Des konn ich ja goar ned leidn, wenn sich so a Bayer mit seiner breitfressichen Sproch über die Frangn lustig macht. Doch, genau des hod der beliebte Willy Astor am Mittwoch im ausverkauften Kongresshaus gemacht. Es spricht für die Frangn, jedenfalls für die Coborcher und die nicht wenigen aus Südthüringen Hergefahrenen, dass sie gutmütig sogar darüber lachten. Zwei Besucherinnen von ganz vorne hat sein Verarschn aber gelangt. Die sind in der Pause verschwunden.

Da war der wendige Musikkabarettist scho a bissla betroffen, hat die Situation aber selbstverständlich gleich wieder für sich genutzt. Aber wenn er meinte, er bräucht' nur a bissla zu schleima... Ob man das grandiose Coburger Publikum buchen könne, fragt er und kriegt die gepfefferte Antwort: "Des is a Breisfroche." -
Und, wos macht der Astor daraufhin? Statt den Witz mit dem Publikum zu genießen, fängt er sofort an, kleinlich rumzumaunzn: Der Gewitzte im Publikum hat nämlich "Frooche" gesocht, nicht korrekt "Frage" artikuliert. Der hod doch tatsächlich gemeint, er dürfe sich das gleiche Recht wie der Astor nehmen und sich zu seiner Herkunft bekennen. "Frooche, Frooche, ha, Frooche, Frooche..." So hod der Astor rumgedon.

Aber wolln hald mir mol ned so kleinlich sein. Denn der auch parodistisch begabte Kerl ist mit seiner speziellen Methode ja wirklich richtig lustig. Als bekennender Anhänger des puren Nonsense, spricht, dichtet und singt er, instrumental divers aufpeppt oder gar ein bisschen schauspielerisch ausgezullt. Wozu ihm wieder so richtig seine bayrische Sproch dient.


Ob die Miss muss?

Wie der Typ ganze Wortfelder umgräbt, oder Namen, oder Schlagertitel, sie klanglich und buchstäblich verschiebt und damit plötzlich absurde Storys in ganz anderen Themenbereichen erzählt, das ist zum Schreien komisch. Tut aber oft genug auch richtig weh: Optimismus beim Model-Wettbewerb. Optimismus, Optimismus, ob die Miss muss? Nämlich Pipi machen, weil sie so von einem Fuß auf den anderen tritt.

Astor legt sich ein riesen Stück Speck unters Kopfkissen, weil ihm ein Psychologe gesagt hat, man brauche ein Riesenspektrum an Fähigkeiten. Beispielgebend hatte er gleich zum Beginn des blödelnden Abends sein Handy ausgeschaltet, das erste Islamhandy, mit beschnittener Antenne, verschleiertem Display, und wenn er das Kabel ansteckt, erscheint Binladen.

Dass er Filser-Englisch vir tuos beherrscht, war eh klar. Astors Form der Liebeserklärung: "When you drink too much, I drive. You are my Brandy, I am your Fels." Sein letzter Skiurlaub ging blöd aus. Ein besoffener Russe hat ihn in den Snow bohrt, in genau dem Moment als er auf einen Buckel pisste. Ein andermal, während seiner Literwochen auf den Spirituosen, muss er unter anderem mit federweißen Papageien unterm Waschbecken zurechtkommen. Heimwerkerwahnsinn, der Grand Prix der volksdümmlichen Musik, an dem er als Schädeltoni von der Zitzenalm teilnimmt, der Werbeschmarrn und so weiter quer durch bis zur Erschöpfung.

Der geniale Wortverhunzer geht bei seinem Zielgruppen-gerechten Senioren-Medley "in die Weihnachtsschlägerei" und singt "See you later, my Rolator" auf dem Weg zu Tengelmann. Sein früheres Leben in einer Berliner WG beschreibt er tiefsinnig mit Hilfe von Schauspielernamen: Der George putzte das Klo nie. War eh klar, dass der Johnny a Depp war. Heute Brad Pitt, stand mal auf der Küchentafel, Till war der große Schwaiger. Und bei der letzten Bitte um eine Finanzspritze schickte ihn sein Zimmernachbar zur Ursula von der Leyen.- Ihr seht scho, es war "Reim Time", wie Astors ichweißnichtwievieltes aktuelles Programm überschrieben ist. - Aber trotzdem. Ich will Dir mol wos soch, Du Aff. Du bist einfach klasse. Und mir ned ganz so grossfressichen, aber doleranden und viel weltoffeneren Frangn genießen gern den Witz und den Geist, der seit Jahren musikalisch und kabarettistisch aus dem Bayerischen weht. Aber wenn Ihr mit Eurer Verarscherei uns gechenüber so weider machd, dann könnd ihr wirglich mol wos erlebn. - Irchendwann.

Willy Astor, 1961 in München geboren, absolvierte eine Werkzeugmacherlehre und eine Ausbildung zum Maschinenbautechniker. Mit 14 Jahren hatte er begonnen Akkordeon zu spielen. Gitarrespielen lernte er über einen Volkshochschulkurs und später autodidaktisch. Seit 1983 schrieb Astor erste Songs und Prosatexte, die in der Münchner Kleinkunstszene aufgeführt wurden. Bekannt wurde Astor ab den frühen 1990er Jahren vor allem durch seine wortspielerischen Kabarett-Nummern, bei denen er gleich oder ähnlich klingende Wörter in an sich sachfremde Texte verpackt. Radio- und Fernsehauftritte und eigene Serien im Baye rischen Rundfunk und auf Antenne Bayern ließen ihn zu einer festen Kategorie in der Kabarettszene werden. 1998 komponierte Astor zusammen mit Stephan Lehmann die Hymne des FC Bayern München, "Stern des Südens". Astor gab seit Mitte der 1990er Jahre zahlreiche Konzerte. Mit seinen selbstkomponierten, vorwiegend für Gitarre geschriebenen Instrumentaltiteln füllt er mittlerweile fünf Alben. Zahlreiche Auszeichnungen. wp