Seit vor vier Wochen bekannt wurde, dass Intendant Bodo Busse das Landestheater vorzeitig Richtung Saarbrücken verlassen wird, kursieren viele Spekulationen. Was bedeutet der Weggang des erfolgreichen Prinzipals für den Musentempel am Schlossplatz? Warum Eile bei der Suche nach einem Nachfolger die falsche Option wäre, verrät Busse im Interview.

Sie verlassen das Landestheater im Sommer 2017 nach sieben Spielzeiten zwei Jahre vor Ende Ihres Vertrags. Trotzdem scheint Ihnen von offizieller Seite niemand ernstlich übel zu nehmen, dass Sie die Chance ergreifen, Intendant eines Staatstheaters zu werden. Überrascht Sie diese Reaktion?
Bodo Busse: Zunächst einmal hat es mich überrascht, dass letztlich alles so schnell gegangen ist mit diesem Ruf nach Saarbrücken. Sehr gefreut hat mich, dass man meine Entscheidung versteht, eine neue berufliche Herausforderung zu suchen und sie auch anzunehmen. Sieben Jahre wie in Coburg sind irgendwie auch ein natürlicher biologischer Rhythmus. Es ist nicht so, dass wir den ganzen Kreis des künstlerisch Möglichen in Coburg schon ausgeschritten hätten. Aber ich glaube, dass wir in diesen dann sieben Jahren viele unserer Zielsetzungen auch umgesetzt haben. Als Botschaft ist mir ganz wichtig: Ich verlasse Coburg nicht, weil sich das Thema Generalsanierung jetzt einige Jahre hingezogen hat. Das, was bislang gelaufen ist, würde mir sogar Mut machen, die Sanierungsphase künstlerisch mitzugehen. Die Dinge, die angedacht werden, sind sehr attraktiv.

Welche Reaktionen haben Sie ansonsten erlebt?
Oft kommen Leute auf mich zu und heben tadelnd den Zeigefinger: Ich werde liebevoll gemaßregelt, dass ich weggehe, aber man sieht neben diesem strengen Zeigefinger immer auch ein Lächeln. Letztlich ist es ja auch für die Stadt und das Theater ein Signal, dass die Arbeit hier wahrgenommen wird, dass wir dieses Haus mit einem Fähnchen auf der Theaterkarte Deutschlands versehen haben. Die Coburger sind so eng mit ihrem Theater verbunden, dass sie verstehen, dass auch ein Intendant einen normalen Lebensrhythmus hat, dass man geht, wenn es am schönsten ist.

Als kurze Zwischenbilanz Ihrer Intendanz: Was liegt und lag Ihnen besonders am Herzen bei der Arbeit am Landestheater?
Mir war wichtig, dass die Außenwahrnehmung dieses Hauses einen anderen Schwerpunkt bekommt. Wir haben das Haus programmatisch geöffnet, wir sind ein modernes Mehrspartentheater mit allen Formaten des zeitgenössischen Theaterschaffens und nicht nur für Operette und Musical da. Das waren wir auch auf hohem Niveau, das sollte auch so bleiben. Aber ich habe manchmal so den Eindruck, dass man von außen auf Coburg schaut und denkt: Operette und Musical.

Was bedeutet der vorzeitige Abschied aus Coburg für Ihre letzte Spielzeit am Landestheater?
Wir haben die nächste Spielzeit - unabhängig von meiner Berufung nach Saarbrücken - sehr frühzeitig punktgenau durchgeplant, auch was Besetzungen anbelangt. Natürlich werde ich jetzt schon gefragt: Wen nehmen Sie mit? Wen nehmen Sie nicht mit? Das ist alles noch offen. Ich muss mir erstmal ein sehr genaues Bild machen von Saarbrücken.

Sie sind jetzt noch gut 13 Monate im Amt als Coburger Intendant. Was wollen Sie in dieser Zeit künstlerisch noch erreichen?
Ich freue mich wahnsinnig, dass wir mit "Fidelio" und "Parsifal" nächste Saison zwei riesige Brocken hinsetzen. Ich freue mich auch, dass wir den Mut haben, ein Stück wie "Die stumme Serenade" von Korngold zu machen als Beitrag zum Thema Operette von einem Komponisten, dem man das gar nicht zugetraut hätte. Und ich freue mich sehr darauf, dass Susanne Lietzow ihre erste Musiktheater-Produktion in Coburg machen wird - Mozarts "Die Hochzeit des Figaro". Es war lange ein Wunsch von ihr, auch einmal Oper zu machen.

Jenseits des Programmatischen: Wo liegen in der nächsten Saison die besonderen Herausforderungen?
Die Generalsanierung wird mich natürlich bis zu meinem letzten Arbeitstag in Coburg schwerpunktmäßig beschäftigen. Die Entscheidungsfindung in Sachen Interimsspielstätte wird sich wahrscheinlich in diesem Sommer klären, da laufen die Gespräche. Wir sind ja nicht umsonst nach Genf gefahren, wir haben nicht umsonst dieses spannende Hochschulprojekt gemacht. Da gab es eine Präsentation mit 14 Modellen von Studierenden für eine Interimsspielstätte - an verschiedenen Standorten in der Stadt. Dass alle 14 Modelle Holzbauweise waren, ohne dass das eine Vorgabe war, zeigt uns doch, dass wir uns mit den Überlegungen auf der Höhe der Bauingenieurskunst bewegen. Wenn Coburg eine solch interessante Lösung realisiert, ist das ein Signal für das gesamte deutsche Theatersanierungswesen. Bei der Jahrestagung des Bühnenvereins in Kaiserslautern hatten wir eine Podiumsdiskussion zum Thema Theatersanierung. Bei dieser Diskussion haben wir auch durch die Statements der Fachleute gemerkt, dass in Coburg schon viele richtige Entscheidungen getroffen worden sind. Wir sind auf einem sehr, sehr guten Weg.

Das Landestheater muss jetzt dringend einen neuen Intendanten suchen. Wenn Sie in der Findungs-Kommission säßen: Welchen Rat würden Sie dem Verwaltungsausschuss geben?
Man sollte jetzt ganz schnell eine Ausschreibung machen, in der alle Themen enthalten sind, die in den nächsten Jahren in Coburg anstehen - allen voran natürlich die Generalsanierung des Landestheaters. Ich rate zu Augenmaß und zu einem langsamen, sauberen Verfahren. Holt Fachleute in die Findungskommission, überseht nicht, dass das Landestheater Coburg viel Musiktheater zu machen hat. Gerade in der Interimsphase muss man mit dem Musiktheater besonders intelligent umgehen. Man muss sich Zeit lassen und sollte nicht meinen Weggang im Sommer 2017 hektisch mit einer sofortigen Neubesetzung in Zusammenhang bringen. Das habe ich dem OB auch gesagt. Im Kopf und in Gestalt einer Disposition ist die übernächste Spielzeit auch bereits geplant. Wir haben schon einige Highlights gesetzt, eigentlich ist auch schon klar, was die Eröffnungspremiere sein sollte. Es wäre also durchaus möglich, wenn die Stadt und die Rechtsträger das wollen, das wir planerisch die übernächste Spielzeit schon relativ weit bringen. Zunächst einmal gehe nur ich weg.

Welche Art von Übergangslösung könnten Sie sich vorstellen?
Man müsste auf unseren Generalmusikdirektor Roland Kluttig zugehen, auch andere Vorstände haben noch laufende Verträge. Für das Publikum könnte es also auch in der ersten Spielzeit nach meinem Weggang noch eine künstlerische Kontinuität geben. Ich rate ganz dringend zu einer Interimsphase, damit die Stadt und die Rechtsträger seriös und mit dem nötigen zeitlichen Vorlauf die Nachfolge regeln können. Wenn die Politik die Nachfolgefrage seriös lösen will, dann soll sie sich die nötige Zeit nehmen. Wenn man sich Zeit lässt, findet man auch geeignete Kandidaten. Natürlich gibt es viele, die sofort antreten würden, das ist klar, aber ob das die richtige Lösung ist, weiß ich nicht. Mir wäre es jetzt wichtig, dass Ruhe in die Ensembles kommt, da ist jetzt natürlich sehr viel Unruhe und Unsicherheit. Das ist auch verständlich. Mein früherer Weggang ist für viele jetzt doch überraschend gekommen.