Hinter Monika Gehrlicher-Oeckler und ihrer Tochter Carmen Weiland liegen aufregende Wochen. Seit sie im Oktober bekannt gemacht hatten, dass ihr alteingesessenes Schuhgeschäft Oeckler für immer schließt, erlebten sie einen wahren Ansturm von Kunden. Doch auch dieser kurzfristige Umsatzschub kann ihren Entschluss nicht mehr ändern. Am 21. Dezember, um 18 Uhr, werden sie die Ladentür ein für alle Mal schließen.


"Die Leute haben hier gesessen, und geweint", sagt Carmen Weiland und ihre Mutter fügt hinzu: "Fast jeder hat gesagt, ,Ihr dürft einfach nicht schließen‘ und die Leute haben gefragt, ,Wo sollen wir denn jetzt hin?‘" Tatsächlich sorgte der Ansturm dafür, dass die Lagerräume jetzt weitgehend leer sind. Doch "Es gibt ja schon noch Schuhe", wie Bürgermeister Marco Steiner feststellte, der zu einem Abschiedsbesuch in eines der bekanntesten Ladengeschäfte seiner Stadt gekommen war.


Noch gibt es Schuhe

Tatsächlich stehen noch Schuhe in den Regalen. Möglichst viele sollen noch weg bis zum 21. Dezember. 50 oder gar 70 Prozent Rabatt sollen dabei helfen. Wenn Monika Gehrlicher-Oeckler zurückdenkt an die vielen Jahre, die sie im Laden stand, dann sagt sie: "Wir möchten uns wirklich einmal für 65 wundervolle Jahre bedanken."


Dass sie und ihre Tochter nun keine Zukunft mehr für Geschäft sehen, führt sie vor allem auf das Wetter der vergangenen Jahre zurück. Winter, die keine waren, Schmuddelwetter bis weit in das Frühjahr hinein, das machte den Schuhhandel nicht nur für kleine Einzelhändler immer schwieriger. Selbst große Handelsketten stöhnen unter Umsatzeinbrüchen. Auch hier führen Fachmagazine der Branche die schlechten Umsätze auf das Wetter zurück. Größere Mengen abzusetzen gelang nur noch mit hohen Rabatten. Das schlug immer wieder auf den Gewinn durch. Dagegen sei der großflächige Einzelhandel auf der grünen Wiese ebenso wie der Internethandel eine eher geringe Belastung gewesen.


Auf Dauer kann sich aber kein Geschäftsmann Verluste leisten. Für das Schuhhaus Oeckler bedeutete das, lieber zu schließen, ehe wirtschaftliche Gründe dazu zwingen.


Viele Jahre war das Geschäft sehr erfolgreich gelaufen. "So einen Erfolg schafft man nicht alleine, das habe ich auch meiner Tochter Carmen und unserer Mitarbeiterin Kerstin Büttner zu verdanken, die beide versierte Schuhkauffrauen sind. Dass die Mitarbeiterin, der sie hat kündigen müssen, schon wieder eine Anstellung gefunden hat, ist für Monika Gehrlicher-Oeckler eine Erleichterung. Trotzdem wird ihr das Herz schwer, wenn sie an den 21. Dezember denkt.