Der Protest zeigt Wirkung: Einen Ausbau der Brandensteinsebene fordern die "Freunde der Brandensteinsebene" nun nicht mehr. Gleiches gilt für Bündnis 90/Grüne, ÖDP, die "Bürger für ihre Region gegen den neuen Verkehrslandeplatz". Das verkündeten Vertreter der vier Parteien und Gruppen gestern im "Grünen Büro".
Wobei die Verlängerung der Landebahn mit Geländeaufschüttungen in Richtung Rögen/Lützelbuch nie gefordert war, wie Stadtratsmitglied Klaus Klumpers (ÖDP) betonte: Man habe das vorgeschlagen, "um ein Bonbon für die Wirtschaft zu haben", die ja eine längere Landebahn wünsche.

Die Landebahn war einmal rund 860 Meter lang, wurde aber, um auch eine Anflugbefeuerung und Sicherheitsstreifen auf der Brandensteinsebene unterzubringen, verkürzt. Diese Dinge sind notwendig, damit der Instrumentenflugbetrieb genehmigt wird. Allerdings wurde auf der Brandensteinsebene nur ein 150 Meter lange Anflugbefeuerung installiert, nicht die vorgeschriebenen 420 Meter. Für die verkürzte Anflugbefeuerung gilt eine Ausnahmegenehmigung, die Ende 2019 ausläuft. Sie kann sogar sofort entzogen werden, wenn die Stadt Coburg als Eigentümerin des Platzes nicht nachweist, dass sie Anstrengungen unternimmt, einen richtlinienkonformen Verkehrslandeplatz herzustellen.

Den Richtlinien entsprechen und alle Anforderungen der Coburger Unternehmen mit Werksflugzeugen an die Bahnlänge zufriedenstellen kann die Brandensteinsebene aber nicht. Deshalb wird ein neuer Flugplatz bei Neida geplant, der aber nach Auskunft des Luftamts Nordbayerns so nicht genehmigungsfähig ist. Grund sind die Erhebungen im Süden des geplanten Platzes. Schon am 17. März dieses Jahres wies die Deutsche Flugsicherung das Luftamt Nordbayern und die entsprechende Stelle im Bundesverkehrsministerium darauf hin, dass eine Ausnahmegenehmigung des Bundesverkehrsministeriums erforderlich sei.


"Werden nicht mehr mitgehen"

"Es wurde immer kommuniziert, dass die Brandensteinsebene nicht weiter ausgebaut werden kann", sagte Martina Benzel-Weyh, Stadtratsmitglied und Vorstandssprecherin der Grünen. Mit "Ausbau" war vor allem eine Verlängerung der Landebahn gemeint. Zuletzt hatte der neugegründete Verein "Freunde der Brandensteinsebene" eine solche Verlängerung (mit Aufschüttungen) vorgeschlagen. Die aber stoße auf "erheblichen Gegenwind" im Coburger Osten und deshalb "werden wir da nicht mehr mitgehen", sagte Benzel-Weyh.

Ihr zufolge ist eine Verlängerung der Bahn ohnehin nicht nötig. Denn sie wird ja genutzt, auch für den Werkflugsverkehr. Auch das Problem des nur befristet erlaubten Instrumentenflugs sei lösbar, sagte Benzel-Weyh und berief sich auf ein Telefonat mit dem zuständigen Sachbearbeiter des Luftamts Nordbayern. Die bestehende Ausnahmegenehmigung könne vom Bundesverkehrsministerium verlängert werden, theoretisch zumindest und auf Antrag. Oder die Stadt Coburg installiert eine den Richtlinien entsprechende Anflugbefeuerung und setzt entsprechend hohe Masten ins Tal zwischen Brandensteinsebene und Lützelbuch.

Dass dies möglich sei, belegte Benzel-Weyh mit Zitaten aus den Planfeststellungsunterlagen. Dort ist die Rede davon, dass eine solche Anflugbefeuerung vermutlich mit einem Aufwand von einer Million Euro herzustellen sei. "Dann ist die Brandensteinsebene ein richtlinienkonformer Flugplatz, und fertig!", fasste die Grünen-Stadträtin zusammen. So sah es auch Dagmar Escher, Sprecherin der "Bürger für ihre Region": Wenn die Anflugbefeuerung aufgeständert werde, sei alles erledigt.

Diesen Flugplatz könnten dann zumindest all die Flugzeuge nutzen, die das jetzt schon tun. Ausnahme bleibt der Jet der Firma Brose, der abgezogen wurde, nachdem 2012 die Start-bahn verkürzt worden war. Etwas, was Klaus Klumpers bis heute nicht versteht, "denn es wurde ja kein Meter Bahn weggekratzt". Hubertus Steiner stauch, Sprecher des Vereins "Freunde der Brandensteinsebene", verwies jedoch darauf, dass für Jets andere Sicherheitsbestimmungen gelten als für Turbopropmaschinen. Deshalb könne der Jet die Brandensteinsebene auch dann nicht mehr nutzen, wenn die Bahn in ihrer vollen Länge zur Verfügung stünde.

Dass die Vorschriften generell verschärft werden könnten, hielt Klaus Klumpers für unwahrscheinlich: Das habe es vor zehn Jahren geheißen, deshalb habe der Stadtrat ja den Planungen für einen neuen Flugplatz zugestimmt. Doch den lehnen die vier Organisationen nach wie vor ab, unabhängig vom Standort. Es gehe auch um Naturschutz, Nachhaltigkeit und Landverbrauch, sagte Wolf-Rüdiger Benzel, Grüner und Stadtratsmitglied in Coburg.


In Stichworten: Flugplatz und Planfeststellungsverfahren

Flugbetrieb Auf dem Verkehrslandeplatz Brandensteinsebene ist wegen der aktuellen Gegebenheiten nur Privat- und Werksflugverkehr möglich, aber kein gewerblicher Flugbetrieb, wie zum Beispiel Charterflüge für kleine Gruppen.

Neubau Der geplante neue Flugplatz bei Neida soll nicht nur eine richtlinienkonforme Anflugbefeuerung aufweisen, sondern auch eine längere Start- und Landebahn. Damit wäre den Sicherheitsbestimmungen für gewerblichen Flugverkehr Genüge getan.

Verfahren Das Luftamt Nordbayern hat mit einem Schreiben vom August zahlreiche Mängel in den Planfeststellungsunterlagen kritisiert. Wegen der Geländeerhebungen im Süden der Landebahn sei der geplante Flugplatz bei Neida überdies nicht genehmigungsfähig.

Gespräche Über den Sachstand soll heute, Donnerstag, im Stadtrat informiert werden. Ob das im öffentlichen Teil der Sitzung geschieht, muss der Stadtrat aber erst entscheiden. Für Freitag ist außerdem ein Gespräch mit Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) geplant. Der Freistaat hatte zugesagt, den Flugplatzneubau mit 15 Millionen Euro zu fördern bei Gesamtkosten von 30 Millionen Euro.