Gut elf Monate nach dem unfassbaren Ereignis in Beiersdorf stehen am 26., 27. und 28. November sowie am 9. Dezember jeweils von 9 Uhr an vier Angeklagte vor der Ersten großen Strafkammer des Landgerichts Coburg. Ihnen wird "gemeinschaftlich begangener Mord zum Nachteil von Wolfgang R." vorgeworfen. Es handelt sich um die damals 41-jährige Lebensgefährtin des Opfers, zwei Männer, die sie zum Mord angestiftet haben soll und ihren Noch-Ehemann. Wie aus justiznahen Kreisen zu erfahren war, befindet sich dieser auf freiem Fuß, weil gegen ihn kein dringender Tatverdacht vorliege. Er war jedoch im Rahmen der Ermittlungen ins Visier der Polizeibeamten geraten. Die drei anderen Angeklagten sitzen derzeit in Untersuchungshaft.

An vier Verhandlungstagen sollen laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft 109 Zeugen und fünf Sachverständige angehört werden.

"Soko Eiche" gegründet

Was war in der Nacht zum 12. Dezember 2013 passiert, als der 66-jährige Wolfgang R. in seinem Haus im Eichenweg Opfer eines Gewaltverbrechens wurde? Die Lebensgefährtin des Opfers hatte die Rettungskräfte alarmiert und vorgegeben, den Mann "regungslos am Boden liegend" entdeckt zu haben. Noch am gleichen Tag war sicher, dass dort ein Kapitalverbrechen passiert ist. Um den Tod von Wolfgang R. schnellstmöglich aufklären zu können, wurde die "Soko Eiche" gegründet. Nach weiteren zwölf Tagen teilen Polizei und die Staatsanwaltschaft mit, dass gegen drei Personen Haftbefehl erlassen wurde: gegen die Lebensgefährtin, die wenige Monate vorher erst eine Kneipe in der Ketschenvorstadt übernommen hatte und gegen zwei Männer im Alter von 23 und 44 Jahren. Wie Leitender Staatsanwalt Anton Lohneis schon damals mitteilte, bewegten sie sich in der Rockerszene und im Rotlichtmillieu.

Opfer brutal zugerichtet

Die Auffindsituation des Opfers ließ den Leiter der "Soko Eiche", Bernd Rebhan, damals vermuten, dass die Täter mit äußerster Brutalität vorgegangen sein mussten. Sie hatten Wolfgang R. "eine Vielzahl von Schlägen und Tritten" - vor allem gegen den Kopf - zugefügt. Im Prozess wird nun zu klären sein, ob die zwei Angeklagten ihr späteres Opfer mit dem Ziel aufgesucht hatten, es zu töten.

Wolfgang R. war lange Zeit als Musiker am Landestheater Coburg tätig und betrieb danach mindestens einen bordellähnlichen Betrieb in Coburg. Er vermietete Wohnungen an Prostituierte - unter anderem zeitweilig auch in dem Haus im Eichenweg. Mehr als 700 Spuren mussten am Tatort ausgewertet werden. Dass der Ehemann, von dem sich die 41-jährige Angeklagte auch nicht scheiden ließ, obwohl sie mit Wolfgang R. zusammenlebte, mit dem Mord in Verbindung gebracht werden könnte, wurde aber erst jetzt bekannt.