Ein Ende der Verhandlung ist noch nicht in Sicht: Nachdem am Freitag die Hauptverhandlung gegen einen 63-jährigen Masseur aus dem Landkreis Coburg abgebrochen wurde, weil dieser unter Kreislaufbeschwerden litt, nahm ein Arzt zu Beginn des mittlerweile fünften Verhandlungstages eine erneute Untersuchung vor. Der Arzt gab dem Mann, der eine schwere Herzerkrankung hat, grünes Licht für die weitere Teilnahme am Verfahren.
Der Mann muss sich mittlerweile nur noch wegen sexuellen Missbrauchs in zwei Fällen verantworten. In einem der Fälle soll der Masseur eine Patientin mit dem Finger, in dem anderen Fall eine weitere Patientin sowohl mit dem Finger als auch mit dem Penis penetriert haben. Das Gericht stellte drei der Verfahren ein, weil die deswegen zu erwartende Ahndung gegenüber den verbleibenden Fällen nicht beträchtlich ins Gewicht falle, so der Vorsitzende Richter am Landgericht, Christoph Gillot.

Der Verteidiger des Angeklagten, Alexander Schmidtgall, begründete die restlichen seiner fünf vorbereiteten Anträge. Einer der Zeugen, auf die Schmidtgall gedrängt hatte - ein Polizeibeamter aus Lichtenfels - bestätigte die Anzeige wegen Vergewaltigung durch die Hauptbelastungszeugin und ihre Lebenspartnerin. Schmidtgall forderte ein technisches Gutachten über die Belastbarkeit der Massageliege. Das Gutachten werde ergeben, dass die verwendete Liege das Gewicht von Angeklagtem und Zeugin gar nicht habe aushalten können, argumentierte er. Außerdem sei die Liege beschädigt. Dazu beantrage er ein medizinisches Gutachten, da sein Mandant die Hauptbelastungszeugin in der von ihr geschilderten Position anatomisch gar nicht habe penetrieren können. Schließlich beantragte er, den gynäkologischen Sachverständigen, der bereits am Freitag ausgesagt hatte, wegen Befangenheit abzulehnen. Dieser habe den Angeklagten bereits vorverurteilt, sagte er. Hintergrund: Der Gutachter hatte dem Angeklagten jegliche Qualifikation abgesprochen.

Nur ein medizinischer Eingriff

Während die Anklage davon ausgeht, dass der Masseur seine Patientin unter Ausnutzung seines Behandlungsverhältnisses mit dem Finger penetriert und sich so des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht hat, will der Masseur bei der Frau lediglich einen manuellen medizinischen Eingriff zur Anhebung der Gebärmutter vorgenommen haben. Schmidtgall argumentierte mit dem fehlenden Fachwissen des Gynäkologen. Dieser könne lediglich den Bereich der Schulmedizin abdecken und nichts anderes. Der Masseur habe allerdings eine Therapie aus der Osteopathie angewandt, die in Amerika - anders als in Deutschland - als spezielle Ausbildung anerkannt sei. Schmidtgall zweifelte an der Fachkunde des Gynäkologen und forderte damit einen dritten Gutachter.

Sowohl die Staatsanwältin als auch die Nebenklägervertreterin beantragten, den Befangenheitsantrag nicht stattzugeben. "Der Sachverständige hat die Fragen sachkundig beantwortet, ohne den Eindruck zu erwecken, befangen zu sein", sagte Staatsanwältin Jana Huber. Der Antrag auf einen weiteren Gutachter aus dem Bereich der Osteopathie sei abzulehnen. Auch das medizinische Gutachten lehnte Huber ab: "Die Zeugin hat ausgesagt, sie sei sich in keiner Weise sicher gewesen, wie die Penetration genau vor sich gegangen sei", sagte sie, "ein Sachverständiger kann ohne Grundlagen dazu kein genaues Gutachten erstatten". Genau so sah dies die Nebenklägervertreterin: "Wir kommen ja hier von der Verteidigung vom Hundertsten ins Tausendste", erklärte sie. Zur Schilderung des sexuellen Missbrauchs durch die Hauptbelastungszeugin sagte sie: "Vielleicht waren wir ja in einer anderen Hauptverhandlung." Sie habe wie die Staatsanwältin genau zugehört, als die Zeugin ausgesagt habe, sich nicht detailliert daran erinnern zu können, wie die Penetration auf der Massageliege vonstatten gegangen sei.

Gillot ließ die Massageliege mit grüner Polsterung und einer Stahlrohrkonstruktion in den Gerichtssaal bringen. Die Lebensgefährtin des Angeklagten wurde gebeten, die schadhafte Bruchstelle zu zeigen, von der sie bei ihrer ersten Zeugenbefragung berichtete. Bei Inaugenscheinnahme erwies sich diese jedoch als Klebestreifen. "Da haben Sie von einem Rohrbruch gesprochen", erklärte Gillot, "das ist offensichtlich nicht richtig." "Da habe ich mich wohl geirrt", sagte die Zeugin. Sie habe die Liege wohl verwechselt.

Hält die Liege?

"Traut sich jemand", fragte Gillot und setzte sich auf das Möbelstück. Neben ihm nimmt der Verteidiger Platz. 150 Kilogramm halte die Liege maximal aus, hatten Verteidiger und Angeklagter mehrfach argumentiert. Deshalb, so hieß es, sei sie gar nicht dazu geeignet, auf ihr den Geschlechtsverkehr zu vollziehen. Gillot ließ sich das Gewicht von Schmidtgall geben und addiert: "Es wäre schön, wenn die Presse unser Gewicht nicht veröffentlichen würde." Deshalb nur so viel: Das angegebene Maximalgewicht wurde auf jeden Fall überschritten, ohne dass die Liege sichtbar Schaden genommen hätte.

Als der Angeklagte daraufhin eine Nachstellung des vermeintlichen Geschlechtsaktes fordert, lehnte Gillot ab. Dazu sehe sich die Kammer nicht veranlasst, erklärte er.
Die Verhandlung wird fortgeführt.