Alle Gutachter hatten sich in der Verhandlung am Donnerstag dafür ausgesprochen, dass der Angeklagte Jerry J. nach dem Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden sollte. Einhellig kamen Michael Wolf von der Jugendgerichtshilfe Coburg sowie die Psychologin Karoline Pöhlmann und der Psychiater Dr. Cornelis Stadtland (beide München) zu dem Schluss, dass es keinerlei Anzeichen gibt, die es rechtfertigen würden, den zum Tatzeitpunkt 20-Jährigen nach dem Jugendstrafrecht zu verurteilen. Sowohl im Bereich seiner Lebensplanung als auch seiner beruflichen Perspektiven sei er mittlerweile stabil, er habe sich längst von seinen Eltern gelöst, habe gute berufliche Perspektiven genutzt und feste Freundschaften gepflegt, meinte Wolf, der Reifedfizite nach den Kriterien von Esser und Schmidt untersuchte. Karoline Pöhlmann, die Jerry J. in der Justizbollzugsanstalt Kronach untersuchte, stellte bei ihm einen Intelligenzquotienten von 94 fest. Sie bescheinigte ihm eine gut ausgebildete praktische, aber durchaus auch gute soziale Intelligenz.

Nach der Schilderung seiner Persönlichkeit, die geprägt sei von geringem Sebstwertgefühl und Misstrauen anderen gegenüber, kam sie zu dem Schluss, dass bei dem Angeklagten kein erhöhtes Aggressionspotential vorliege. Seine Frustrationstoleranz sei vermindert. Unter Stress reagiere er nervös und erschüttert.

Dr. Stadtland, der das psychiatrische Gutachten vorlegte, wies gleich zu Beginn darauf hin, dass das Sexualverhalten eine große Rolle in seiner Einschätzung spiele. Daraufhin wurde die Öffentlichkeit für über 90 Minuten ausgeschlossen.

Im Anschluss an die Ausführungen zu der sexuellen Funktionsstörung, ging Stadtland auf die Persönlichkeitsreife ein. Der Gutachter kam eindeutig zu dem Ergebnnis, dass weder eine Persönlichkeitsstörung noch eine akute Belastungsreaktion zum Tatzeitpunkt vorlag. Die Impulsivität, die Jerry J. auch während der Verhandlung immer wieder in angespannten Situationen zeigte, nannte Stadtland eine Charaktereigenschaft, keine psychische Krankheit.

Die ausführliche Berichterstattung lesen Sie am Freitag im Coburger Tageblatt (Print-Ausgabe).