Mit einem großen Zuschauerandrang wird gerechnet, wenn heute der Stadtrat über eine Umbenennung der Von-Schultes-Straße in Max-Brose-Straße entscheidet. Die Sitzung beginnt um 12 Uhr im Rathaussaal, und gleich der erste Tagesordnungspunkt ist der Antrag der Grünen auf Verschiebung der Max-Brose-Entscheidung. Begründung: Zunächst sollte ein Kriterienkatalog für die Ehrung von Personen mit Straßennamen aufgestellt werden.

Sollte der Antrag - wie allgemein erwartet wird - abgelehnt werden, geht es mit 13 anderen Tagesordnungspunkten weiter. Dann wird es einen nicht-öffentlichen Sitzungsteil geben; sprich: Alle Zuschauer müssen den Saal verlassen. Wenn es dann wieder öffentlich weitergeht, wird Tagesordnungspunkt 15 aufgerufen: der Beschluss über eine Umbenennung.

Mehrheit scheint sicher
Derzeit spricht vieles dafür, dass es bald eine Max-Brose-Straße in Coburg gibt. So möchte die CSU/JC-Fraktion (12 Sitze) geschlossen dafür stimmen. Auch von CSB (4) und SBC (4) wird ein solches Votum erwartet. Damit würde bereits die Stimme von Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) reichen, um auf die erforderliche Mehrheit von 21 Stimmen in dem 41-köpfigen Gremium zu kommen.

Doch das Gremium wird sowieso nicht komplett sein. So hat Bettina Lesch-Lasaridis, die Vorsitzende der SPD-Fraktion, bereits angekündigt, dass sie nicht an der Sitzung teilnehmen kann. Sie befinde sich - wie jedes Jahr um diese Zeit - auf einer einwöchigen Fachtagung im Ausland. Die SPD-Politikerin gilt als Gegnerin einer Umbenennung - so, wie übrigens noch viele weitere Mitglieder der SPD-Fraktion (11 Sitze).

Geschlossen gegen eine Max-Brose-Straße wollen die Grünen (4 Sitze) stimmen. Daran hat auch ein Treffen mit Michael Stoschek vergangene Woche nichts geändert. "Bei unserem Besuch hatten wir um Verständnis und Unterstützung für unseren Antrag zur Verschiebung der Entscheidung gebeten", erklärte gestern Martina Benzel-Weyh.

SPD vor der Zerreißprobe?
Der Grünen-Fraktionssprecherin ist außerdem wichtig, dass es Stoschek gewesen sei, der in dem Gespräch gesagt habe, dass er kein Kriterium wüsste, welchem Max Brose nicht Stand hielte. Im Tageblatt-Interview hatte Stoschek gesagt, dass auch die Grünen kein Kriterium wüssten, das gegen seinen Großvater spreche.

"Wir haben uns zu den Kriterien nicht geäußert", sagt Benzel-Weyh, "da die Erstellung des Kriterienkatalogs von der Stadtverwaltung erst erarbeitet wird." Wie angespannt die Stimmungslage vor allem bei der SPD zu sein scheint, wurde am Mittwochabend deutlich. Bei der Hauptversammlung des SPD-Ortsvereins Nordstadt wurde der Medienvertreter höflich nach draußen gebeten, weil man nicht-öffentlich tagen wolle. Unschwer zu erraten, über welch strittiges Thema da lieber hinter verschlossenen Türen diskutiert werden sollte.