Das Personal wird weniger, die Einsätze nicht. Vor diesem Dilemma stehen die Feuerwehren des Landkreises. Dies hat die jährliche Tagung der Feuerwehr-Kommandanten, die am Samstag im TSV-Sportheim stattfand, gezeigt. Aus einer überdurchschnittlich langen Reihe von großen Einsätzen ragte dabei der Großbrand eines landwirtschaftlichen Anwesens im Dezember in Scherneck heraus. "Personell so schlimm wie ein Kreisfeuerwehrfest", sagte Kreisbrandinspektor Stefan Püls mit ein bisschen Ironie im Rückblick, war das Feuerwehr mit rund 300 Einsatzkräften im Bad Rodacher Stadtteil.


Immerhin: In einer logistischen Meisterleistung gelang des den Feuerwehren aus dem gesamten nordwestlichen Landkreis und Südthüringen, die Wohngebäude im Gauerstadter Ortskern zu retten. Was Stefan Püls, der damals Einsatzleiter war, noch eine besondere Erwähnung wert war: "Die Zusammenarbeit aller Organisationen war hervorragend."


Kooperation ist ohnehin ein Begriff, der im Feuerwehrdienst von steigender Bedeutung sein wird. Kreisbrandrat Manfred Lorenz stellte in seinem Jahresbericht heraus, dass in Zukunft mehr Arbeit auf weniger Schultern verteilt werden müsse. Doch leicht scheint dieses Problem mit gemeindeübergreifenden Kooperationen nicht zu lösen sein.

Erste Versuche in diese Richtung - Sonnefeld und Ebersdorf bei Coburg wurden als Pilotprojekt auserkoren - bewertete Lorenz fast schon ernüchtert: Insbesondere aus kommunalrechtlichen Gründen sei ein "Mischmasch" von Feuerwehren aus zwei Gemeinden praktisch nicht umsetzbar. Nichtsdestotrotz kommt das Feuerwehrwesen im Coburger Land in Zukunft um mehr Kooperationen und vielleicht aus Fusionen nicht herum. Gerade im ländliche Raum, Lorenz nannte als Beispiel das Stadtgebiet Seßlach, sei dies die einzige Lösung, um einsatzbereite Feuerwehren zu haben.


Ein Thema, das in diesem Zusammenhang derzeit recht heiß diskutiert wird, sprach Landrat Michael Busch (SPD) an: die Kosten für die Anschaffung von "überörtlich" eingesetzten Fahrzeugen. Dabei gab es zuletzt im Kreistag einen Vorstoß, dass sich der Landkreis daran beteiligen müsse. Busch klagte, er habe das Gefühl, dass ihm mit dem "Drehleiter-Diskussion" einer "hineingewürgt" werden solle. Dabei sei der Feuerschutz alles andere als ein Fall, der sich für so etwas anbiete. Deshalb bat Busch um Zeit - damit sich der Landkreis mit der Kreisbrandinspektion zu überörtlichen Einsätzen abstimmen könne.

Die Frauen können das

Auf einer Linie mit der Feuerwehrführung war Busch bei der Anstrengung, künftig mehr Frauen in den aktiven Dienst zu integrieren. Nur so könne man den Herausforderungen durch den demografischen Wandel begegnen, zeigte sich der Landrat überzeugt. Dass Frauen effektiv und schlagkräftig Feuerwehrdienst leisten können, stand für den Landrat dabei sowieso außer Frage: "Die können das!" Um dies alles finanzieren zu können, brachte Busch die vor vielen Jahren abgeschaffte Feuerschutzabgabe wieder ins Gespräch: "Wir sollten schauen, dass wir das wieder hinbekommen."


Dass die Feuerwehren manchmal zeitlich extreme Aufgaben erfüllen müssen, davon kann der Untersiemauer Bürgermeister Rolf Rosenbauer (CSU) ein Lied singen. Als Vertreter der gastgebenden Gemeinde erinnerte Rosenbauer an den Dauer-Einsatz an der Itz, als dort im vergangenen Sommer große Mengen alter Weltkriegsmunition geräumt wurden. "Die Feuerwehr hat uns da in hervorragender Weise unterstützt", erinnerte der Bürgermeister.

Und künftig wird es wohl eher mehr als weniger solcher Sondereinsätze geben, prophezeite Rosenbauer. Dabei machte der Untersiemauer Bürgermeister noch einmal Druck auf die Deutsche Bahn: "Sie muss den Feuerschutz in angemessener Weise finanziell unterstützen." Zumindest in diesem Punkt zeigte sich Kreisbrandrat Manfred Lorenz optimistisch: "Die Verhandlungen verlaufen sehr konstruktiv."




Die Feuerwehren im Landkreis Coburg


Zahlen Die jährliche Personalstärke der Landkreisfeuerwehren in den vergangenen fünf Jahren: 3123 - 3087 - 2941 - 2921 - 2880. Die Zahl der Einsätze in den vergangenen fünf Jahren: 1278 - 1370 - 1365 - 1357 - 1267.

Ehrungen Für außergewöhnliches Engagement im Feuerwehrwesen wurden bei der Frühjahrs-Kommandantentagung ausgezeichnet: Harro Trautmann (Rödental, Ernennung zum Ehren-Kreisbrandinspektor); Karl-Ludwig Schmidt (Kaltenbrunn, Ehren-Kreisbrandmeister); Peter Schneider (Dörfles-Esbach, Ehrenzeichen des Kreisfeuerwehrverbandes in Gold); Rüdiger Florschütz (Weitramsdorf, Ehrenzeichen des Kreisfeuerwehrverbandes in Bronze); Reinhard Hartung (Untersiemau, Deutsches Feuerwehr-Ehrenkreuz in Gold); Christian Boßecker (Deutsches Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber).

Personalie Vorgestellt wurde bei der Kommandantentagung der Nachfolger für Kreisbrandmeister Karl-Ludwig Schmidt: Unter anderem für das Stadtgebiet Seßlach zuständig ist ab sofort Johannes Kempinski (Witzmannsberg), der zuvor bereits zehn Jahre Kommandant bei der Feuerwehr Neundorf war.