an einen Auffahrunfall im morgendlichen Berufsverkehr habe es gegeben. "Aber die gab es auch an anderen Stellen", betonte Schmitt. Es sei halt auch eine Frage der persönlichen Gelassenheit, wie jeder Autofahrer mit so einer Baustelle umgehe. Schmitt: "Wenn jemand ein Problem damit hat, dass er einmal fünf Minuten warten muss, dann ist das halt auch nur sein Problem."