Die Bewohner des Neustadter Ortsteils Meilschnitz waren und werden immer eine große Familie bleiben. Und so familiär feierten sie am Wochenende auch ihr 700. Ortsjubiläum. Ganze Clans füllten das Festzelt am Feuerwehrhaus und davor, herrlich am Dorfteich gelegen. Am Samstagabend legten sie mit Kloß mit Soß' die kulinarische Grundlage für eine lange Festnacht.

Auch Meilschnitz verdankt seine erste Ernennung 1317 dem Neustadter Erbrecht (Rechte und Besitzungen der Henneberger an der Stadt Neustadt), wie zahlreiche andere Dörfer im Coburger Landkreis zu jener Zeit. Ganz nah an der Grenze zu Thüringen weist von Meilschnitz nach Effelder heute noch der "Krumme Stein" eine Grenzmarkierung von 1557 auf.


Viel aus der Historie von Heimatpflegerin Isolde Kalter

Heimatpflegerin Isolde Kalter wusste in ihrem historischen Vortrag viel über Meilschnitz zu erzählen: Vom Leben verwöhnt wie in der heutigen Zeit schienen die Menschen in Meilschnitz in den Jahrhunderten zuvor nicht. Kriege, Pest und Brände brachten viel Kummer, Leid und Elend über und in das kleine Dorf.

Ganze neun Höfe und eine Mühle machten vor 700 Jahren das kleine Dörfchen aus, das seinen Namen dem Flüsschen Meilschnitz verdankt. Vor dem Dreißigjährigen Krieg hatte Meilschnitz zehn wehrfähige Männer (entspricht etwa der Einwohnerzahl von 50 Personen). 1625 starben 20 Bürger durch die Pest, welche durch einquartiertes Tross-Gesinde eingeschleppt worden war. 1672 zählte man 43 Personen, die dann in sechs Häusern lebten. Drei Hofstätten standen leer. Aus dem Ersten Weltkrieg kamen sieben und vom Zweiten Weltkrieg kehrten 19 Meilschnitzer Soldaten nicht mehr heim.

Sowjetische Soldaten setzten nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Holzpfähle in der von ihnen besetzten Zone von Thüringen falsch, nämlich in die zu Meilschnitz gehörenden Waldgebiete von Himmelreich, Birkenberg, Tiefengrund und Hohenschrot. Die Meilschnitzer Waldbesitzer rückten 1946 mit ihrem Bürgermeister Edgar Müller aus, entfernten die Pfähle und setzten diese an richtiger Stelle wieder ein.


Es gab sogar eine Zeitlang eine eigene Schule

Meilschnitzer Kinder gingen bis 1877 nach Wildenheid zur Schule. Weil es dort irgendwann zu eng wurde, errichtete man eine eigene Schule, baute sie 1963 mit Gruppenraum und Pausenhalle um. Diese schulische Selbstständigkeit endete allerdings bald, erst im Zusammenschluss mit Wildenheid und dann mit Haarbrücken. 1983 war Schluss, die Meilschnitzer Schule war Geschichte.

Nur unter gesetzlichem Zwang wollte Meilschnitz seine Selbstständigkeit aufgeben, um sich im Rahmen der Gebietsreform der Kreisstadt Neustadt anzuschließen. Am 1. Mai 1978 war es so weit, Meilschnitz wurde Neustadter Ortsteil. Dafür wurden den Bewohnern Wünsche erfüllt, sie erhielten spürbare Annehmlichkeiten und einen Radweg dazu.


Mit viel Herz

Die Dorfgemeinschaft ist beneidenswert mit pulsierendem Leben erfüllt. Ihr Dorf hegen und pflegen die Bewohner mit viel Herz. Sechs Meilschnitzer Vereine (Angelfreunde, Jagdgenossenschaft, Bürger-, Sport- und Gartenbauverein, Feuerwehr) bereichern mit Festen und Feiern das dörfliche Leben und schenken sinnvolle Freizeitgestaltung. Gasthäuser laden ein, und wenn die Geselligkeit ruft, wird organisiert und mit angepackt. Und wie es sich für einen Familienclan gehört, halten die Meilschnitzer zusammen. Das hatten Oberbürgermeister Frank Rebhan und auch Landrat Michael Busch (beide SPD) stets wahrgenommen. Beide Kommunalpolitiker brauchten keine großen Jubiläumsreden schwingen, sie hielten sich kurz und genossen die Meilschnitzer und deren Dorfatmosphäre.

"Die Meilschnitzer hatten und haben ihre eigene Identität, sie sind und bleiben Meilschnitzer, auch wenn sie seit fast 30 Jahren nunmehr Neustadter sind. Das macht in Sachen Identität und Heimat keinen Unterschied, muss es und soll es auch nicht", verewigte OB Rebhan in der Jubiläumsfestschrift. "Alles, was diesen Ort heute auszeichnet, verdankt er seit jeher dem lebendigen Bürgersinn, der in Meilschnitz gelebt wird. Hier wird Wert auf das Wir gelegt und das dörfliche Miteinander, das Gemeinwohl gepflegt. Meilschnitz hat den Wandel der Zeiten mit seinen immer neuen Herausforderungen gemeistert", hielt auch Landrat Busch in der Dorfchronik fest.

Dieter Knauer verkündete zudem, die älteste Meilschnitzerin besitze stolze 95 Lebensjahre und die jüngste gerade mal vier Monate: Baby Marie, der zweite Nachwuchs von Neustadts ehemaliger Puppenfee Melanie. Und weil immer wieder kleine Meilschnitzer zahlreich nachwachsen, vergnügten sich die Knirpse auf dem bunten Kinderkarussell auf der anderen Seite des Teiches. Hatte Musiker Ronny zunächst die große Zeltbühne ganz allein für sich, musste der beliebte Schlagersänger diese dann mit kleinen und großen tanzfreudigen Meilschnitzern teilen - und das bis in die Nacht.