Lärmschutzwände. Brückengeländer. Tunnel. Böschung. Wusch, wusch, wusch ziehen die Strommasten vorbei. Aus dem Führerhaus des ICE wirkt die Neubaustrecke ab Erfurt wenig spektakulär. Seit zwei Tagen steht das Videoauf YouTube online, das verspricht, "die ganze Strecke" von Erfurt bis Unterleiterbach zu zeigen. Die Aufnahmen werden ergänzt durch Hinweise auf die Bauwerke an der Strecke: Straßenbrücken, die die Gleise überqueren, und natürlich alle Brücken und Tunnel für die Eisenbahn.



Die Aufnahmen stammen laut Frank Kniested, dem Pressesprecher für die Neubaustrecke, vom Ende des Vorjahrs, als die 107 Kilometer lange Neubaustrecke Strecke noch nicht komplett ausgerüstet war. Deshalb erscheinen im Film auch immer wieder Hinweise auf noch fehlende Signale.

Der Start erfolgt bei Streckenkilometer 190,8 im Erfurter Hauptbahnhof. Noch im Stadtbereich von Erfurt erreicht der Zug eine Geschwindigkeit von 160 Stundenkilometer, sechs Minuten fährt er 300. Da hat er den ersten Tunnel (Augustaburg, 1404 Meter) schon hinter sich und den ersten Überholbahnhof gerade passiert.


Nur wenig Landschaft

Dort, wo die Strecke zwischen Arnstadt und Ilmenau parallel zur A 71 verläuft, ist ein wenig mehr von der Landschaft zu sehen. Etwa bei Kilometer 165 wechseln sich fast nur noch Tunnel, Brücken und Wald vorm Fenster ab. Der Überholbahnhof Ilmenau-Wolfsberg ist nach rund neun Minuten erreicht. In diesen Bahnhöfen sollen die langsameren Güterzüge die Vorbeifahrt der schnellen ICE abwarten. Es gab auch einmal Pläne, Wolfsberg zu einem richtigen Bahnhof auszubauen, damit Interregiozüge dort halten können. Doch umgesetzt wurden diese Pläne nicht, und die Interregiozüge hat die Bahn schon vor Jahren aus den Fahrplänen genommen.

Der Tunnel Silberberg (etwa bei Kilometer 147 bis 140) ist mit 7391 Metern der zweitlängste auf der Strecke. Er verläuft unter Großbreitenbach im Thüringer Schiefergebirge. Der längste Tunnel der Strecke liegt kurz vor der Grenze zu Bayern: Der Bleßbergtunnel erreicht eine Länge von 8341 Metern und unterquert zwischen Goldisthal und Truckental den Hauptkamm des Thüringer Waldes. 95 Sekunden braucht der ICE für die Durchfahrt. Der Rennsteig verläuft etwa 235 Meter über dem Tunnel, wie der Homepage zur ICE-Neubaustrecke zu entnehmen ist.
Von der Landschaft werden die Zugreisenden nur wenig wahrnehmen: Unmittelbar auf den Bleßbergtunnel folgen die Truckentalbrücke und der Überholbahnhof Theuern. Nach zwei weiteren Tunnels und Brücken erreicht der Zug bayerisches Gebiet. Nicht auf dem Boden: Es folgt die 65 Meter hohe und knapp 800 Meter lange Froschgrundbrücke.


Wo endet der Zug?

Über die Itztalbrücke, vorbei an Coburg geht die rasante Fahrt. Bei den beiden Brücken von Wiesen (Flutmulden- und Mainbrücke) wird der Zug schon deutlich langsamer, bis er bei Kilometer 82,095 laut Video Unterleiterbach erreicht - das Ende der Testfahrtenstrecke. Allerdings schauen die Bahnfans genau hin: Die Fahrt ende in Ebensfeld, schreibt "Musicus" im Internetforum "ICE-Treff". "Bis Unterleiterbach wären es noch ein paar Kilometer."
Die Community hat das Video schon genau unter die Lupe genommen und versucht, die gefahrenen Geschwindigkeiten zu ermitteln: 260 Stundenkilometer Durchschnittsgeschwindigkeit sei der Zug gefahren, rechnet zum Beispiel "Celestar" vor. Im Tunnel Bleßberg dürfte er 316 Stundenkilometer gefahren sein, im Tunnel Eierberge 288 Kilometer. "In 30 Minuten könnte man mit einem ICE 3 von Erfurt bis Unterleiterbach kommen."

Ausführliche Informationen zur Neubaustrecke auf der VDE8-Homepage: http://www.vde8.de/de/vde-81-neubau/ueberblick