Ein atemberaubender Blick bietet sich über den malerischen Seebensee und das ganze Seebental. Umringt von in den Himmel ragenden Gipfeln, und im Hintergrund sogar der höchste Berg Deutschlands, die Zugspitze, die sich bei strahlendem Sonnenschein im Wasser spiegelt: Viele Coburger kennen diese Aussicht - und die Gastfreundlichkeit, die dort oben herrscht.

Wenn man den Aufstieg geschafft hat, trifft man in der gemütlichen Gaststube auf die Familie Schranz. Sie betreut seit 1991 die 7- bis 10.000 Gäste, die jedes Jahr den Weg in die Coburger Hütte finden. Hauptsächlich seien es Einheimische oder Deutsche, erzählt der Hüttenwirt Friedrich Schranz (57), von allen aber nur Friedl genannt. Darunter seien natürlich auch sehr viele Coburger, die über den Deutschen Alpenverein mit ihrer Hütte stark verbunden sind. Neue Gäste begrüßt man hoch oben in den Bergen aber eher selten. Die meisten, die den steinigen Weg meistern, seien Stammgäste.


Transporte per Seilbahn

Versorgt werden sie dann mit klassischer Tiroler Kost. Dafür sorgen seine Frau Reingard (56) und sein jüngster Sohn Christian (34). "Würde ich kochen, dann hätten wir keine Gäste mehr auf der Hütte", scherzt Friedl über seine Kochkünste. Doch wie bekommt man die Zutaten und alle anderen täglich benötigten Gegenstände in diese Höhe? "Die meisten Sachen kaufen wir in Innsbruck - 80 Kilometer hin und retour." Verbunden ist die Coburger Hütte dann mit einer Materialseilbahn hinunter ins Tal, zum Seebensee. Von da aus können die Einkäufe mühelos nach oben transportiert werden.

Einfach ist der Beruf trotzdem nicht. Bis zu 20 Stunden kann ein Arbeitstag auf der Hütte für die Familie Schranz dauern, bis alle Gäste in ihre Schlafsäcke gekrochen sind und in der guten Stube wieder klar Schiff gemacht wurde. Dennoch macht Friedl seine Arbeit, die er auf der Hütte schon seit 25 Jahren ausführt, viel Spaß: "Zum Hüttenwirt muss man geboren sein, das kann man nicht lernen. Und wenn die Gäste zufrieden sind und am Abend alle wieder unfallfrei zur Hütte zurückkehren, dann bin ich froh."

Nachdem die Gäste durchgeschnauft und neue Kräfte gesammelt haben, kann das eigentliche Alpenerlebnis beginnen. Hauptsächlich unternehmen die Gäste Wanderungen in der Umgebung, viele kommen auch gerne zum Klettern.

Alle Mitglieder der Familie Schranz wohnen jährlich etwa sechs Monate lang auf der Hütte. Zur Zeit ist die Hütte aber - bis Juni - geschlossen. Bis dahin muss sich Friedl finanziell anders über Wasser halten, denn genug Geld, um den Winter zu überstehen, fließe in einem halben Jahr nicht in die Kasse. Deshalb rast Friedl jetzt auf der Raupe, dem Schneemobil oder auch als Skilehrer über die Pisten. Wenn er mal in den Ruhestand geht, sollen die beiden Söhne in seine Fußstapfen treten.

In Coburg war die Familie auch schon öfter. Besonders beliebt sind bei ihnen die Bratwürste, die Veste und das Landestheater. "Eine sehr schöne Stadt", lobt Friedl, "und das würde ich auch sagen, wenn ich nicht der Wirt der Coburger Hütte wäre!"