Das Gewitter draußen konnte der Stimmung in der Kirche nichts anhaben. Am Sonntag haben der Gesangverein Heldritt und der Melchior-Franck-Kreis mit dem jährlichen Frühlingssingen in der Heldritter Nikolauskirche die Sonnentage eingeleitet.

Zum 40. Mal wurde das Frühlingskonzert in der komplett besetzten Kirche abgehalten und genau so oft hat Knut Gramß seine Sänger und Sängerinnen durch das Programm dirigiert. "Die Musik wurde mir von meinen Eltern in die Wiege gelegt", sagt er. "Ich bin immer auf der Suche nach schönen Volksliedern, die wir einstudieren können."


Oft wandte sich Gramß ans Publikum

Der unermüdliche Einsatz des 69-Jährigen hat sich wie immer gelohnt. Neben Klassikern wie dem "Lerchengesang" und "Im Grün erwacht der frische Mut" von Felix Mendelssohn-Bartholdy standen auch Stücke wie "Wenn die Sonne ihre Strahlen" von Heinz Lemmermann oder "Die drei Prinzessen" von Friedrich Zipp auf dem einstündigen Programm. Oft wandte sich Knut Gramß ans Publikum und gab den Zuhörern interessante Informationen zu der Entstehungsgeschichte und den Komponisten.

Dann waren die Anwesenden dazu eingeladen, selbst mitzusingen. Der Frühlingskanon "Es tönen die Lieder" und der Kanon "Nun wollen wir singen das Abendlied" aus dem Odenwald wirkten fast so, als hätten Chor und Publikum die Stücke zusammen einstudiert. Sabine Jäckel-Stampf sang bei "Verstohlen geht der Mond auf" und "Ach wie ist's möglich dann" solo und gab eine Kostprobe ihrer Sopranstimme.


Gramß ist auch Komponist

Mit "O Heimatdorf" bewies Knut Gramß, dass er mit seinem Chor nicht nur Stücke einstudieren, sondern auch selbst komponieren kann. Zu Ehren von Friedrich Rückert hat der Chorleiter auch eines der bekanntesten Gedichte, "Aus der Jugendzeit", musikalisch interpretiert. "Viele wissen nicht, dass Rückert einer der meistvertonten deutschen Dichter ist", erklärte er.

Während viele Stücke vom Gesangverein Heldritt a cappella gesungen wurden, erklangen andere in Begleitung von einem Blockflötenquartett und romanischen Bienenkorbglocken. Knut Gramß selbst spielte die Bassflöte. Den Abschluss bildete ein musikalisches "Vater unser", bevor die Anwesenden zu Bratwürsten und Kuchen in die ehemalige Grundschule eingeladen waren, die sich gleich neben der Nikolauskirche befindet.


"Es klang schön"

Zuvor wurde Knut Gramß aber noch für seine Arbeit mit dem Gesangverein geehrt. Seit 55 Jahren ist er Chorleiter und hat in dieser Zeit 81 Frühlings- und Weihnachtskonzerte veranstaltet. Das kann sonst nur der Coburger Reinhold Trautmann von sich behaupten, der ebenfalls bei keinem einzigen Konzert gefehlt hat und jede Woche für die Chorprobe nach Heldritt fährt. "Knut hat so viel Energie und Leidenschaft", sagte Sopranstimme Sabine Jäckel-Stampf, "dank ihm durften wir viele wunderschöne Lieder kennenlernen." Auch das jüngere Publikum war begeistert. "Ich habe zwar nicht alles verstanden, was gesungen wurde, aber es klang schön", sagte der neun Jahre alte Anton. Sein kleiner Bruder Leon war vor allem stolz auf seine Mama, die im Chor mitgesungen hat: "Sie macht das immer ganz toll."

Am Ende gab es unter den Zuhörern, die aus der Kirche strömten, nur fröhliche Gesichter. Beate Resch ist in Heldritt geboren und war bei 39 Frühlingssingen dabei. "Es ist immer schön und wird nie langweilig, weil sich Knut Gramß jedes Mal etwas Neues einfallen lässt", bestätigte sie. Ans Aufhören denkt Knut Gramß noch lange nicht. "Solange mich Gott gesund hält, mache ich weiter."