Nach den Unstimmigkeiten der vergangenen Wochen wünscht sich FDP-Kreisrat Peter Jacobi für die Zukunft vor allem eines: "Im Kreistag möchte sich wieder ein ausgeglichener Ton breit machen." In einem vertraulichen Gespräch mit Landrat Michael Busch (SPD) hofft der erfahrene FDP-Mann nun auf eine positive Einflussnahme. Dies teilte Jacobi bei der Hauptversammlung des FDP-Kreisverbandes Coburg Land im Gasthaus Kaiser mit.
Gleich nach einer Pressemeldung, in der Jacobi das Verhalten des Landrates kritisiert hatte, unter anderem war von Schreiattacken die Rede, habe sich Busch telefonisch gemeldet, erzählte Jacobi. "Es freut mich; ich denke, die eine oder andere Einflussnahme ist nun möglich."

Unterlagen kommen zu spät

Einige Vorgänge im Kreistag gefallen Jacobi nicht, zum Beispiel, dass über Vorlagen abgestimmt werden soll, die erst als Tischvorlagen kommen und vorher nicht eingesehen werden können. "Wie soll man sich konkret damit auseinander setzen?", fragt sich Jacobi. Er habe immer klar und deutlich Stellung zum geplanten Verkehrslandeplatz bezogen. Nun bekräftigte er erneut, dass er den Neubau ablehne. Jacobi: "Ich stehe voll hinter dem Bürgerentscheid."

Das Ziel sei es, dass der Landkreis aus der Finanzierung austritt. Zwar seien die 1,5 Millionen Euro an Landkreisbeteiligung im Falle eines Austrittes aus der Projektgesellschaft nur eine kleine Summe, gemessen am Schuldenstand des Landkreises, der mittlerweile auf 38 Millionen Euro angewachsen sei. "Der Landkreis muss sich überlegen, wie er von dem Schuldenberg wieder runterkommt", mahnte Jacobi. Noch in diesem Monat solle erneut über den Landkreis-Haushalt beraten werden, ein genaues Datum stehe aber noch nicht fest.

Mehr Transparenz in Sachen Therme Natur erwünscht

Die Therme Natur in Bad Rodach sieht Jacobi als Leuchtturm-Einrichtung an. Allerdings wünscht er sich bei den Verhandlungen mehr Transparenz. "Es bringt nichts, wenn hinter verschlossenen Türen Möglichkeiten diskutiert werden", betont er. Da die Therme für die Tourismusregion bedeutend sei, müssten Stadt und Landkreis gemeinsam vorgehen.

Die FDP möchte sich der hausärztlichen Versorgung des ländlichen Raumes annehmen und gemeinsame Initiativen absprechen. Außerdem möchte der Kreisverband eine Reihe von Aussprache-Gesprächen mit Personen des öffentlichen Lebens initiieren.

Der FDP-Bezirksvorsitzende Thomas Hacker sieht in den Liberalen die mahnende Stimme in der Politik. Themen, die er ansprach, waren der demografische Wandel und der damit verbundene Fachkräftemangel. Unverständlich sei es, dass es Menschen, die hier Asyl suchen, nicht erlaubt sei, Bildung beziehungsweise eine Ausbildung zu erlangen oder in die Erwerbstätigkeit zu kommen. "Wenn wir den Menschen Bildung mitgeben, dann ist dies die beste Entwicklungshilfe, die wir leisten können", sagte Hacker.

Jäger: Pflegestufen abschaffen

Wie die Kreisvorsitzende Roswitha Jäger informierte, möchte die FDP ein Positionspapier an den Landesausschuss weitergeben, in dem die Abschaffung der drei Pflegestufen gefordert wird. Jäger arbeitet in der Pflege und berichtete von massiven psychischen und körperlichen Belastungen des Personals und von einem hohen bürokratischen Aufwand. Um mehr Pflegepersonal einzustellen, müssten Pflegeberufe attraktiver gestaltet werden und dies müsse sich bei der Bezahlung dieses Berufes auswirken. Es könne nicht sein, dass in der Altenpflege junge Leute für die Ausbildung teilweise zur Kasse gebeten werden. Der FDP-Kreisverband Coburg unterstütze die entsprechende Position der Bayern-FDP.